Public-domain ebook
Buch der Lieder
Language: de847 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: DE Lyrik·Poetry·German Literature
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #3498.
Public-domain ebook
Language: de847 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: DE Lyrik·Poetry·German Literature
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #3498.
The opening · free to read
Ich ging fürbaß, und wie ich ging, Da sah ich vor mir liegen, Auf freiem Platz, ein großes Schloß, Die Giebel hoch aufstiegen.
Verschlossene Fenster, überall Ein Schweigen und ein Trauern; Es schien als wohne der stille Tod In diesen öden Mauern.
Dort vor dem Tor lag eine Sphinx, Ein Zwitter von Schrecken und Lüsten, Der Leib und die Tatzen wie ein Löw, Ein Weib an Haupt und Brüsten.
Ein schönes Weib! Der weiße Blick, Er sprach von wildem Begehren. Die stummen Lippen wölbten sich Und lächelten stilles Gewähren.
Die Nachtigall, sie sang so süß -- Ich konnt nicht widerstehen -- Und als ich küßte das holde Gesicht, Da war's um mich geschehen.
Lebendig ward das Marmorbild, Der Stein begann zu ächzen -- Sie trank meiner Küsse lodernde Glut, Mit Dürsten und mit Lechzen.
Sie trank mir fast den Odem aus -- Und endlich, wollustheischend, Umschlang sie mich, meinen armen Leib Mit den Löwentatzen zerfleischend.
Entzückende Marter und wonniges Weh! Der Schmerz wie die Lust unermeßlich! Derweilen des Mundes Kuß mich beglückt, Verwunden die Tatzen mich gräßlich.
Die Nachtigall sang: "O schöne Sphinx! O Liebe! was soll es bedeuten, Daß du vermischest mit Todesqual All deine Seligkeiten?
"O schöne Sphinx! O löse mir Das Rätsel, das wunderbare! Ich hab' darüber nachgedacht Schon manche tausend Jahre."
Das hätte ich alles sehr gut in guter Prosa sagen können ... Wenn man aber die alten Gedichte wieder durchliest, um ihnen, behufs eines erneuerten Abdrucks, einige Nachfeile zu erteilen, dann überschleicht einen unversehens die klingelnde Gewohnheit des Reims und Silbenfans, und siehe! es sind Verse womit ich diese dritte Auflage des Buchs der Lieder eröffne. O Phöbus Apollo! sind diese Verse schlecht, so wirst du mir gern verzeihen ... Denn du bist ein allwissender Gott, und du weißt sehr gut, warum ich mich seit so vielen Jahren nicht mehr vorzugsweise mit Maß und Gleichklang der Wörter beschäftigen konnte ... Du weißt warum die Flamme, die einst in brillanten Feuerwerkspielen die Welt ergötzte, plötzlich zu weit ernsteren Bränden verwendet werden mußte ... Du weißt warum sie jetzt in schweigender Glut mein Herz verzehrt ... Du verstehst mich, großer schöner Gott, der du ebenfalls die goldene Leier zuweilen vertauschtest mit dem starken Bogen und den tödlichen Pfeilen ... Erinnerst du dich auch noch des Marsyas, den du lebendig geschunden? Es ist schon lange her, und ein ähnliches Beispiel tät wieder Not ... Du lächelst, o mein ewiger Vater! Geschrieben zu Paris den 20. Februar 1839. Heinrich Heine.
Mir träumte einst von wildem Liebesglühn, Von hübschen Locken, Myrten und Resede, Von süßen Lippen und von bittrer Rede, Von düstrer Lieder düstern Melodien.
Verblichen und verweht sind längst die Träume, Verweht ist gar mein liebstes Traumgebild! Geblieben ist mir nur, was glutenwild Ich einst gegossen hab in weiche Reime.
Du bliebst, verwaistes Lied! Verweh jetzt auch, Und such das Traumbild, das mir längst entschwunden, Und grüß es mir, wenn du es aufgefunden -- Dem luftgen Schatten send ich luftgen Hauch.
Ein Traum, gar seltsam schauerlich, Ergötzte und erschreckte mich. Noch schwebt mir vor mach grausig Bild, Und in dem Herzen wogt es wild.
Das war ein Garten, wunderschön, Da wollte ich lustig mich ergehn; Viel schöne Blumen sahn mich an, Ich hatte meine Freude dran.
Es zwitscherten die Vögelein Viel muntre Liebesmelodein; Die Sonne rot, von Gold umstrahlt, Die Blumen lustig bunt bemalt.
Viel Balsamduft aus Kräutern rinnt, Die Lüfte wehen lieb und lind; Und alles schimmert, alles lacht, Und zeigt mir freundlich seine Pracht.
Inmitten in dem Blumenland Ein klarer Marmorbrunnen stand; Da schaut ich eine schöne Maid, Die emsig wusch ein weißes Kleid.
