Storieta
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Es war Nacht, unten rauschte das Südmeer, oben in den Lüften heulte der Sturm, der die Wolkenmassen vor sich herjagte.

Was war das Seltsame, Ungeheure, was da mit fabelhafter Geschwindigkeit emporschoß? Was sich unbekümmert um die Gewalt des Sturmes von der Erde entfernte?

Menschenwerk war es, das Werk eines genialen Mannes, der seiner Zeit um hunderte von Jahren vorausgeeilt war. Ein metallnes Fahrzeug war es, das Weltenschiff des Kapitän Mors. Dies wunderbare Werk hatte wieder einmal die geheimnisvolle Insel im Südmeer verlassen.

»Meteor« war der Name des seltsamen Fahrzeuges, welches den Elementen trotzte. Der Riesenmagnet, der die Anziehungskraft des Erdballs aufhob, war der Erde zugewendet und mit furchtbarer Schnelligkeit schoß das mächtige Fahrzeug hinauf, den Luftozean durchkreuzend, dem Weltraume zustrebend.

Kapitän Mors befand sich im sogenannten Lenkraum des Weltenfahrzeuges.

Ihn begleitete einer seiner Ingenieure, der treue Star, auch der Professor, der obgleich Gefangener des Kapitän Mors, diese Gefangenschaft doch als das größte Glück seines Lebens empfand. Sie ließ ihn ja die Wunder der Sternenwelt schauen.

Kapitän Mors besaß noch andere europäische Gefährten, die ehemals zur Besatzung eines Unterseebootes gehörten.

Sie hatten ihm Treue geschworen und wenn auch einige von ihnen, wie es in einem früheren Bande dieser Schilderungen erzählt wurde, Meuterei verübten, so waren doch die anderen unbedingt zuverlässig.

Dennoch hatte der Kapitän diesmal nur einen Teil der Europäer mit sich genommen und dafür einigen seiner Inder auf deren dringendes Bitten die Teilnahme an der Weltenfahrt gestattet.

Kapitän Mors tat das allerdings nicht gern, denn er hielt auf die Inder große Stücke und da hatte er bemerkt, daß diese an ein tropisches Klima gewöhnten Männer nach solchen abenteuerlichen Fahrten kränkelten.

Deshalb wählte er nur diejenigen, die aus den indischen Bergländern stammten und an Kälte und Strapazen gewöhnt waren. Unter diesen Männern befand sich auch der treue Lindo.

»Nun, Kapitän,« fragte Star, der neben dem berühmten Luftpiraten stehend die Instrumente beobachtete. »Nicht wahr, diesmal geht es zum Monde?«

»Ich habe mir den Trabanten der Erde als Zielpunkt der Fahrt ausersehen,« erwiderte Mors mit der gewohnten eisigen Ruhe. »Aber ich klammere mich nie an etwas Bestimmtes. Ich rechne stets auf Schwierigkeiten, auf Hindernisse und wenn auch der Mond das Endziel unserer diesmaligen Fahrt sein soll, so will ich doch auf dem Wege dahin ein anderes Rätsel zu lösen suchen. Darüber kann ja Professor van Halen sprechen.«

Bei den letzten Worten wendete sich Kapitän Mors an den Astronomen, dessen Gesicht eine gewisse Ungeduld verriet.

Die Ungeduld, neue, unbekannte Wunder zu schauen.

»Ja, so ist es,« bemerkte van Halen, als sich der Kapitän an ihn wendete, »ich habe schon bei den letzten Fahrten eine eigenartige Störung beobachtet und diese kleine Störung kann nur durch einen kleinen Planeten bewirkt werden, der sich in einer höchst merkwürdigen Bahn bewegt, dieser Planet muß sich von Zeit zu Zeit zwischen dem Monde und der Erde befinden.«

»So,« meinte Star. »Da wundert es mich nur, daß man ihn nicht schon längst entdeckt hat. Bei solcher Nähe müßten ihn doch unsere Astronomen längst gefunden haben.«

Der Professor zuckte die Achseln.

»Das kann man nicht so ohne weiteres behaupten,« erwiderte er. »Man sieht die Meteoriten auch nicht, als bis sie bei Nacht in den Luftkreis der Erde zur Erhitzung gebracht als Feuerstreifen und Sternschnuppen aufflammen. Jedenfalls ist dieser Weltkörper ein Liliputplanet, ein winziges Ding, welches vielleicht das Sonnenlicht wenig reflektiert und mit ungeheurer Geschwindigkeit durch den Weltenraum saust. Dieser kleine Planet hat sicherlich eine ganz eigenartige Bahn, immerhin hat er Störungen hervorgerufen, die ungemein feinwirkende Instrumente anzeigen. Auf der Erde selbst konnte man diese Störungen nicht beobachten und nicht feststellen. Das war erst möglich, wenn man sich im Weltenraum befand. Da hat mir einer der Registrierapparate die Existenz eines solchen noch unbekannten Planeten verraten, es ist vielleicht ein verirrter Weltkörper, wer kann das alles wissen? Genug, ich habe Kapitän Mors gebeten, diesmal nach diesem rätselhaften Wanderer im Weltenraum Ausschau zu halten und der Kapitän will meinem Wunsch entsprechen.«

