Storieta
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About this book

Der Roman „Die Brücke im Dschungel“ von B. Traven ist ein erzählerisches Werk, das das Leben an den abgelegenen Flussufern Mexikos schildert. Der Erzähler beginnt mit einer vagen Erinnerung an ein erstes Zusammentreffen mit dem eigenwilligen Sleight an einem modrigen Pfuhl, wo ein Six‑Shooter und ein mühsam getränktes Pferd die Szene bestimmen. Im weiteren Verlauf führt ihn seine Reise durch ein indianisches Dorf, zu einer Pumpstation, deren knarrende, zweihundert Jahre alte Pumpe das Zentrum des Alltags bildet, und schließlich zu einer wackeligen Brücke ohne Geländer, die den Fluss überquert und den Kontakt zwischen den indigenen Bewohnern und den „Gringos“ herstellt. Die Erzählung verwebt Begegnungen mit Einheimischen, das Alltagsleben an einer Wasserpumpe und die Atmosphäre eines Dschungel‑ und Prärie‑Mischlands, wobei Themen wie fehlende Kinder, das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und das raue Überleben im Grenzgebiet impliziert werden.

Der Stil ist von einer nüchtern‑ironischen Erzählsprache geprägt, die Travens typisches Bildmaterial aus der frühen Moderne nutzt: kurze, fast reportagestilistische Sätze, ein leicht lakonischer Ton und ein gelegentlich humorvoll‑sarkastischer Blick auf die Fremdheit des Erzählers. Die Sprache bleibt durchgehend in einem einfachen, aber bildhaften Deutsch, das den rauen, unverfälschten Charakter der beschriebenen Umgebung widerspiegelt. Leserinnen und Leser, die Interesse an historischer mexikanischer Literatur, an Schilderungen von Grenz‑ und Dschungelwelten sowie an Geschichten mit kulturellen Begegnungen und einer Prise schwarzem Humor haben, werden sich in Travens Erzählung gut aufgehoben fühlen.

Characters in Die Brücke im Dschungel

  • SleighWeathered middle‑aged frontiersman, wide‑brimmed sombrero, leather duster, bandoliered revolver, sun‑tanned skin, rugged beard

The opening · free to read

„Stick ’em up, boy! Die Flossen hoch!“

Seelenruhig zog er mir meinen Shooter aus der Tasche des Patronengürtels und schob ihn in seinen Gurt. Wir wechselten ein paar Worte. Er erzählte mir, daß er auf weiter Fahrt sei.

Als dann sein Pferd getränkt war und er den Wasserbeutel gefüllt hatte, saß er auf und sagte: „Zweihundert Schritt, da können Sie Ihren Klicker abholen; ich bin kein Bandit, aber ich weiß ja nicht, ob Sie vielleicht einer sind. Savvy?!“ Ich folgte ihm, und als zweihundert Schritte zwischen uns lagen, winkte er, ließ meinen Revolver fallen und sauste ab. Ich ging zurück zum Pfuhl, ohne ärgerlich auf ihn zu sein; denn ich hätte es ganz genau so gemacht. Er hatte das Trommelröhrchen nur früher hoch als ich, und das entschied, wer das Recht zum Kommandieren hatte. Daß er ein ehrlicher Bursche war, bewies er; denn er konnte mir meine Mules abnehmen und den letzten Faden vom Leibe ziehen. Dann hätte ich noch dankbar sein müssen, wenn er mir den Hut, meine Hose und meine Stiefel gelassen hätte, weil, würde einem auch dieses genommen, man im Dschungel schon lieber um den Gnadenschuß ersucht.

Drei Monate später ritt ich, in einer ganz anderen Gegend, durch ein Indianerdorf. Vor einer grasgedeckten Lehmhütte sah ich einen Weißen stehen, den einzigen Weißen im Dorf. „Hallo!“ rief er herüber. Es war Sleigh.

Ich mußte in seine Hütte kommen, um seine Familie kennenzulernen. Seine Frau war Vollblutindianerin, und sie hatten drei Kinder. Die Frau mußte mir ein Ei backen und etwas vorsetzen, das er Kaffee nannte.

Seit zwanzig Jahren lebte er unter den Indianern oder zwischen ihnen. So genau ließ sich in der kurzen Zeit, die ich in seiner Hütte verbrachte, das wahre Verhältnis nicht feststellen.

Ein Jahr darauf etwa machte ich von Matehuala über Tula eine ziemlich beschwerliche Reise, um an den Tamesi zu kommen mit der Absicht, Alligatoren zu jagen. Es war aber nicht viel los damit; teils war der Dschungel so dicht und undurchdringlich, daß man den Fluß nicht erreichen konnte, teils war die Gegend so sumpfig und morastig, daß man es aufgeben mußte, an die eigentlichen Jagdgebiete heranzukommen. Ich ritt deshalb weiter den Fluß hinunter, um die größeren Nebenflüsse abzusuchen.

So kam ich eines Tages an eine kleine Pumpstation, die das Flußwasser viele Meilen weit zu einer anderen Station pumpt, von wo aus es wieder weitergepumpt wird, bis es die Eisenbahnlinie erreicht. Ein Teil des Wassers dient zur Auffüllung der Lokomotivkessel; der größere Teil des Wassers jedoch wird von der Bahn in Tankwagen zu einigen Dutzend von Dörfern und kleinen Städten, die an der Bahnlinie liegen, gefahren, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen.

Der Pumpmeister war ein Indianer. Mit Hilfe eines vierzehnjährigen indianischen Jungen bediente er die Pumpe. Der Kessel wurde mit Holz geheizt, und das Holz wurde von einem anderen Indianer mit Maultieren von der fernen Bahnlinie herangeschafft.

Der Kessel machte den Eindruck, als ob er jeden Augenblick aus den Nähten gehen würde, und die Pumpe, die zweihundert Jahre alt zu sein schien, ächzte, stöhnte, schwitzte, quietschte, keuchte und blubberte, daß den Alligatoren und Jaguaren der Aufenthalt hier in der Nähe sicher nicht zum Paradiese wurde.

Dem Pumpmeister konnte das nur angenehm sein, denn er wohnte ja hier dicht neben seiner Pumpe in einer Hütte, vereint mit seiner ganzen Familie. Je mehr die Pumpe stöhnte und ratterte, um so sicherer konnten seine Kinder sich hier herumtummeln und im Flusse schwimmen.

In der Nähe der Pumpe führte eine Brücke über den Fluß. Die Brücke war breit genug, daß Wagen oder Autos sie benutzen konnten; aber sie hatte kein Geländer. Das wäre auch eine ganz überflüssige Geldausgabe gewesen.

„Hay muchos caimans, Senjor“, sagte der Pumpmeister.

„Wo?“ fragte ich.

„Weiter rauf oder runter. Natürlich nicht gerade hier an meiner Pumpe. Das wäre mir gar nicht einmal lieb. Die würden mir die kleinen Schweinchen und die Hühner alle wegstehlen.“

„Was ist denn da drüben auf der anderen Seite?“ fragte ich.

„Da ist Prärie. Ein Cattle-Ranch. Eine Viehweide. Gehört einem Amerikaner. Dahinter kommt dann wieder Dschungel. Und dann etwa zwanzig Meilen durch den Dschungel, da kommt ein Camp, da bohren sie auf Öl. Die haben hier die Brücke gebaut. Die müssen ja hier rüber, wenn sie das Material von der Bahn holen.“

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