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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1905 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und altertümliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche Zitate wurden nicht korrigiert. Gleiches gilt für regional gefärbte Ausdrücke und Zitate.

Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter der Übersichtlichkeit halber an den Anfang des Buches verschoben.

Besondere Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:

fett: =Gleichheitszeichen= gesperrt: +Pluszeichen+ Antiqua: ~Tilden~

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Deutsche Flagge, sei gegrüßt!

Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine.

Von Hans Satow.

Mit zahlreichen Bildern nach alten Stichen und Originalaufnahmen, sowie nach Gemälden von Professor Hans Bohrdt, F. Müller-Münster und Professor Hans Petersen.

7. bis 12. Tausend.

Reutlingen. Enßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung.

Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten. ~Printed in Germany.~

Vorwort.

In allen Teilen unseres Vaterlandes begeistern sich Jugend und Volk für die See, den Handel, die Schiffahrt und die Marine.

Das Verständnis hierfür zu fördern, betrachtete mein Buch: „+Von der Wasserkante+“[1] als seine Aufgabe. Die vielseitige, freudige Anerkennung, die ihm gezollt wurde, ist hoffentlich auch der vorliegenden Arbeit beschieden.

Sie will unsere heutige raschlebende Zeit +erinnern+ an vorwärtsstrebende Gemeinwesen und ihre tatkräftigen Führer, die +in den Tagen der Hanse+ für die deutsche Seegeltung sich mühten. Sie will ferner Jugend und Volk +erinnern+ an die +Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine+, die Zeugen sind für den opferfreudigen Mannesmut der Führer und Mannschaften; damit in der heranwachsenden Generation der Gedanke fortlebt, der jene zu den Taten begeisterte:

+Die deutsche Flagge soll in Ehren wehen!+

Deutsche Flagge, Sei jubelnd gegrüßt! Flatternd von tausend friedlichen Masten, Trägst du, ob Sturm oder Sonne dich küßt, Über die Meere die köstlichen Lasten. Und von dem eisengepanzerten Bord Sprichst du des Reiches donnerndes Wort, Deutsche Flagge!

Deutsche Flagge -- Unsägliche Schmach Haben wir, da du uns fehltest, erlitten! Deutsche Hoffnung und Ehre zerbrach, Da wir ohn’ Banner in Zwietracht gestritten. Neben den Fähnlein allen kein Raum, Wehtest den Deinen nur trauernd im Traum, Deutsche Flagge!

Deutsche Flagge, Da kam der Tag, Flammenden Morgenröten entsprungen, Daß wir siegend im Wetterschlag Dich als herrlichen Preis uns errungen! Scheuchend der Nebel nächtlichen Flor, Stiegst du zum Lichte leuchtend empor, Deutsche Flagge!

Deutsche Flagge Schwarz, weiß und rot, Öffne zu fernsten Welten die Tore, Schütze die Deinen in Glück und in Not, Birg in den Falten uns Sieg, Trikolore! Doch wenn im Kampf wir darniedergestreckt, Sei du’s, die einst noch im Tode uns deckt, Deutsche Flagge!

Ernst Scherenberg.

Einleitung.

Wenn zur heißen Sommerzeit die Steinmauern und die Straßenpflaster der Großstädte glühen, dann ziehen viele der Stadtbewohner hinaus ans Meer. Dampfroß oder Dampfschiff bringen die wanderfrohen Städter in schneller Fahrt an das Ziel ihrer Wünsche, und gleich unseren germanischen Vorfahren, die vor einem Jahrtausend und noch früher Besitz nahmen von den Küsten der Ost- und Nordsee, bauen die Städteflüchtigen am Strande des Meeres Burgen mit starken Wällen und wehenden Fahnen, welche die Künder sind der Freude und des Frohsinns der Burgbesitzer. Nur kurze Zeit währt der Jubel, nur zu schnell sind die Ferientage vorübergerauscht, und die Herbststürme peitschen wieder die Meereswogen, die hochaufrauschend alle Herrlichkeiten der Sandburgen zerstören; in ihnen fällt alles der zertrümmernden Gier des Meeres zum Opfer.

An solchen Sturmtagen werden die Geister unserer Vorfahren wieder lebendig.

Heute braust und brandet das Meer wie ehedem, seine schaumgekrönten Wogen rinnen über blanken Seesand, über glatte und rauhe Kiesel; hier und da häuft sich am Strand der Seetang, den das Spiel der Wellen aus seinem Lager riß, an anderen Plätzen liegen Reste von Schiffsplanken und Balken, deren dunkle Massen zu erzählen wissen von schrecklichem Sturm, namenlosem Unglück, von Not und Tod.

