Storieta
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About this book

Der erste Teil von Goethes Faust ist ein dramatisches Gedicht, das zugleich als Prolog und als Vorwort zu einer Tragödie fungiert. Das Werk eröffnet mit einer poetischen Anrufung schwankender Gestalten, die aus Nebel und Dunst hervortreten und das Herz des Sprechers erschüttern. In einem vielstimmigen Dialog zwischen Direktor, Dichter, lustiger Person und Mephistopheles werden Fragen nach Kunst, Publikum und dem Sinn des Schaffens gestellt, während gleichzeitig ein himmlischer Prolog die drei Erzengel Raphael, Gabriel und Michael einführt und die kosmische Bühne für das spätere Geschehen bereitet. Die Szene wechselt dann zu Faust selbst, der in einem engen, gotischen Zimmer seine Unzufriedenheit mit Philosophie, Jura, Medizin und Theologie beklagt und nach tieferer Erkenntnis durch Magie sucht. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen irdischer Wissenschaft und übernatürlicher Sehnsucht, das das zentrale Motiv des Dramas einleitet.

Der Stil ist von Goethes klassizistischer Hochsprache geprägt, durchsetzt mit barocken Bildern und einer komplexen, fast musikalischen Wortwahl. Die Sprache spiegelt das späte 18. Jahrhundert wider, in dem das Werk entstand, und vereint philosophische Reflexionen mit dramatischer Inszenierung. Leserinnen und Leser, die Freude an dichterischer Vielschichtigkeit, an philosophischen Dialogen und an einer intensiven Auseinandersetzung mit den Grenzen menschlichen Wissens haben, werden an diesem Text Gefallen finden. Besonders Interessierte an deutscher Literaturgeschichte, an mythologischen Motiven und an der Wechselwirkung von Geist und Teufel werden die dichte, bildhafte Sprache und die tiefgründigen Fragen, die bereits im Prolog aufgeworfen werden, schätzen.

Characters in Faust

  • FaustElderly scholar with white hair, spectacles, gaunt face, dark robe, candlelight
  • MephistophelesSlick‑dressed devil in black coat, sharp goatee, sly grin, subtle horns, crimson eyes
  • DirektorMiddle‑aged academic in formal 18th‑century robes, powdered wig, stern expression

The opening · free to read

Ihr beyden die ihr mir so oft, In Noth und Trübsal, beygestanden, Sagt was ihr wohl, in deutschen Landen, Von unsrer Unternehmung hofft? Ich wünschte sehr der Menge zu behagen, Besonders weil sie lebt und leben läßt. Die Pfosten sind, die Breter aufgeschlagen, Und jedermann erwartet sich ein Fest. Sie sitzen schon, mit hohen Augenbraunen, Gelassen da und möchten gern erstaunen. Ich weiß wie man den Geist des Volks versöhnt; Doch so verlegen bin ich nie gewesen; Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt, Allein sie haben schrecklich viel gelesen. Wie machen wir's? daß alles frisch und neu Und mit Bedeutung auch gefällig sey. Denn freylich mag ich gern die Menge sehen, Wenn sich der Strom nach unsrer Bude drängt, Und mit gewaltig wiederholten Wehen, Sich durch die enge Gnadenpforte zwängt; Bey hellem Tage, schon vor Vieren, Mit Stößen sich bis an die Kasse ficht Und, wie in Hungersnoth um Brot an Beckerthüren, Um ein Billet sich fast die Hälse bricht. Dieß Wunder wirkt auf so verschiedne Leute Der Dichter nur; mein Freund, o! thu es heute.

Dichter.

O sprich mir nicht von jener bunten Menge, Bey deren Anblick uns der Geist entflieht. Verhülle mir das wogende Gedränge, Das wider Willen uns zum Strudel zieht. Nein, führe mich zur stillen Himmelsenge, Wo nur dem Dichter reine Freude blüht; Wo Lieb' und Freundschaft unsres Herzens Segen Mit Götterhand erschaffen und erpflegen.

Ach! was in tiefer Brust uns da entsprungen, Was sich die Lippe schüchtern vorgelallt, Mißrathen jetzt und jetzt vielleicht gelungen, Verschlingt des wilden Augenblicks Gewalt. Oft wenn es erst durch Jahre durchgedrungen Erscheint es in vollendeter Gestalt. Was glänzt ist für den Augenblick geboren, Das Aechte bleibt der Nachwelt unverloren.

Lustige Person.

Wenn ich nur nichts von Nachwelt hören sollte. Gesetzt daß ich von Nachwelt reden wollte, Wer machte denn der Mitwelt Spaß? Den will sie doch und soll ihn haben. Die Gegenwart von einem braven Knaben Ist, dächt' ich, immer auch schon was. Wer sich behaglich mitzutheilen weiß, Den wird des Volkes Laune nicht erbittern; Er wünscht sich einen großen Kreis, Um ihn gewisser zu erschüttern. Drum seyd nur brav und zeigt euch musterhaft, Laßt Phantasie, mit allen ihren Chören, Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft, Doch, merkt euch wohl! nicht ohne Narrheit hören.

