
Public-domain ebook
Taten des großen Alexander
by M. A. Kuzmin
Language: de337 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: Historical Novels·Science-Fiction & Fantasy·Adventure
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #45319.

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DAS GESPRÄCH VON OLYMPIAS MIT DEM MAGIER. Indessen lebte der königliche Flüchtling nach der Ankunft in das makedonische Pela lange Zeit, indem er sich vom Wahrsagen und von der Zauberei ernährte und bald als kunstfertiger Deuter und Magier gerühmt war. In diesem Lande herrschte zu jener Zeit König Philipp, dessen Gemahlin Olympias unfruchtbar war. Einst, in Abwesenheit des Gemahls lustwandelnd im Garten des Palastes, vertraute die Königin ihre Sorge der alten treuen Magd, ob wohl Philipp sich nicht von ihr trennen würde, denn sie hatte ihm durch so viele Jahre keine Kinder gebracht, worauf ihr die Dienerin von der Zaubermacht des fremden Ägypters Kunde gab.
Sache geringer Zeit war es, den kommen zu lassen. Auf den Wegen der Gärten neigte er sich tief vor Olympias, und tief aus der Brust ein goldenes Täfelchen ziehend mit dem Abbild des Tierkreises der Planeten in bunten Steinen, darauf dem Hermes ein Smaragd entsprach, und der Liebesgöttin ein blauer Saphir, schwieg er lange. Auch die Königin schwieg, die Augen, voll ihrer Erwartung, gesenkt. Endlich sprach der Ägypter:
Nicht Philipp wird deine Unfruchtbarkeit lösen, nur der Gott Ammon vermag dir beizustehen. Bist du auf alles bereitet?
»Sprich«, sagte die Königin, ohne die Augen zu erheben.
»Ich will beten, doch erwarte du bedeckten Hauptes den libyschen Gott; ertönt das Zischen der Schlangen, so schicke alle fort und empfange den Gast; er wird golden sein von Locken und Bart, mit goldener Brust und einem Horn auf der Stirn. In der Dauer der Erscheinung schweige. Dann wirst du empfangen und zur gesetzten Zeit einen Rächer dir und der Welt einen Herrscher gebären.«
Nach wenigem Schweigen blickte Olympias fest auf den Magier und sprach: »sei auf der Hut, wenn du lügst«. Die Hände aufhebend zu den nun entzündeten Sternen rief Nektaneb: »Ich schwöre!« -- »Ich will dir morgen Antwort senden«. Der Magier hielt sie zurück indem er sprach: »Es ist notwendig, daß ich unablässig in deiner Nähe bete zu dieser Zeit; hast du nicht ein geheimes Gemach zunächst dem Schlafzimmer?« -- »Eine Kleiderkammer befindet sich da, dort kannst du dir zu schaffen machen. Sei entlassen. Sprich zu niemandem«.
Als die Königin sich entfernt hatte, brach Nektaneb eine Nelke, stach in die Blättchen den Namen Olympias, und die Augen gehoben zu den Sternen, beschwor er lange die Geister des Bösen, daß sie die Gedanken und das Herz von Philipps Gemahlin geneigt machten zu dem Betruge, welchen er, Nektaneb, plante.
DIE EMPFÄNGNIS ALEXANDERS. Alles begab sich nach dem Wunsche des Ägypters, welcher in der Larve des Horns so viele Male der erkenntnisbaren Königin erschien, bis sie ihren Schoß unledig fühlte und den König mit Freuden und Unruhe zu erwarten begann.
PHILIPP KEHRT NACH HAUSE ZURÜCK. Während dies geschah, hatte Philipp auf fernem Feldzuge ein sonderbares Traumgesicht, das seine Ruhe störte. Der babylonische Deuter, der sich im Gefolge befand, legte dies so aus, daß Olympias von einem ägyptischen Gotte empfangen habe. Nicht sehr über diese Botschaft erfreut, eilte der König nach Hause, wo ihm die entgegengehenden Dienerinnen sagten, ihre Herrin liege auf dem Krankenbette. Ins halbdunkle Schlafgemach tretend, ging Philipp zu auf seine Gemahlin und sprach: »Ich weiß alles, sorge dich nicht; wir müssen uns dem Willen der Götter beugen«. Olympias weinte still, küßte die Hand des Gemahls, ohne zu wissen, ob ihm alles wahrhaft bekannt sei. »Ruft den Sternendeuter herbei«, sprach sie endlich. Und da Nektaneb, eingetreten, Erklärungen gab, die aufs Vollkommenste mit den Auslegungen des babylonischen Deuters zusammenfielen, so umarmte Philipp voll Erstaunen, wenn schon immer noch düster, die weinende Gemahlin, und sie saßen so schweigend bis auf den Abend, da in das Fenster die zarten Hörner des jungen Mondes blickten.