Die Wänglein süß, die Äuglein mild, Ein blondgelocktes Heilgenbild; Und wie ich schau, die Maid ich fand So fremd und doch so wohlbekannt.
Die schöne Maid, die sputet sich, Sie summt ein Lied gar wunderlich; "Rinne, rinne, Wässerlein, Wasche mir das Linnen rein."
Ich ging und nahete mich ihr, Und flüsterte: O sage mir, Du wunderschöne, süße Maid, Für wen ist dieses weiße Kleid?
Da sprach sie schnell: "Sei bald bereit, Ich wasche dir dein Totenkleid!" Und als sie dies gesprochen kaum, Zerfloß das ganze Bild, wie Schaum. --
Und fortgezaubert stand ich bald In einem düstern, wilden Wald. Die Bäume ragten himmelan; Ich stand erstaunt und sann und sann.
Und horch! Welch dumpfer Widerhall! Wie ferner Äxtenschläge Schall; Ich eil durch Busch und Wildnis fort, Und komm an einen freien Ort.
Inmitten in dem grünen Raum, Da stand ein großer Eichenbaum; Und sieh! mein Mägdlein wundersam Haut mit dem Beil den Eichenstamm.
Und Schlag auf Schlag, und sonder Weil, Summt sie ein Lied und schwingt das Beil: "Eisen blink, Eisen blank, Zimmre hurtig Eichenschrank."
Ich ging und nahete mich ihr, Und flüsterte: O sage mir, Du wundersüßes Mägdelein, Wem zimmerst du den Eichenschrein?
Da sprach sie schnell: "Die Zeit ist karg, Ich zimmre deinen Totensarg!" Und als sie dies gesprochen kaum, Zerfloß das ganze Bild, wie Schaum. --
Es lag so bleich, es lag so weit Ringsum nur kahle, kahle Heid; Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und heimlich schaudernd stand ich da.
Und nun ich eben fürder schweif, Gewahr ich einen weißen Streif; Ich eilt drauf zu, und eilt und stand, Und sieh! die schöne Maid ich fand.
Auf weiter Heid stand weiße Maid, Grub tief die Erd mit Grabescheit. Kaum wagt ich noch sie anzuschaun, Sie war so schön und doch ein Graun.
Die schöne Maid, die sputet sich, Sie summt ein Lied gar wunderlich: "Spaten, Spaten, scharf und breit, Schaufle Grube tief und weit."
Ich ging und nahete mich ihr, Und flüsterte: O sage mir, Du wunderschöne, süße Maid, Was diese Grube hier bedeut't?
Da sprach sie schnell: "Sei still, ich hab Geschaufelt dir ein kühles Grab." Und als so sprach die schöne Maid, Da öffnet sich die Grube weit;
Und als ich in die Grube schaut, Ein kalter Schauer mich durchgraut; Und in die dunkle Grabesnacht Stürzt ich hinein -- und bin erwacht.
Im nächtgen Traum hab ich mich selbst geschaut, In schwarzem Galafrack und seidner Weste, Manschetten an der Hand, als ging's zum Feste, Und vor mir stand mein Liebchen, süß und traut. Ich beugte mich und sagte: "Sind Sie Braut? Ei! ei! so gratulier ich, meine Beste!" Doch fast die Kehle mir zusammenpreßte Der langgezogne, vornehm kalte Laut. Und bittre Tränen plötzlich sich ergossen Aus Liebchens Augen, und in Tränenwogen Ist mir das holde Bildnis fast zerflossen. O süße Augen, fromme Liebessterne, Obschon ihr mir im Wachen oft gelogen, Und auch im Traum, glaub ich euch dennoch gerne.
Im Traum sah ich ein Männchen klein und putzig, Das ging auf Stelzen, Schritte ellenweit, Trug weiße Wäsche und ein feines Kleid, Inwendig aber war es grob und schmutzig. Inwendig war es jämmerlich, nichtsnutzig, Jedoch von außen voller Würdigkeit; Von der Courage sprach es lang und breit, Und tat sogar recht trutzig und recht stutzig. "Und weißt Du, wer das ist, Komm her und schau!" So sprach der Traumgott, und er zeigt' mir schlau Die Bilderflut in eines Spiegels Rahmen. Vor einem Altar stand das Männchen da, Mein Lieb daneben, beide sprachen: Ja! Und tausend Teufel riefen lachend: Amen!
Was treibt und tobt mein tolles Blut? Was flammt mein Herz in wilder Glut? Es kocht mein Blut und schäumt und gärt, Und grimme Wut mein Herz verzehrt.
Das Blut ist toll, und gärt und schäumt, Weil ich den bösen Traum geträumt; Es kam der finstre Sohn der Nacht, Und hat mich keuchend fortgebracht.
The book keeps going
Reading is free forever. Sign up and watch scenes appear while you read.



Scenes Storieta drew for other classics.
New illustrated classics
Once or twice a month: the latest books to get full character casts, scene art, and free comic editions. No account needed.