
Public-domain ebook
Rosmersholm: Schauspiel in vier Aufzügen
by Henrik Ibsen
Language: de3,165 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: DE Drama·Plays/Films/Dramas·Classics of Literature
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #36997.

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by Henrik Ibsen
Language: de3,165 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: DE Drama·Plays/Films/Dramas·Classics of Literature
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #36997.
Dieses Werk ist Henrik Ibsens Drama „Rosmersholm“ in deutscher Übersetzung, aufgebaut in vier Akten. Es eröffnet mit einer detailreichen Schilderung des Wohnzimmers von Rosmersholm, das durch alte Möbel, einen mit Birkenzweigen geschmückten Kachelofen und offene Fenster eine heimelige, aber zugleich spannungsvolle Atmosphäre erhält. Im ersten Dialog treten Rebekka und Frau Hilseth auf, die über das Kommen des Pastors und das rätselhafte „weiße Ross“ spekulieren, während im Hintergrund das Haus von Erinnerungen an Verstorbene durchdrungen ist. Kurz darauf erscheint der Rektor Kroll, gefolgt von Rosmer selbst, und das Gespräch wandelt sich von beiläufigen Bemerkungen zu politischen Anspielungen und persönlichen Verstrickungen, die das Geschehen bereits im Auftakt in ein Geflecht aus Schuld, Erinnerung und gesellschaftlichem Druck einbetten.
Der Stil ist durchdrungen von Ibsens charakteristischer Sprache des 19. Jahrhunderts: lange, verschachtelte Sätze, ein hohes Maß an Symbolik und ein Dialog, der zugleich realistisch und poetisch wirkt. Die Sprache ist deutsch, doch die Themen – soziale Bedingungen, Selbstmord, politische Unruhe – bleiben zeitlos. Leserinnen und Leser, die Interesse an anspruchsvollen Dramen mit psychologischer Tiefe, an der europäischen Kulturgeschichte des 1800er Jahre und an Übersetzungen klassischer skandinavischer Literatur haben, werden an diesem Stück Gefallen finden.
The opening · free to read
[Aussprache: Mortensgaard = Mortensgohr. -- Fjord = Fjohr.]
ERSTER AUFZUG.
Das Wohnzimmer auf Rosmersholm; gross und anheimelnd; alte Möbel. Vorn rechts ein Kachelofen, der mit frischen Birkenzweigen und Feldblumen geschmückt ist. Etwas weiter zurück eine Tür. An der Hinterwand eine Flügeltür, die zum Vorzimmer führt. Links ein Fenster, und vor diesem ein Aufsatz mit Blumen und Pflanzen. Neben dem Ofen ein Tisch mit Sofa und Lehnstühlen. Rings an den Wänden alte und neue Porträts, die Geistliche, Offiziere und Beamte in Amtstracht darstellen. Das Fenster steht offen. Ebenso die Tür zum Vorzimmer und die Haustür. Durch diese sieht man draussen in einer Allee, die nach dem Hause führt, grosse alte Bäume.
Sommerabend. Die Sonne ist untergegangen.
REBEKKA sitzt in einem Lehnstuhl neben dem Fenster und häkelt an einem grossen weissen Wollshawl, der nahezu fertig ist. Von Zeit zu Zeit blickt sie zwischen den Blumen hindurch spähend hinaus. Kurz darauf kommt FRAU HILSETH von rechts.
FRAU HILSETH. Nicht wahr, Fräulein, 's ist wohl das beste, ich fang so langsam an, den Abendtisch zu decken?
REBEKKA. Ja, tun Sie das. Der Pastor muß ja bald kommen.
FRAU HILSETH. Zieht es Fräulein denn nicht da am Fenster?
REBEKKA. Ja, ein wenig. Machen Sie lieber zu.
(FRAU HILSETH geht zur Vorzimmertür und schliesst diese; dann tritt sie ans Fenster.)
FRAU HILSETH (will schliessen, sieht hinaus). Aber ist das nicht der Pastor .. der da drüben?