WUNDERBARE ZEICHEN. Derart erwartete das Königspaar mit Frieden, doch ohne Freude die nahe Geburt. Die Königin war wohlauf, erging sich im Garten und nahm zeitweise teil an den Festmahlen, bis Philipp sich betrank, nach der Sitte der Makedonier. Einmal, da Olympias länger beim Mahle weilte, als ihr geziemte, so wurde sie für ihre Unbesonnenheit gestraft, denn der trunkene König begann ihr vorzuhalten, sie wäre nicht von ihm schwanger. Die beleidigte Königin stand auf, um sich zu entfernen, als plötzlich unter dem festlichen Tische eine riesenhafte Schlange erschien, die ihren Kopf erhob mit fürchterlichem Zischen. Die Gäste sprangen auf von den Plätzen, die Frauen, vergessend ihrer Scham, krochen auf den Tisch, erhobenen Gewandes. Der König selbst war im Begriff, den Kopf mit dem Mantel zu bedecken, da verwandelte sich die Schlange in einen Adler, sprang auf den Busen der Königin, stach sie dreimal in die erstarrten Lippen und flog durch das offene Dach des Saals empor zum Himmel. Auf den Knien fragte Philipp: »Wer bist du, Ammon, Apollo, Asklepios?«, indem Olympias, umringt von der ungeordneten Schar der Frauen, sich in ihre Gemächer begab. Niemand nahm wahr, daß hier nur die Pfiffigkeiten des ägyptischen Auswanderers ihr Spiel getrieben.
ZWEITES ZEICHEN. Aber andere Wahrzeichen, nicht weniger erstaunlicher Art, doch schon ohne die Flunkereien des gewitzten Magiers wiesen Philipp sicher auf das Wunder im baldigen Kommen des Kindes hin. Es geschah einst, daß der König vor langer Weile seine zahmen Lieblingsvögel fütterte; die Königin stickte auf der Brüstung des Hauses, ab und zu den Kopf hebend, wenn die Vögel empor zur Höhe der Brüstung schwirrten und das Hündchen ihr zu Füßen mit gespitzten Ohren knurrte oder aufbellte, die rauschenden Schaaren scheuchend. Die Königin stieß einen Schrei aus, da einer der weißen Vögel ihr auf die Stickerei flatterte und im Nu ein Ei legte, das zur Erde rollte unter dem hellen Bellen des Hündchens. Aus dem zerbrochenen Ei kroch ein Schlangenjunges, umkroch langsam seine jüngste Wohnung, als ob es wieder in die hineinwollte, aber kaum steckte es den Kopf in die Schale, da erzitterte es und verschied. Die Königin, über das Gitter geneigt, achtete nicht des beginnenden Regens und lauschte den Worten des Antiphon, Philipps Sohn werde über die ganze Welt ziehen, und, heimgekehrt, jung sterben. Traurig nahm die Königin ihre goldene Stickerei zusammen und sie ging, des wunderbaren Sohnes zu harren.
DIE GEBURT ALEXANDERS. Längst war die Frist der Erlösung verstrichen, und die Königin trug noch immer ihren großen Leib und klagte bitter Nektaneb an, der zu Fleiß die Stunde, schwer an Schicksalen, zurückhielt, bis die günstigen Himmelszeichen zusammenträfen. Seit dem spähenden Morgen setzte sie sich in den hohen Gebärsessel, und auf dem schlief sie sogar, weinend und klagend. Zuguterletzt rief Nektaneb vom Turm: »Es ist Zeit!« -- und Olympias brüllte auf wie eine junge Kuh, außer Sinn vor Schmerzen, den Donner nicht hörend, nicht sehend den glänzenden Blitz vom klaren Himmel.
Die Wehemutter nahm unter dem Sessel einen Knaben hervor, der weder seinem Vater noch seiner Mutter glich: er hatte langes Haar auf die Art einer Löwenmähne, rot von Farbe, das eine Auge abwärts, das andere Auge zur Seite gerichtet; mit großem Kopfe und gerader Nase.
Dieses war die Geburt Alexanders.
DIE ERZIEHUNG ALEXANDERS. Philipp liebte den ihm unähnlichen Knaben, der rothaarig, zügellos und eigensinnig war, nicht sehr, doch er beruhigte sich, bei der Erinnerung, daß das Kind seiner ersten Frau längst gestorben war, und zudem hatte er von der delphischen Sybille die Prophezeihung vernommen, nach ihm werde ein großer Held regieren, der könne das Roß mit dem Stierkopf zügeln. Zu Lehrern wurden dem Knaben gegeben: Für die Schreibkünste Polyneikes, für die Musik Leukippos, die Geometrie Melepos, die Beredsamkeit Aximenides, für die Kriegskunst Feldherrn, zum Erzieher Leonides, zur Amme des Melantos Schwester, zum Lehrer der Philosophie Aristoteles. Mit dem letzteren brachte der Prinz den größten Teil seiner Zeit zu, unter der Zahl der anderen Schüler, die Kinder der Höflinge waren, in den Baumreihen des Palastgartens sich ergehend. Aristoteles hatte mehr denn einmal seinem Zögling eine große Zukunft und Weltenruhm vorausgesagt. Einst wandte sich der alte Philosoph an die Kinder mit der Frage, was sie ihm schenken würden, wenn sie König wären. Eines versprach dies, das andere etwas anderes, aber Alexander schwieg still, den roten Lederball in die Höhe werfend, »Und du, Prinz, was würdest du an mir tun?« Die rote Mähne schüttelnd antwortete der: »Warum an die Zukunft denken? Einst kommt die Stunde, und du wirst selbst sehen, was ich zu tun für geziemend erachten werde!« Aristoteles küßte ihn auf die Stirn und setzte den langsamen Spaziergang fort.
