Storieta
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Beten ist Lieben. So bete ich Dich an. So bete ich zu Dir, lieber Mensch, denn Du bist allgütig und unsichtbar.

Wer weiß von Dir?

Du selbst nicht. Und die andern nicht.

Du siehst Dich nicht. Du atmest den Wohlgeruch nicht, der aus der Tiefe Deines Seelenkelches zu mir dringt.

Schöner warmer Kelch. Dein Leben perlt an den goldenen Wänden.

Und außerhalb des Bechers steht ein kühler Schweiß, der mich erbarmt.

Ich trinke Dich zur Neige in vollkommener Liebe.

Du liebst meine Geschöpfe. Ich fühle es, wenn ich Dich trinke.

Du fandest eine Sprache im Wind, den ich rief um meine Welt zu trocknen, als ich sie schuf. Ich höre Deine Musik, wenn ich Dich trinke.

Du griffst nach meinen Sonnenstrahlen, die ich brach zu Deinem Spielzeug. Ich begrüße die tausend Farben in Dir, wenn ich Dich trinke.

Du hast mit deinen kleinen Händen meine Erde gehalten und ihre Formen gefühlt. Und zu mir sprachst Du in dieser Sprache.

Ich fühle Deine Hände, wenn ich Dich trinke.

Vielmals vielfach gibst Du mir in Liebkosung meine Liebe wieder. Dich liebst Du nicht. Spielst nicht mit Dir. Lebst nicht für Dich. Du bist ein anderer als Du selbst.

Aber keiner soll Dich für einen andern halten. Ich will Dich mit meiner Liebe zeichnen. Alle sollen an Dich glauben. So will es meine Liebe.

Du bist still und demütig. Und doch ist Dein Stolz weiß und hart wie meine Schneegebirge.

Du senkst die Augen und glaubst nicht ihrem Leuchten. Ich aber baue darauf einen Tempel. Kein Stern verzehrt blauere Funken als Deines Herzens Herd mir zum Genusse sendet.

Unsichtbar, lieber, geliebter Mensch, hülle ich Dich mit jedem Atem tiefer in meine Gedanken ein. So bin ich Dir nahe. Denn ich durchdringe in Dir Falten, die meine Sichtbarkeit erdrücken würden.

Und auf diese Falten habe ich es in meiner Liebe zu Dir abgesehen. Nicht weil Du Dich mir hingibst, lieber Mensch, lodert in mir eine unendliche Liebe zu Dir. Nicht weil Dich der Boden quält, auf dem Du stehst. Nicht weil Du mich fürchtest, zu mir sprichst, mir opferst, mich rufst, mein Lob verkündest:

Ich liebe Dich, weil ich Dich voraussah.

Ich liebe Dich, weil Du mir gerietest.

Ich nenne Dich vollkommen schön und fürchte die Veränderung.

Darum liebe ich Dich: Ich bin ein Gott, der furchtsam ist aus Liebe. Und todesmutig aus Liebe.

Schön bist Du, weil Du alles bist.

Deine Mattheit kann aufleuchten. Deine Helligkeit aus tiefster Schwärze steigen. Alle Gesetze sind in Dir erfüllt.

Der Tod fände in Dir höchstes Leben.

Wie ein Hündchen kannst Du hinter der Herde laufen, wie ein König auf Purpur lehnen. Wie ein Sträfling kannst Du Wellen mit den Rudern teilen, wie eine Lerche Melodien in den Äther schneiden. Deine Hand kann verträumt im Sande spielen und kann Gaben austeilen und Gerechtigkeit üben ohne Gesetze. Du kannst schlagen und töten. Du kannst gebären und aufrichten.

Als Deine Mutter Dich trug, liebte ich Dich. Als Dein Vater Deine Mutter ansah, liebte ich Dich. Als Deine Eltern, einander unbekannt, auf meiner Erde kindhaft spielten, liebte ich Dich.

Als hundert Jahre früher, ein Jüngerer von Deiner Menschenkraft träumte, Dich fliegen, herrschen und zeugen sah, siehe, auch da liebte ich. Denn schon fühlte ich Dich. Fühlte Dich zittern in Deiner Mutter Schoß. Wußte daß Dein Fliegen ein Gehen und ein Schauen sein werde.

Als Deine Mutter in Dir nur ihr Junges erkannte, und Dein Vater keinen Unterschied wahrnahm zwischen Dir und Deinen Brüdern, liebte ich Dich. Stark liebte ich da, denn Du konntest darauf nicht achten.

Schön warst Du, und willig wie eine Quelle und pochtest still.

Hilflos warst Du wie sie alle sind, abhängig von Menschenlaune wie vom Zug der Wolken. Deine Nahrung konnte Gift sein. Du hättest sie verzehrt, so arm warst Du an Kräften, nicht wie ein Tier mit Witterung und Triebespflichten, sondern wie ein Mensch, gefüllt mit Vertrauen und Torheit.

Iii

Niemand liebte Deinen kleinen Körper. Wie es nötig erschien, pflegten ihn die Großen. Ich war mitten unter ihnen. Sie sahen mich nicht. Und das war gut, denn meine Sprache wäre die ihre nicht gewesen.

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