Storieta
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Die treibenden Kräfte 33-62

Unsere Politik der mangelnden Gegengewichte 33-35. Ungeschicklichkeiten und Schroffheiten 35-37. Deutschland und Österreich-Ungarn politisch saturiert 37, 38. Frankreichs Revanchedurst und koloniale Ausdehnung 38-40. Rußlands Drang nach Konstantinopel und dem Balkan 40-42. Italiens Irredenta- und Tripoliswünsche 42, 43. Die britische Handelseifersucht 43-49. Die Bagdadbahn 49, 50. Die Flottenfrage 50-55. Das Wettrüsten 55-60. Der Dreibund Versicherungsgesellschaft, die Triple-Entente Erwerbsgesellschaft 60-62.

Die bosnische Krisis 66-72

Die türkische Revolution 66. Österreich-Ungarn erklärt seine Souveränität über Bosnien und die Herzegowina 67, 68. Deutschlands Stellung zum österreichisch-türkischen Konflikt 68, 69. Die Stellung der Großmächte 69-71. Friedliche Beilegung 71, 72.

Verständigungsversuche mit Frankreich und Rußland 72-77

Das deutsch-französische Marokko-Abkommen vom 9. Februar 1909 72-74. Das Potsdamer Abkommen zwischen Deutschland und Rußland 74-77.

Die Marokkokrisis von 1911 77-87

Keine deutsch-französische Entspannung durch das Abkommen von 1909 77, 78. Besetzung von Fez durch die Franzosen 78, 79. Deutsche Verständigungsvorschläge 79-81. Agadir 81-83. Verhandlungen zwischen Kiderlen und Cambon 83. Einmischung Englands 83-85. Deutsch-französischer Vertrag vom 4. November 1911 85-87.

Lord Haldanes Mission 87-91

Reaktion auf die deutschfeindliche Politik der britischen Regierung 87, 88. Flottenfrage 88. Neutralitätsabkommen 88-90. Ergebnislosigkeit der Besprechungen 91.

Der Tripoliskrieg 91-94

Italiens Kriegserklärung 91, 92. Wirkung auf das deutsch-türkische Verhältnis 92. Wirkung auf Frankreich, England und Rußland 92-94.

Die beiden Balkankriege 95-112

Der Balkanbund 95. Die Haltung der Großmächte 96-101. Englands zwiespältige Politik 101, 102. Deutschlands Haltung zu dem russisch-österreichischen Konflikt 102-109. Frankreichs Unterordnung unter die russische Politik 109, 110. Der zweite Balkankrieg und der Bukarester Friede 110, 111. Die großserbische und die albanische Gefahr 111, 112.

Die letzten Verständigungsversuche 113-166

Das deutsch-englische Abkommen von 1898 über die Liquidation des portugiesischen Kolonialbesitzes 116-118. Die Kolonialverhandlungen von 1913/14 118-120.

Die vorderasiatischen Fragen, insbesondere die Bagdadbahn 120-138

Bagdadbahn und deutsch-englische Beziehungen 120, 121. Die Anfänge der Bagdadbahn 121-126. Das Bagdadbahnprojekt auf internationaler Grundlage 126-130. Die Ablehnung einer Beteiligung durch die englische und französische Regierung 130, 131. Die Bagdadbahn als deutsches Unternehmen 131-134. Die jungtürkische Revolution und neuer Kampf um die Bagdadbahn 134-138.

Die Verständigung mit Frankreich über die türkischen Eisenbahnfragen 138-142

»Séparation nette« im Bagdadbahnunternehmen 138-141. Vereinbarungen über die beiderseitigen Eisenbahninteressen in der Türkei 141, 142.

Die Verständigung mit England über die vorderasiatischen Fragen 142-154

Ziele der britischen Regierung 142-145. Der deutsche und der türkische Standpunkt 145-148. Flußschiffahrt, Bewässerungsanlagen und Petroleum in Mesopotamien 148-150. Die Verständigung 150-154.

Die deutsch-englische Verständigung und die englisch-russische Marinekonvention 155-166

Ehrlicher Verständigungswille? 155, 156. Iswolskis Bündnisvorschlag 156, 157. Das britisch-russische Marineabkommen 157, 158. Der Geist der britischen Politik 158-160. Kriegsstimmung in Frankreich und Rußland 160-163. Die Aussichtslosigkeit der deutsch-britischen Verständigung 163-166.