DER TOD NEKTANEBS. Olympias besorgte sich um ihren göttlichen Sohn und vermahnte Nektaneb oft, in den Sternen immer wieder nach demselben Geschick zu lesen. Als einst der Prinz den Ägypter bei derart Meldungen traf, bat er sich aus, selbst in die Sterne schauen zu dürfen. Nektaneb willigte ein, und um die nächste Mitternacht stiegen sie zu zweit auf den Stadtwall. Der Ägypter bedeutete dem Sohne den Sinn der Gestirne, als plötzlich ein mächtiger Stoß ihn vom hohen Wall tief in den Laufgraben hinabstürzte, und über ihm die laute Stimme des Prinzen erscholl: »Wie denn vermagst du das ferne Geschick anderer Menschen zu lesen, der du nicht weißt, was sogleich dir geschehen wird?« Über dem Stöhnen des Abgestürzten stieg Alexander eilig hinab, und, zu seinem Vater sich beugend, fragte er: »Du hast dich verletzt? Verzeih mir den Spaß!« »Du trägst kein Verschulden; es war dein Geschick, den Vater zu morden!« »Niedriger Sklave, was sprichst du da?« »Ich sterbe, Prinz, aber ich lüge dir nicht, vernimm:« und ersterbender Zunge erzählte Nektaneb Alexandern die Geschichte und von den Umständen seiner Geburt. Lange blickte der Prinz bei dem ungewissen Schein der Sterne in das erstarrende Antlitz des Magiers, nicht versichert, ob er glauben sollte oder nicht glauben sollte. Endlich lud mit einem Seufzer er den Körper auf seine Schulter und trug ihn in die Gemächer der Königin. Jene schlief noch nicht, und, nachdem sie entsetzt den Bericht des Sohnes angehört, ließ sie sonder Stöhnen sich in einem tiefen Sessel nieder. Den Morgen wurde der Unglücksfall des fremden Astrologen vermeldet. Nach einer festgesetzten Anzahl von Tagen wurde der Ägypter bestattet, auf die griechische Art.
Und die Königin, die an dem Fenster des oberen Stockwerkes den Vorfall beobachtet hatte, die Stallknechte und das ganze Volk, diese alle wiederholten: »Es sei gegrüßt der Beherrscher der Welt!« Alexander aber streichelte lächelnd die Mähne des Rosses, das in die grelle Sonne schielte.
ALEXANDER AUF DEN OLYMPISCHEN SPIELEN. Alexander, der mehr als einmal seinem Vater unweit in Feldzüge das Geleit gegeben hatte, wünschte längst seine Kräfte auf den ruhmesreichen olympischen Spielen zu erproben.
Der König entließ, doch nicht sonderlich gerne, den Prinzen samt seinem Freunde Hephaistion, welcher mit den zärtlichsten Banden an den Königssohn geknüpft war, und rüstete ein besonders prunkvolles Schiff aus. In Pisa angelangt, vernahmen sie, es seien zum Wettkampf nicht wenige vornehme Ritter zusammengekommen, als da waren: Xanthias von Böotien, Kimon von Korinth, Kleitomachos, Aristippos der Olynthier, Perieros, Lakon, aber der berühmteste war Nikolaos, der Sohn des arkarnischen Königs. Mit diesem hochfahrenden Jüngling erstand Alexandern ein Zwist fast sogleich bei der Landung. Den Ankömmlingen begegnend auf der Straße am fröhlichen Hafen, fragte Nikolaus hochnäsig stolzierend: »Ihr seid gekommen, die Spiele anzusehen?« »Wir sind gekommen, zu kämpfen!« »O, ihr vermeint, dies seien Spiele der Kinder?« Alexander entzündete sich und antwortete: »Ich bin bereit, mit dir zu kämpfen!« »Nikolaos bin ich, der Sohn des Königs von Arkarnien!« erwiderte hochmütig der Jüngling. »Und ich bin der Prinz Alexander, der Sohn des Philipp von Makedonien. Doch was gelten hier unsere Königreiche? alles ist vergänglich!« »Du sprichst wohl gesetzt, aber verstehst du deine Worte, Kind!?« »Vollkommener als deine aufgeblasenen Reden!« und gingen zu verschiedenen Seiten, indem ein jeder nach links spie. Am anderen Tage trat Alexander nicht nur im Wettkampf der Wagen auf, sondern sogar besiegte er alle Teilnehmer, und Nikolaus, der Königssohn, schlug sich zu Tode, indem er vom Gespanne stürzte, das an Trümmern von anderen Wagen hängen geblieben war. Der makedonische Prinz ward gekrönt mit dem Kranze des Siegers, indem der Priester des Olympischen sprach:
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