»Na gut,« erwiderte Star, »ich bin auch neugierig, da gibt es wieder ein Abenteuer, denn das ist gewiß, bei unseren Weltfahrten ist allemal etwas passiert und mehrmals sind wir zur schnellen Rückkehr gezwungen worden. Hoffentlich ist es diesmal nicht schlimmer, als wie andere Male. Was mich betrifft, Kapitän, so wißt Ihr es ja, ich gehe mit Euch, wenn nötig, in die Hölle!«

Kapitän Mors drückte die Rechte seines treuen Gefährten und begab sich dann mit dem Professor in den Beobachtungsraum des Weltenfahrzeuges.

Die beiden Schwestern, Anita und Lucy Long, nahmen diesmal nicht an der wunderbaren Fahrt teil.

Anita hatte bei den letzten Abenteuern eine leichte Verletzung erlitten und da sollte sie sich erst völlig erholen. Selbstverständlich war Lucy bei ihrer Schwester zurückgeblieben.

Während Star den Riesenmagneten bediente, setzte sich der Professor an seine Instrumente, wahren Wunderwerken menschlicher Technik, während Kapitän Mors einige Berechnungen machte.

Das Weltenfahrzeug befand sich noch in der Luftzone, bei deren Passieren stets die größte Vorsicht beobachtet werden mußte.

Da kam ja jedesmal die sogenannte elektrische Zone, aber Kapitän Mors kannte jetzt schon die Gefahren, welche dort warteten, und es war ihm ein Leichtes, diese Hindernisse zu überwinden.

Stunden vergingen, ohne daß ein Wort zwischen den beiden Männern gewechselt wurde. Dann erhob sich Kapitän Mors und betrachtete die an der Wand hängenden Instrumente.

»Wir haben diesmal recht schnelle und glatte Fahrt,« sprach er zu dem Gelehrten, der sich Notizen machte. »Die Luftzone der Erde ist überwunden. Wir befinden uns bereits im Weltenraum.«

Das Gesicht des Professors strahlte. Hastig arbeitete er an den Hebeln, welche die großen Schieber vor den dicken Glasscheiben bewegten.

Der eine Schieber schob sich langsam seitwärts und da konnte der Blick durch das dicke Glas in den Weltenraum hinausschweifen.

Schwarz war der Himmel, nachtschwarz, die Sterne funkelten nicht, sie standen da wie weiße, schimmernde Punkte, seitwärts sah man die gelbe, strahlenlose Scheibe der Sonne.

Es war ein wunderbares Bild und obwohl Professor van Halen es schon oft gesehen, verriet er dennoch neues Entzücken.

Auch der Mann mit der Maske sah gedankenvoll in die Tiefen des Weltenraumes.

»So, Kapitän,« sprach van Halen nach einer Weile, »jetzt möchte ich darum bitten, daß das Weltenfahrzeug in dieser Zone kreuzt, treffen meine Berechnungen zu, so müssen wir in dieser Gegend den neuen kleinen Planeten entdecken.«

Mors griff sofort zum Telephon, welches den Beobachtungsraum mit dem Lenkraum verband. Er läutete und gab Star, der sich dort befand, seine Weisungen.

Das große Fahrzeug schien plötzlich zu zittern, aber dies geschah dadurch, daß Star den pfeilschnellen Lauf des Weltenfahrzeuges verlangsamte.

Nach kurzer Zeit fuhr es nur mit der Schnelligkeit eines mit vollster Geschwindigkeit dahinsausenden Schnellzuges.

Hierauf wendete es wieder und fuhr in anderer Richtung zurück, um bald danach eine neue Richtung einzuschlagen. Es kreuzte also im Weltenraum wie ein Schiff auf offenem Meere.

Dieses eigenartige Manöver gelang durch die Art und Weise, wie der Riesenmagnet bewegt wurde. Der wurde nach verschiedenen Richtungen gedreht und gewendet und damit konnte man die Bewegungen des Fahrzeuges regulieren.

»So ist es richtig,« sprach Mors, als er die Instrumente eine Weile betrachtet hatte. »Ihr Wunsch ist erfüllt, Herr Professor, wir kreuzen jetzt in der von Ihnen als verdächtig bezeichneten Zone. Ich will nur wünschen, daß Ihre Beobachtungen zutreffen. Dann müssen wir ja den eigentümlichen Wanderer treffen, hoffentlich ist er zur Stelle oder wird doch bald erscheinen.«

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