Der Ausbruch des Weltkrieges 167-230

Die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand 169-171. Die Haltung der deutschen Regierung in dem österreichisch-serbischen Konflikt 172-175. Das österreichisch-ungarische Ultimatum an Serbien 175. Die deutsche Regierung und das Ultimatum 175-181. Der Deutsche Kaiser und das Ultimatum 182. Deutschlands Friedenswille; die mangelhafte militärische, diplomatische und wirtschaftliche Kriegsvorbereitung 183-186. Rußlands Einmischung 187, 188. Meine Unterredung mit Herrn Davydoff vom 26. und 27. Juli 1914 188-198. Die russische Kriegspartei 198, 199. Die Haltung Frankreichs 199, 200. Die Haltung Englands 200-203. Der Druck der deutschen Regierung auf das Wiener Kabinett und sein Erfolg 204-207. Die russische Generalmobilmachung 208, 209. Des Zaren Befehl auf Einstellung der Mobilmachung nicht befolgt 209. Englands Rückendeckung für Frankreich und Rußland 210. Deutschlands Schritte in Petersburg und Paris 211-213. England wirft die Frage der belgischen Neutralität auf und weigert sich selbst, unter irgendwelchen Bedingungen seine Neutralität zuzusagen 213-215. Die deutsche Mobilmachung 216. Die Überlegenheit der britischen Diplomatie 216-219. Sir Edward Grey sucht einen zugkräftigen Kriegsgrund 220-222. Die Verletzung der belgischen Neutralität als Kriegsvorwand 222-225. Der Kaiser über seine Friedensbemühungen und über die künftige Mächtegruppierung 226-229. Der Triumph der britischen Politik 229-230.

Vorwort

Ich vermesse mich nicht, die Geschichte des Weltkrieges zu schreiben. Das mag ruhigeren Zeiten vorbehalten bleiben, in denen die Menschheit einigermaßen Distanz zu den Ereignissen des Weltkrieges gewonnen hat. Wohl aber glaube ich, heute schon einiges -- und nicht ganz Unwichtiges -- zur Geschichte des Weltkrieges sagen zu können und sagen zu müssen.

Mein persönliches Schicksal hat mich so geführt, daß ich seit einer Reihe von Jahren an den Entwicklungen, die dem Kriege vorausgingen, die den Knoten schürzten und ihn zeitweise wieder zu entwirren schienen, daß ich schließlich an den Ereignissen des Krieges selbst mittelbar oder unmittelbar, Einblick nehmend oder handelnd, beteiligt war.

Die Welt dürstet nach Aufklärung; sie will wissen, wie es hat so kommen können und ob es hat so kommen müssen. Ihr Urteil über Personen, Einrichtungen, Vorgänge hängt von dieser Aufklärung ab; und ihr Urteil wird, da alles noch im Flusse des Werdens ist, das Schicksal der Völker und Völkergemeinschaften gestalten helfen. Ich glaube mich, soweit ich es vermag, in den Dienst dieses Bedürfnisses nach Aufklärung stellen zu sollen.

Meine Absicht geht dabei auf mehr als auf eine Bereicherung der Memoirenliteratur. Sie geht darauf, die Fülle der Ereignisse in ihrem großen Zusammenhang zu erfassen und sie so zur Darstellung zu bringen, wie ich sie sehend und handelnd erlebt habe. Der Nachdruck wird dabei auf der Schilderung der Tatsachen liegen, vor allem auf der Darstellung derjenigen Vorgänge, an denen ich unmittelbar beteiligt war. Im Urteil, namentlich im Urteil über Personen, Parteien, Berufsstände und Volksschichten, werde ich mir nach Möglichkeit die Zurückhaltung auferlegen, die mir Pflicht eines mitbeteiligten Darstellers noch nicht abgeschlossener Vorgänge zu sein scheint.

Der aufrichtige Wille zur Wahrheit hat mir die Feder geführt. Deshalb wage ich zu hoffen, daß diese Blätter dazu beitragen werden, der viel mißhandelten und grausam entstellten Wahrheit wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen und damit beizutragen zu einer Gesundung der Gemüter und Zustände in Deutschland wie zur Schaffung erträglicher Verhältnisse zwischen den Völkern.

Der vorliegende Band behandelt die Vorgeschichte des Weltkrieges. Die Darstellung der Vorgänge des Weltkrieges selbst ist in der Hauptsache bereits abgeschlossen und wird diesem ersten Bande in naher Zeit folgen können.

