Storieta
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Die Glücklichen

Gefährliches Schweigen fiel in unsere Einöden und in die Tiefen der Wälder, wo die höchsten Wipfel der Bäume von den Wundern des Lichtes flüsterten, ein langer Aufschrei erbebte -- und es neigte sich Durst zu der Quelle des Blutes.

Zwischen uns und den Sternen ziehen die Wolken der Erde. Mit tausend feurigen Augen in unsere Nächte blicken spöttisch die Städte und in den klingenden Gärten, wohin die Sterne tropften wie Tau, entstieg den Düften Begier. Jahrhunderte künftiger und vergangener Schuld begegnen sich im Wahnsinn der Menge und die Hände, die, müde vom Recken zur Höhe und in Gebeten, sich senkten, schwärmen von glühenden Berührungen und nicht gehorcht uns unser reineres Träumen. Fahl wurden die lieben Gesichter in unserer Seele, die Worte erstickten in schmerzlichem Lachen, unsere ätzende Atmosphäre machte die Blüte der Farben und Dinge zu Schatten. Dampf raucht aus den Wassern, auf denen wir fahren, versteinert sind unsere Ruder in ihnen, die schmerzlich gekrampften Hände halten sie kaum, so reglos hängt ihre Schwere in den Wellen, und schwindelnd faßt uns die Suggestion der Tiefen.

So sprach zu euerer Seele das Dunkel, doch stumm eurem Schmerze und eueren Blicken, die die Tiefe verloren, bleibet die Erde: weit irrt, vor euch Schwachen, ihr Traum in Jahrtausenden, duftend und bebend in den Strahlen des Höchsten.

O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet, öffnend die Augen, die vom Sturmwind des Feindes geschloßnen. Den Starken ähnlich, als sie am Tage des Todes auszogen, Gebet auf den Lippen: Flügelschlag höherer Wesen gab ihren Schritten den Rhythmus, und ihr magisches Lächeln, der Sonne befahl es: Stehe still über unserem Tag und gehe nicht unter, bis die Ernte der Saat reift und wir auf der Walstatt anstimmen ein Danklied! Und die Sonne stand still über ihrem Tag und ging durch Jahrhunderte nicht unter, denn der Tag der Sieger, der Tausenden Licht gibt, leuchtet auf ewig.

O Glückliche, die ihr aus diesen Augenblicken frei und rein euch erhobet und durch euer Gebet mit einem Flügelschlag die duftenden Träume der Erde erreichtet: aus den unsichtbaren Gärten, bepflanzt mit tausenden Toten, die eueres Werkes dort harren, einatmet ihr tief die stärkenden Düfte.

Gebet für die Feinde

Deine Macht schuf, daß unsere Röte in die Wangen unserer Feinde hinüberfloß, als unser Antlitz vor Bangen erblaßte, und das Licht in den Blicken der Feinde machtest du klar wie Sterne durch unsere Bewölktheit. Ihre freudigen Schreie entstiegen unserem Schweigen und den Hauch unserer Grabblumen aus ihren Knospen einatmeten sie als lieblichen Duft. Aber unser Gespenst schlich sich ein in ihr Träumen, knüpfte sich fest in ihrer Tanzlieder Kette, und unsere stillsten Einsamkeiten waren der Ort unserer Begegnung.

Deines Geheimnisses schwerer Schatten seit ewig trennt ihre Seelen und uns. Das mystische Licht, das du den Blicken entzündet, es brach sich anders in ihrer Brust und der Sommer, in dem ihre Ernte reifte, als Feldbrand durchzog er unsere Fluren. Aus ihren Stimmen brausen uns Winde, die hundertjährigen Sturm uns brachten, das Leid vergessenen Weinens und auf den Ruinen verzweifeltes Schweigen. Ihr Lächeln ist voller Gefahr und Erinnerung an die unbekannten Siege der Toten und ihrer Stirne Düster ist der Schatten rätselhafter Tode vor Jahrhunderten. In ihren und unsern Gedanken kämpft der stumme Wirbel der Stimmen aus der Tiefe der Seelen, Echo der Gedanken der Väter, Vermächtnis der Trauer und Schuld erkalteter Blute: deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen und uns.

