Storieta
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Der Ort

Einst -- Kindheit, Fieber oder Traum, Ich wachte kaum, ich dachte kaum -- Lag eine Wiese da. Der Wald wuchs dunkel hinter ihr, Ein unbeschreitbares Revier, Wo Angst und Tod geschah.

Die Wiese hielt mich eingefaßt, Sie, Eiland, Wiese, Wiege, Rast, Wie ruhig schlug mein Blut. Auch nicht in meiner Mutter Schoß Hab ich so groß, so grenzenlos, So ungekränkt geruht.

Der Himmel flog, ein blauer Rauch, Von Licht durchatmet, jeder Strauch Vom Atem eingewiegt, Der schön und selig, ein Gefühl, Leicht wie ein Spiel, wie Höhe kühl Zu Gottes Gipfel stieg.

Ich war ein Schein in allem Schein, Der widerschien -- ich strahlte rein Und freute mich darin. Ich, Himmel, Sonne hingen wir Und flogen wir und gingen wir Herüber und dahin.

Man muß nicht Wege suchen, sie Verführen und sie führen nie Zu dem entzückten Ort. Ich weiß, ich war -- und weiß jetzt kaum, Ob Kindheitswunsch, ob Fiebertraum -- Einmal geladen dort.

Der Gut-Wetter-Wind

Der Gut-Wetter-Wind hat manches zu tun, Was er lieben müßte, wenn ers verstünde. Er jagt vielleicht nur, um dann zu ruhn, Aber dennoch hilft er so manchem Kinde.

Farbige Schleifen hat er zu drehn Um Holzstäbe, welche die Kinder halten. Kein braver Wind sollte weiter wehn, Ohne gern dieses bunten Amtes zu walten.

Papierdrachen aber müssen den Wind Überlisten, bekämpfen -- Triumph des Schwebens! Da freilich erleidet so manches Kind Die Niederlage himmlischen Strebens.

Ob das auch kümmert jeden Wind? Er weht vielleicht nur, um Wellen zu machen, Um Wolken zu treiben, welche sind Sein Spiel, sein Sport, sein Triumph, seine Drachen.

Dann war es so weltabgewandt, Das Paradies des Objektiven. Sogar der Lehrer saß gebannt, Vielleicht, daß auch die Bücher schliefen.

Das war ein freies Nichtstun -- wie Ewig dem Katalog entronnen. Der Lampen milde Apathie Nährte der Faulheit süße Wonnen,

Indes die Träume, die sonst gerne Schmerzhaft im Herzen suchen gingen, Jetzt schwach nur brausend, wie von ferne, Verschmolzen mit der Lampen Singen.

Ich biß ins Bett, die Finsternis Mit Fäusten schlagend, Tobender Neuling -- ich zerriß Mein Knabenhemd, nach Leben, Leben klagend.

Wer hat uns Leben aufgedrungen, Es ewig zu begehren? Wenn nur nicht diese Dämmerungen, Die hoffnungslosen Morgenröten wären!

Heilige Gruppe

Der Gärtner, der den Graukopf zu den Beeten neigt -- Wie sanft kann seine harte Hand betreuen --, Das Enkelkind, das blonde Locken neigt, Und knabenhaft bestrebt ist, Sand zu streuen.

Beide versunken in ein schlichtes Dienen, Beide vor Eifer fromm und zag, Indes ein schöner Wochentag Verklärend spielt auf ihren Mienen.

Seit jener Eine wuchs aus solchem Kreis, Kann jeder blonde Knabe Wunder sein. Bei hellem Tag zittert ein Heiligenschein Über dem Kind und seinem Gärtnerfleiß.

Du Ungeduldiger! Hast du noch nie ein Roß gedemütigt? Ergab sich nie in deinen Armen Zur Liebe eines Weibes Haß? Die weichen, schmeichelnden Teppiche der Ehre, Wo sind sie? Und die Vezire, die zu Sklaven werden?

Ah, wo verbirgt sich jene Stunde, Die ganz besiegte, Da du nach keiner neuen mehr begehrst?

Ich sehe deine Nüstern zucken Und eine ungebärdige Ader auf deiner Stirn. Die Hand in meiner Hand wird muskelhart.