Wir aber stehen am Strande und freuen uns über das sonnenbeglänzte Meer, dessen leuchtende Wogen in rastloser Folge heranrauschen, jubelnd ringt sich auch von unseren Lippen der alte Gruß: „Thalatta, sei uns gegrüßt, du ewiges Meer!“

Unsere Augen folgen den Schiffen, die schwerbeladen ihren Weg über das Meer suchen und nach den Hafenstädten eilen, deren rote Ziegeldächer und schlanke Türme sich widerspiegeln im Wasser der Küstenflüsse. Im Geiste sehen wir die Orte vor uns und hören auf das, was sie zu erzählen wissen von der Tatkraft ihrer Bewohner und vom Unternehmungsgeist der Vorfahren, die schon auf unbedeutenden Fahrzeugen den Weg nach fremden Ländern fanden und die Produkte der Heimat austauschten gegen die der Fremde. Die jahrhundertealten Türme, die trutzigen Stadttore, die in ihrer Ruhe nicht mehr hineinpassen in das Hasten unserer Tage, sind Zeugen der Tatkraft und des Mutes ihrer Gründer, die sich und die Ihrigen zu schützen wußten gegen räuberische und arglistige Feinde. Das reichgeschmückte Innere der Bauten umfaßt herrliche Kunstschätze, Erinnerungszeichen des Reichtums und der Freigebigkeit der Stifter. In Domen mit mächtigen Kirchenschiffen, hohen Pfeilern, prächtigen Altären und reichgeschnitzten Kirchenstühlen dankten die Zeitgenossen der Hanse Gott, wenn er sie glücklich heimbrachte nach sturmreicher Fahrt. Jene Tage der Hanse sahen ein stolzes Geschlecht. Fest verbündet hielt es sich lange Zeit in Genossenschaften zusammen, immer bestrebt, die Vorteile des Handels, die Quelle seines Reichtums, auszunützen. Die Zeit der Hanse sah ein freiheitliebendes, mutiges Geschlecht. Zahlreiche stattliche Schiffe sandten die Mitglieder des Bundes hinaus, um fremde Staaten und fremde Fürsten zu bezwingen und botmäßig zu machen, meerbeherrschend gebot lange Zeit die freie Reichsstadt Lübeck als das Haupt der Hanse. An jene Glanzzeit erinnern Geibels Worte:

„Wie steigst, o Lübeck, du herauf In alter Pracht vor meinen Sinnen An des beflaggten Stromes Lauf, Mit stolzen Türmen, schart’gen Zinnen.

Dort war’s, wo deiner Erker Zahl Der Hanse Boten wartend zählten; Dort, wo die Väter hoch im Saal Ein Haupt für leere Kronen wählten.

Denn eine Fürstin standest du, Der Markt war dein und dein die Wege; Du führtest reich dem Süden zu, Was nur gedieh in Nordens Pflege.

Es bot dir Norweg seinen Zoll, Der Schwede bog sein Haupt, der Däne, Wenn deine Schiffe segelvoll Vorüberflohn, des Meeres Schwäne.“

Nur ein freies Geschlecht, geführt und geleitet von den tüchtigsten unter seinen Einwohnern, konnte die herrlichen Bauwerke, die die Jahrhunderte überdauerten, schaffen, nur jenes freie und stolze Geschlecht fand nach Mißerfolgen, die auch ihm beschieden waren, den Mut, neue Flotten hinauszuschicken zu neuen Ruhmestaten im Frieden und im Kriege.

Von dieser Zeit der Pracht und der Macht des freien deutschen Bürgertums, deren Zeugen die hochragenden Türme und die prächtigen Rathäuser sind, sollen die folgenden Abschnitte erzählen.

Geschichtlicher Rückblick auf die Zeit der Hanse.

Auf den Weltmeeren zeigt die deutsche Flagge ihre leuchtenden Farben, freudig und stolz begrüßt von den Angehörigen der deutschen Nation, respektvoll beachtet von den Konkurrenten Deutschlands im Welthandel.

Unsere an Ereignissen so reiche Gegenwart läßt die Tage der Vergangenheit besonders lebendig werden, und die heutige Jugend hat die Pflicht, sich mit der Geschichte der Hanse zu befassen, um an der Hand der Erfahrungen einer ruhmreichen Vergangenheit zu erkennen, was die Zeit von unserer Generation fordert.

Unsere Beziehungen zur See bedingen es, daß wir uns mehr mit der glanzvollen Zeit der Hanse beschäftigen, damit unser Volksbewußtsein sich stärkt und zu einer Quelle der Kraft wird für die Ereignisse der Zukunft.

Wohl hat die Geschichte der Hanse etwas Eintöniges an sich, und doch fehlt es jener Epoche der deutschen Geschichte nicht an Ereignissen und Männern, die die tatenfrohe Jugend reizen, von ihnen zu hören und zu lesen.

Die Germanen waren Anwohner der Meeresküste zu der Zeit, aus der die älteste Kunde uns von ihnen berichtet. Die Gestade der Nordsee hatten sie ganz besetzt, an der Ostsee reichte ihr Einfluß bis etwa ans Kurische Haff. Geschichtliche Zeugnisse beweisen, daß sie seekundig waren, und die Besitzergreifung der englischen Inseln spricht für ihren unternehmungsfrohen Seefahrergeist. Jedoch in den Tagen der Völkerwanderung verschwanden die Germanen von den baltischen Küsten, und die Slawen traten an ihre Stelle.

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