Allgegenwärtiger! Du in Jahrhunderten unverwandeltes Lächeln! Umarmung, umfassend die Unendlichkeit! Singendes Pochen tausender Herzen! Flammen, entsprühend vor Lust verlöschenden Blicken!

Du, dessen Liebe wie brennender Schwefel fällt in die Gärten der irdischen Liebe! Wir beten ein Gebet für die Feinde, die im Dämmern des Lebens uns nahen, für sie, die außer uns gehn, unbekannt in der Ferne der Erde, des Todes, und für jene, die an künftigen Morgen erwarten den Morgen unsres Geschlechts!

Deines Geheimnisses schwerer Schatten liegt zwischen ihren Seelen und uns. Wege zu dir sind unsere Siege und unsichtbare Siege sind in unserer Überwindung. Dem Zischen der Schwerter mischt sich das Rauschen der Ähren geheimnisvollen Reifens. Echo der Hiebe erklingt in der Ferne. Im geschliffenen Stahl unserer Schwerter und der Schwerter der Feinde entzündest du eine Sonne aller Morgen, und den Samen von blutenden Händen lässest du aufblühen als Lilien. Zahllose Flammen seit ewig verzehren das Dunkel. Auch die Sonne und der geheimnisvolle Durst aller Welten, doch immer erneut wälzt sich's her aus kosmischen Höhen. Und doch wird am Ende Licht sein. Und unsere schmerzlichen Schreie, einst werden sie tönen wie Bienen, nahend den Stöcken mit der Süße des Honigs, den sie errafften auf den Fluten der Zeiten. Wir kämpfen deinen geheimnisvollen Feldzug. Du bestimmtest die Führer der Truppen und machtest ihre Höhe die Jahrtausende überblicken, die Strahlen ihrer Blicke brachen nicht im Übergang von Mitte zu Mitte und das Flüstern ihrer Befehle ward zum Donner im Echo der Tiefen. Du gabst Kraft unserm Angriff, als die Landschaften des Lichtes von unseren Schritten erdröhnten, und Kraft den Armen der Feinde, als wir die Siege des Tages bei nächtlichen Fackeln entwarfen! -- Unsere Tage erstehen in Nebeln und bange und bange und bange! Unser Ermatten sät Rosen auf die Felder der Feinde! Und es führt unser Weg zu den Grenzen der Zeit! O Ewiger! Im Azur künftiger Jahrhunderte raucht zu dir als ein Bittopfer der Schmerz aller Siege und das Falten aller Hände, die von Tränen benetzt sind, nach mystischer Verzeihung ruft es! Mache unsere Hiebe süß und die Zahl der Lebenden größer, nicht kleiner! Und daß in der Stille unseres Schmerzes in der Seele die mystischen Quellen des Lichtes uns rauschen, denn der Schmerz und das Licht sind der Vibration deines Geheimnisses einzige Formen! Mögen im Mittag unseres Kampfes uns klingen die ätherischen Küsse der im Tode versöhnten Seelen, und die von der ewigen Schuld entzündeten Wangen kühle der Tau eines neuen Schattens, in dem auch wir die Seelen unserer Feinde dereinst im Grimme der Liebe durchdringen, die wir leugneten weinend und im rosigen Regen der Küsse der Toten, denen du befahlst, zu welken auf den Lippen des Kämpfers!

Die Stadt

Ich sah eine Stadt im Flor fremden Lichts. Und Sonne hing bleich und des Glanzes beraubt über ihr, nichts mehr als ein Stern inmitten von Sternen.