Director.

Besonders aber laßt genug geschehn! Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn. Wird vieles vor den Augen abgesponnen, So daß die Menge staunend gaffen kann, Da habt ihr in der Breite gleich gewonnen, Ihr seyd ein vielgeliebter Mann. Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen, Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; Und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken! Solch ein Ragout es muß euch glücken; Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht. Was hilft's wenn ihr ein Ganzes dargebracht, Das Publikum wird es euch doch zerpflücken.

Dichter.

Ihr fühlet nicht wie schlecht ein solches Handwerk sey! Wie wenig das den ächten Künstler zieme! Der saubern Herren Pfuscherey Ist, merk' ich, schon bey euch Maxime.

Director.

Ein solcher Vorwurf läßt mich ungekränkt; Ein Mann, der recht zu wirken denkt, Muß auf das beste Werkzeug halten. Bedenkt, ihr habet weiches Holz zu spalten, Und seht nur hin für wen ihr schreibt! Wenn diesen Langeweile treibt, Kommt jener satt vom übertischten Mahle, Und, was das allerschlimmste bleibt, Gar mancher kommt vom Lesen der Journale. Man eilt zerstreut zu uns, wie zu den Maskenfesten, Und Neugier nur beflügelt jeden Schritt; Die Damen geben sich und ihren Putz zum besten Und spielen ohne Gage mit. Was träumet ihr auf eurer Dichter-Höhe? Was macht ein volles Haus euch froh? Beseht die Gönner in der Nähe! Halb sind sie kalt, halb sind sie roh. Der, nach dem Schauspiel, hofft ein Kartenspiel, Der eine wilde Nacht an einer Dirne Busen. Was plagt ihr armen Thoren viel, Zu solchem Zweck, die holden Musen? Ich sag' euch, gebt nur mehr, und immer, immer mehr, So könnt ihr euch vom Ziele nie verirren, Sucht nur die Menschen zu verwirren, Sie zu befriedigen ist schwer -- -- Was fällt euch an? Entzückung oder Schmerzen?

Dichter.

Geh hin und such dir einen andern Knecht! Der Dichter sollte wohl das höchste Recht, Das Menschenrecht, das ihm Natur vergönnt, Um deinetwillen freventlich verscherzen! Wodurch bewegt er alle Herzen? Wodurch besiegt er jedes Element? Ist es der Einklang nicht? der aus dem Busen dringt, Und in sein Herz die Welt zurücke schlingt. Wenn die Natur des Fadens ew'ge Länge, Gleichgültig drehend, auf die Spindel zwingt, Wenn aller Wesen unharmon'sche Menge Verdrießlich durch einander klingt; Wer theilt die fließend immer gleiche Reihe Belebend ab, daß sie sich rythmisch regt? Wer ruft das Einzelne zur allgemeinen Weihe? Wo es in herrlichen Accorden schlägt, Wer läßt den Sturm zu Leidenschaften wüthen? Das Abendroth im ernsten Sinne glühn? Wer schüttet alle schönen Frühlingsblüten Auf der Geliebten Pfade hin? Wer flicht die unbedeutend grünen Blätter Zum Ehrenkranz Verdiensten jeder Art? Wer sichert den Olymp? vereinet Götter? Des Menschen Kraft im Dichter offenbart.

Lustige Person.

So braucht sie denn die schönen Kräfte Und treibt die dicht'rischen Geschäfte, Wie man ein Liebesabenteuer treibt. Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt Und nach und nach wird man verflochten; Es wächst das Glück, dann wird es angefochten, Man ist entzückt, nun kommt der Schmerz heran, Und eh man sich's versieht ist's eben ein Roman. Laßt uns auch so ein Schauspiel geben! Greift nur hinein ins volle Menschenleben! Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt, Und wo ihr's packt, da ist's interessant. In bunten Bildern wenig Klarheit, Viel Irrthum und ein Fünkchen Wahrheit, So wird der beste Trank gebraut, Der alle Welt erquickt und auferbaut. Dann sammelt sich der Jugend schönste Blüte Vor eurem Spiel und lauscht der Offenbarung, Dann sauget jedes zärtliche Gemüthe Aus eurem Werk sich melanchol'sche Nahrung; Dann wird bald dies bald jenes aufgeregt, Ein jeder sieht was er im Herzen trägt. Noch sind sie gleich bereit zu weinen und zu lachen, Sie ehren noch den Schwung, erfreuen sich am Schein; Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen, Ein Werdender wird immer dankbar seyn.

Dichter.