Die Verschiebung der Mächtegruppierung seit Bismarcks Abgang

Bismarck hat das neue Preußen geschaffen, Preußens Vorherrschaft in Deutschland begründet und das Deutsche Reich aufgebaut in Kriegen, die er, wenn nicht herbeigeführt, so doch politisch vorbedacht und diplomatisch vorbereitet hat; vorbedacht und vorbereitet in einer Weise, daß der Gegner isoliert und eine der eigenen Macht überlegene feindliche Koalition verhindert wurde. Nach dem Krieg von 1870/71 und der Begründung des Reichs war er nach seinem eigenen Geständnis beherrscht von dem »cauchemar des coalitions« in einem Maße, daß ihm dieser Alpdruck oft den Schlaf raubte. Ebenso wie Moltke, der vorausgesagt hat, daß wir in fünfzig Jahren um die Errungenschaften von 1870 würden kämpfen müssen, hat Bismarck klar erkannt, daß eine Versöhnung des besiegten, in seinem alten nationalen und kriegerischen Stolz schwer getroffenen Frankreich auf viele Jahrzehnte hinaus nicht möglich sein werde, und daß damit jeder anderen Großmacht, die sich zur kriegerischen Auseinandersetzung mit Deutschland entschließen sollte, von vornherein ein nicht zu unterschätzender Bundesgenosse gesichert sei. Die Gefahr der Bildung gegnerischer Koalitionen hat durch diese Tatsache eine besondere Verschärfung erfahren; sie hat für die Politik des Deutschen Reichs von Anfang an eine Erschwerung geschaffen, wie sie die Politik keines andern Staates belastete.

Es ist bekannt, wie Bismarck diese Verhältnisse gemeistert hat. Bei seinem Rücktritt hinterließ er uns eine Mächtegruppierung, die sich in kurzen Zügen folgendermaßen umreißen läßt:

Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien in dem Schutzbündnis des Dreibundes zusammengeschlossen. Rußland durch den geheimen Rückversicherungsvertrag von jeder Allianz mit offensiven Zielen gegen das Deutsche Reich abgehalten. England in der Gesamtorientierung seiner Politik dreibundfreundlich, wenn auch frei von irgendwelchen vertragsmäßigen Bindungen.

Bismarck selbst hatte den Wert von Bündnissen und Verträgen nie überschätzt. Niemand wußte besser als er, daß Bündnisse und Verträge, sollen sie in den Lagen, für die sie geschlossen sind, Stich halten, der Untermauerung durch die Übereinstimmung der wirklichen Interessen der vertragschließenden Teile bedürfen. Vor allem war sich Bismarck klar über den bedingten Wert der Zugehörigkeit Italiens zum Dreibund: auf der einen Seite war der italienisch-österreichische Gegensatz nicht aus der Welt zu schaffen, sondern nur durch Vorteile, die Italien im Dreibund fand, oder stärkere Gegensätze zwischen Italien und anderen Ländern, namentlich Frankreich, zu überbieten; dann bedurfte Italien angesichts seiner Küstengestaltung, wie Bismarck stets anerkannt hat, einer Anlehnung an den maritimen Schutz Englands. Diese Voraussetzungen für ein Sichwohlfühlen Italiens im Dreibund waren, als Bismarck im Jahre 1890 zurücktrat, vorhanden: der Gegensatz zwischen Italien und Frankreich, hervorgerufen insbesondere durch die Festsetzung Frankreichs in Tunis, aufs äußerste verschärft durch einen heftigen Zollkrieg, ließ die gegen Österreich gerichteten irredentistischen Aspirationen zurücktreten. England, das in den Fragen des Mittelmeers und in kolonialen Angelegenheiten in Gegnerschaft mit Frankreich stand, und das sich durch die russische Ausdehnung nach Osten in seinen asiatischen Interessen, vor allem in seiner Herrschaft über Indien, bedroht sah, hielt damals noch ein Zusammengehen mit dem Dreibund -- trotz mancher Reibungen mit Deutschlands jungen Kolonialbestrebungen -- für die richtige Politik. In Rußland allerdings hatten die Nachwirkungen des Berliner Kongresses, die immer stärker werdenden panslawistischen Bestrebungen, der Gegensatz zu Österreich-Ungarn in den Balkanfragen, schließlich das Mißtrauen Alexanders III. gegenüber der Bismarckschen Politik den Wert des im Jahre 1887 erneuerten deutsch-russischen Rückversicherungsvertrages so stark ausgehöhlt, daß bereits in den letzten Jahren der Bismarckschen Kanzlerschaft die Gefahr des Zweifrontenkriegs für Deutschland akut zu werden drohte.

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