Du unerprobter Kämpfer! Sieger im Traum!

Gebet

Und wenn ich bete, Gott, erhörst du mich? Genügt es, daß ich wieder Beter werde? Erleichterst du mir dann den Druck der Erde, Der mir so selten von der Seele wich?

Ich bin dein treues Kind von Anbeginn Und habe dich dereinst so gut verstanden. Wohl ging ich Wege, die dich nicht mehr fanden, Dir immer nach und wußte nicht, wohin.

Auf tiefes Dienen war ich stets bedacht, Und lag nicht deine Huld auf meinem Dienen? Jetzt freilich zürnen, Meister, deine Mienen, Und über meinem Scheitel wächst die Nacht.

Daß ich so schwach bin, hab ich nicht gewußt, Von aller Welten-Schwachheit so durchdrungen! Willst du die Demut, ist dirs bald gelungen, Schon atme ich mit halberstickter Brust.

Soll ich bezeugen, Ewiger, deine Macht? Sollen auf freiem Markt die Wunden bluten? Gezüchtigt von der Schärfe deiner Ruten Und wehrlos als dein Opfer dargebracht?

Ich hoffe noch, auch wenn es Hoffahrt ist, Daß du mir Gutes willst in deinen Plänen. Und halte fest an meinem Kindersehnen Und zehre noch an einer Gnadenfrist.

O öffne, Furchtbarer, dein Stahlvisier! Nur einen Blick aus deutlichem Gesichte! Wenn du mich retten willst, Vorsitzer im Gerichte! Ich habe grenzenlose Angst vor dir!

Einsiedler

Mir gehört der große Garten nicht, Der sich weit ins Land hineinverflicht. Mir gehört nur ein geborgnes Stück, Rasenfleck, begrenztes Himmelsglück.

Wo herunter wie durch einen Schacht Sterne nach mir zielen manche Nacht, Und an schönem Tag ein wenig Blau Lächelt meiner unverwandten Schau.

Doch durch diese Enge steigt und steigt Mein Gebet, ob auch die Höhe schweigt, Ob auch meinem Schrei, der niemals rastet, Nie sich eine Antwort niedertastet.

Die Freude

Mir ist die Lust kein leicht erspieltes Gut, Kein hitziger Zufall -- denn mein dummes Blut Muß erst die Freude lernen. Mühselig lern ich tun, wie Freude tut.

Weit besser kann ich schon die Traurigkeit. Ein wahrer Könner müßt ich sein im Leid Und wie ein Meister spielend. Leid war bei mir in aller Lebenszeit.

Doch wenn ein karges Frohsein mir gelingt, Bin ich so stolz wie wer das Große zwingt, Stolz wie ein Kind, Das immerfort drei falsche Töne singt.

Die Nähe

Ich wage nicht Heimat zu sagen Zu Tälern, in die meine Einsamkeit Sich schmiegte, in ein Lieblingskleid, Zu Bächen, so vertraut meinen hellsten Tagen. Und wenn ich im Wald zu horchen begann, Hielt ich immer beschämt den Atem an.

Ich bin nicht gut genug für all diese Nähe, Die so lieblich ist und sich selbst so treu. Die Berge waren längst, ich aber bin neu, Sie haben ihren Ort, ich aber gehe Und suche, weiß nicht einmal wen? Wie sicher die Bäume in ihren Räumen stehn!

Bin wie voll von einem guten Schlafe, Weil die Tage schön gewesen sind. Und ich könnte beten wie das brave Kind, das abends sich auf Gott besinnt.

Eine milde Lampe wollt ich haben, Die hell bleiben dürfte diese Nacht. Wollte mich in einem Bette laben, Mir von milder Hand zurecht gemacht.

Alles wohlgetan, und ich entkleide Mit den Kleidern mich von aller Welt, Die mich jetzt mit keinem ihrer Eide Länger drückt und angebunden hält.

Die Stadt

Ein böses Werk betreiben diese Tage Und treibens hastig, ohne nur zu ruhn. All mein um Menschen Werben, das ich wage, Es endet wie gehässiges Tun.

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