So gieb mir auch die Zeiten wieder, Da ich noch selbst im Werden war, Da sich ein Quell gedrängter Lieder Ununterbrochen neu gebar, Da Nebel mir die Welt verhüllten, Die Knospe Wunder noch versprach, Da ich die tausend Blumen brach, Die alle Thäler reichlich füllten. Ich hatte nichts und doch genug, Den Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug. Gieb ungebändigt jene Triebe, Das tiefe schmerzenvolle Glück, Des Hasses Kraft, die Macht der Liebe, Gieb meine Jugend mir zurück!

Lustige Person.

Der Jugend, guter Freund, bedarfst du allenfalls Wenn dich in Schlachten Feinde drängen, Wenn mit Gewalt an deinen Hals Sich allerliebste Mädchen hängen, Wenn fern des schnellen Laufes Kranz Vom schwer erreichten Ziele winket, Wenn nach dem heftgen Wirbeltanz Die Nächte schmausend man vertrinket. Doch ins bekannte Saitenspiel Mit Muth und Anmuth einzugreifen, Nach einem selbgesteckten Ziel Mit holdem Irren hinzuschweifen, Das, alte Herrn, ist eure Pflicht, Und wir verehren euch darum nicht minder. Das Alter macht nicht kindisch, wie man spricht, Es findet uns nur noch als wahre Kinder.

Director.

Der Worte sind genug gewechselt, Laßt mich auch endlich Thaten sehn; Indeß ihr Complimente drechselt, Kann etwas nützliches geschehn. Was hilft es viel von Stimmung reden? Dem Zaudernden erscheint sie nie. Gebt ihr euch einmal für Poeten, So kommandirt die Poesie. Euch ist bekannt was wir bedürfen, Wir wollen stark Getränke schlürfen; Nun braut mir unverzüglich dran! Was heute nicht geschieht, ist Morgen nicht gethan, Und keinen Tag soll man verpassen, Das Mögliche soll der Entschluß Beherzt sogleich beym Schopfe fassen, Er will es dann nicht fahren lassen, Und wirket weiter, weil er muß.

Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen Probirt ein jeder was er mag; Drum schonet mir an diesem Tag Prospecte nicht und nicht Maschinen. Gebraucht das groß' und kleine Himmelslicht, Die Sterne dürfet ihr verschwenden; An Wasser, Feuer, Felsenwänden, An Thier und Vögeln fehlt es nicht. So schreitet in dem engen Breterhaus Den ganzen Kreis der Schöpfung aus, Und wandelt, mit bedächtger Schnelle, Vom Himmel, durch die Welt, zur Hölle.

Die Sonne tönt, nach alter Weise, In Brudersphären Wettgesang, Und ihre vorgeschriebne Reise Vollendet sie mit Donnergang. Ihr Anblick giebt den Engeln Stärke, Wenn keiner sie ergründen mag. Die unbegreiflich hohen Werke Sind herrlich wie am ersten Tag.

Gabriel.

Und schnell und unbegreiflich schnelle Dreht sich umher der Erde Pracht; Es wechselt Paradieses-Helle Mit tiefer schauervoller Nacht; Es schäumt das Meer in breiten Flüssen Am tiefen Grund der Felsen auf, Und Fels und Meer wird fortgerissen In ewig schnellem Sphärenlauf.

Michael.

Und Stürme brausen um die Wette Vom Meer aufs Land vom Land aufs Meer, Und bilden wüthend eine Kette Der tiefsten Wirkung rings umher. Da flammt ein blitzendes Verheeren Dem Pfade vor des Donnerschlags. Doch deine Boten, Herr, verehren Das sanfte Wandeln deines Tags.

Zu Drey.

Der Anblick giebt den Engeln Stärke Da keiner dich ergründen mag, Und alle deine hohen Werke Sind herrlich wie am ersten Tag.

Mephistopheles.

Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst Und fragst wie alles sich bey uns befinde, Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst; So siehst du mich auch unter dem Gesinde. Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen, Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt; Mein Pathos brächte dich gewiß zum lachen, Hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt. Von Sonn' und Welten weiß ich nichts zu sagen, Ich sehe nur wie sich die Menschen plagen. Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag, Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag. Ein wenig besser würd' er leben, Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben; Er nennts Vernunft und braucht's allein Nur thierischer als jedes Thier zu seyn. Er scheint mir, mit Verlaub von Ew. Gnaden, Wie eine der langbeinigen Cicaden, Die immer fliegt und fliegend springt Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt; Und läg' er nur noch immer in dem Grase! In jeden Quark begräbt er seine Nase.

Der Herr.

Hast du mir weiter nichts zu sagen? Kommst du nur immer anzuklagen? Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?

Mephistopheles.

Nein Herr! ich find' es dort, wie immer, herzlich schlecht. Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen, Ich mag sogar die Armen selbst nicht plagen.

Der Herr.

Kennst du den Faust?

Mephistopheles.

Den Doctor?

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Illustrated scene from The Adventures of Sherlock HolmesIllustrated scene from FrankensteinIllustrated scene from The Great Gatsby

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