REBEKKA (lebhaft). Wo? (Steht auf.) Ja, das ist er. (Hinter der Gardine.) Gehn Sie beiseite. Daß er uns hier nicht sieht.
FRAU HILSETH (vom Fenster zurücktretend). Denken Sie, Fräulein, er schlägt wieder den Mühlweg ein!
REBEKKA. Er kam schon vorgestern über den Mühlweg. (Blickt zwischen Gardine und Fensterrahmen hindurch.) Nun woll'n wir aber mal sehn, ob er auch --
FRAU HILSETH. Getraut er sich über den Steg?
REBEKKA. Das will ich ja grade sehn. (Kurz darauf.) Nein. Er kehrt um. Geht auch heut oben herum. (Tritt vom Fenster zurück.) Ein langer Umweg.
FRAU HILSETH. Herrgott ja. Muß ja auch dem Herrn Pastor schwer fallen, über den Steg zu gehn. Da, wo so was passiert ist; wo --
REBEKKA (legt ihre Häkelei zusammen). Sie hängen lang an ihren Toten hier auf Rosmersholm.
FRAU HILSETH. Nein, Fräulein, ich glaub, die Toten hängen hier lange an Rosmersholm.
REBEKKA (sieht sie an). Die Toten?
FRAU HILSETH. Ja, 's ist beinah, als könnten sie sich von den Zurückgebliebnen nicht so recht trennen.
REBEKKA. Warum glauben Sie das?
FRAU HILSETH. Na, denn sonst, denk ich mir, würds hier doch dies weiße Roß nicht geben.
REBEKKA. Ja, Frau Hilseth, wie verhält sichs eigentlich mit diesem weißen Rosse?
FRAU HILSETH. Äh, davon woll'n wir lieber nicht reden. An so was glauben =Sie= ja doch nicht.
REBEKKA. Glauben =Sie= denn daran?
FRAU HILSETH (tritt ans Fenster und schliesst es). Ach, ich laß mich von Fräulein nicht zum Narren halten. (Blickt hinaus.) Nein -- aber ist das nicht wieder der Pastor da auf dem Mühlweg --?
REBEKKA (sieht ebenfalls hinaus). Der Mann da? (Tritt ans Fenster.) Das ist ja der Rektor.
FRAU HILSETH. Ja richtig, das ist der Rektor.
REBEKKA. Das ist aber merkwürdig! Denn Sie sollen sehn, er kommt zu uns.
FRAU HILSETH. Wahrhaftig, =er= geht gradaus über den Steg. Und sie war doch seine leibliche Schwester ... Na, Fräulein, nu geh ich den Abendtisch decken.
(Sie geht rechts hinaus. -- REBEKKA bleibt eine Weile am Fenster stehn; dann grüsst sie, lächelt und winkt hinaus. -- Es beginnt dunkel zu werden.)
REBEKKA (geht an die Tür rechts und spricht durch diese hinaus). Ach, liebe Frau Hilseth, Sie sorgen wohl für 'n bißchen extragutes. Sie wissen ja, was der Rektor gern ißt.
FRAU HILSETH (draussen). Jawoll, Fräulein. Wird gemacht.
REBEKKA (öffnet die Tür zum Vorzimmer). Na, endlich mal --! Herzlich willkommen, lieber Herr Rektor!
KROLL (im Vorzimmer, stellt den Stock fort). Danke. Ich stör also nicht?
REBEKKA. =Sie?= Pfui, schämen Sie sich --!
KROLL (eintretend). Immer liebenswürdig. (Sich umsehend). Ist Rosmer vielleicht oben auf seinem Zimmer?
REBEKKA. Nein, er macht einen kleinen Spaziergang. Er bleibt heut etwas länger als gewöhnlich. Aber er muß jeden Augenblick kommen. (Zeigt auf das Sofa). Bitte, nehmen Sie so lange Platz.
KROLL (legt den Hut fort). Danke bestens. (Setzt sich und sieht sich um.) Nein, wie freundlich Sie das alte Zimmer ausgeschmückt haben. Überall Blumen, oben und unten.
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