Tausend Türme wuchsen zu den Wolken und eines vor langem zerstörten Turmes Schatten erhob sich. Zahllose Massen wälzten sich torwärts und hervor aus den Toren, Musik zu unbekannten Festen ertönte, es kamen Züge von Büßern, Soldaten kehrten vom Kampfplatz, Gefangene schritten in Ketten, und den Gräbern entstiegene Schatten irrten inmitten der Menge, und in die Stimme der Lebenden mischte sich ihre Stimme und herrschte: Sie vereinigten Hände von Fremden und ihr Lachen fiel in der Liebenden Küsse, wo sie durch Umarmungen schritten, sanken die geöffneten Arme, und aus ihren im Vorwurf der Schuld unheimlich klaffenden Augen brach eine geheimnisvolle Sonne und floß jenes Leuchten, das die Stadt und tausend Lebende in sein melancholisches Zittern tauchte. Und ich irrte allein durch die Menge, der Schlag meines Herzens erstarb im Pochen zahlloser toter und lebendiger Herzen und die magische Welle aller unserem Tage erloschenen Blicke bestrahlte die Seele mir. Und dort traf ich dich: deinem Odem entwehte der Duft meiner tiefsten Einsamkeiten, der Heimaterde, der ätherischen Blüten im dunkelnden Laubgang, erblüht in des Nachthimmels silbernem Regen, und deine Stimme bebte von Stimmen, die ich im irrenden Winde erlauscht bei meines einsamen Feuers Geprassel.

Ich bin wie ein Baum in Blüte . . .

Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen und Ruh; Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein; in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner Liebhaber Schuh' und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte hinein.

Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im Schlummer denk', will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die dich locken zum Tanz: in Jahrtausenden häuft' ich Schätze, ein Königsgeschenk, und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb' ich es ganz.

Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe, Ermattens Grabesnacht, meiner Blicke Tiefe, so seltsam wie Sternenbilder entfacht, Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht wie Blut sich ergießt, und der Küsse Taumel böse und süß.

Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht breitet sich rot hinter meinen Träumen aus, mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt anzünd' ich das Haus: Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir, mit Flammen verjag' ich, den ich lockte, der Vögel Zug; doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus geheimnisvoller Nacht heran, in tötlicher Stille auf rauschender Bahn, ätherischer Falter funkelnder Flug, die Fackeln umkreisend, entzündet von mir um der Erde feurigen Bug.

Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen Klang, erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt; ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der Wimper, die in Wollust sank, in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der Nacht in ihm sich aufschwingt: denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem Lachen bang und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen Hoffnung der Wiederkehr klingt.

Motiv aus Beethoven

Das war kein leiser Hauch aus ewigfernen Jahren, vor meiner Seele Fenstern stieg zu mir Klang deiner Töne: Komm, im wunderbaren Goldregen unserer Sterne baden wir.

Duft in den Gärten schläft und Himmelsblau in Teichen, künftiges Morgenrot schloß sich in Blüten und die Lieder schlafen warm in Nestern; fern entweichen siehst du den Farbenschaum, grau sinkend auf den Grund.

Dunstschleier wird sich wie ein Vorhang breiten, silbern mit Licht verwebt, wie aus Asbest, während in schwarzen Waldeseinsamkeiten das Leid sich matt zu Boden gleiten läßt.

Das Dunkel der Gewölbe will die Sternenlüster überbauschen, kosmischer Samenstaub, und still wie ein Gewicht sinkt Dunkel auf den Raum, wo fern die Ruder rauschen entglittner Zeit. O sage, fühlst du nicht,

wie sich der Atem engt, betäubt von Nacht und Düften? Und vieler Träume Flug sich in der Runde hebt und lachender Jasmin und Rosenhauch in Lüften in seiner Schwingen Wehn aus seiner Hülle bebt?

Wie dir Erinnerung auflodert in der Seele, verhaltener Kräfte Quell dir an die Schläfen schlägt, der Küsse Heftigkeit verbrennt dir Mund und Kehle, und toten Glanzes sich dein Blut in Adern regt?

Daß die Pupille dir ein innerer Brand entzündet, den Schatten, deiner Schritte Kette, nahm und brach, und daß meine Hypnose in der Seele Kammern bindet dein Leid an des Gedankens Lager, wo es nie erwacht.

Und fühlst du, wie Sein Hauch dem Tau der Sternenwiesen milchstraßenwärts hinwehend sich vereint, und Sehnsucht nach dem Tod, wie wundersüßes Fließen, und sieghaft Lust und der Begierden schwarzer Wein,

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