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Der kleine Dämon
Language: de13,938 downloads on Project Gutenberg
Subjects
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #57741.

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Der Roman „Der kleine Dämon“ von Fyodor Sologub ist ein psychologisch dichte, von Lehrern und der russischen Gesellschaft geprägte Erzählung, die bereits im ersten Abschnitt in einer scheinbar friedlichen Kleinstadt nach einem Sonntagsgottesdienst beginnt. Zwischen den alten Linden und Ahornbäumen plaudern die Besucher, doch das heitere Bild zerbricht, als der Gymnasiallehrer Peredonoff in ein zynisches Gespräch über Heiratspläne, Machtspiele und die bevorstehende Beförderung verwickelt wird. Die Dialoge mit seinem Freund Rutiloff enthüllen eine Atmosphäre von Intrigen, Selbstzweifeln und einer unterschwelligen Bedrohung, die sich in den scharfen Wortspielen und den bedrückenden Beschreibungen der Umgebung manifestiert. So wird aus einer alltäglichen Szene ein Spiegel für die inneren Konflikte und die dunklen Motive der Figuren.
Der Stil ist von Sologubs charakteristischer, leicht ironischer Prosa geprägt, die das späte 19. Jahrhundert in Russland reflektiert. Die Sprache ist dicht, mit langen, verschachtelten Sätzen und einer Mischung aus sarkastischem Humor und melancholischer Beobachtung. Leserinnen und Leser, die Interesse an russischer Literatur, an psychologischen Porträts von Lehrern und an einer kritischen Darstellung von gesellschaftlichen Normen haben, werden an diesem Werk Gefallen finden. Es spricht besonders jene an, die feine Nuancen in Dialogen und ein düsteres Bild menschlicher Schwächen schätzen.
The opening · free to read
Der Festgottesdienst am Nachmittage war aus und die Kirchenbesucher gingen auseinander. Innerhalb der steinernen, weißgetünchten Umfriedung standen noch einige Leute unter den alten Linden und Ahornbäumen und plauderten. Sie hatten Sonntagskleider an und blickten froh aus den Augen. Es hatte den Anschein, als wäre das Leben in dieser Stadt ein friedliches und freundliches, -- ja sogar ein fröhliches. Aber das schien alles nur so.
Bei seinen Freunden stand der Gymnasiallehrer Peredonoff. Seine kleinen, verquollenen Augen schielten verdrießlich durch die goldene Brille, und er sagte:
»Sie selbst, die Fürstin Woltschanskaja, hat es der Warja versprochen; das stimmt jedenfalls. Heiraten Sie ihn nur, hat sie gesagt, dann werde ich ihm eine Inspektorstelle verschaffen.«
»Wie kannst du denn Warwara Dmitriewna heiraten?« fragte Falastoff; er hatte ein rotes Gesicht, »sie ist doch verwandt mit dir! Gibt es so ein neues Gesetz, daß Verwandte[1] heiraten dürfen?«
Alle lachten. Das frische, für gewöhnlich gleichmäßig schläfrige Gesicht Peredonoffs wurde böse.
[Fußnote 1: Ein nicht wiederzugebendes Wortspiel, denn für »Schwester« und »Cousine« gilt im Russischen ein Wort.]
»Kusine im dritten Grade,« fuhr er auf und stierte wütend an seinen Freunden vorbei.
»Hat es die Fürstin dir persönlich versprochen?« fragte Rutiloff. Er war groß, blaß und stutzerhaft gekleidet.
»Mir nicht, aber Warja,« antwortete Peredonoff.
»Sieh mal an, und das glaubst du?« sagte Rutiloff lebhaft. »Sagen kann man alles. Und warum bist du nicht bei der Fürstin gewesen?«
»Begreife doch, ich ging zusammen mit Warja hin, sie war aber nicht zu Hause, nur um fünf Minuten kamen wir zu spät,« erzählte Peredonoff, »aufs Land war sie gefahren und kommt erst nach drei Wochen zurück; ich konnte ganz unmöglich so lange warten, mußte hierher zurück wegen der Prüfungen.«
»Verdächtig ist es doch,« sagte Rutiloff und lachte; dabei sah man seine angefaulten Zähne.
Peredonoff wurde nachdenklich. Die übrigen verabschiedeten sich, nur Rutiloff blieb bei ihm stehn.
»Das ist selbstverständlich,« sagte Peredonoff, »jede könnte ich heiraten, wenn ich nur wollte. Warwara ist nicht die einzige.«
»Natürlich, Ardalljon Borisowitsch, jede würde Sie nehmen,« bestätigte Rutiloff.
Sie traten aus der Umfriedung heraus und gingen langsam über den staubigen, ungepflasterten Platz.
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