Storieta
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Das Tagesgestirn bestrahlte die Wolkenmassen über dem Festland und den Meeren, die allmählich in blauen Dunst zu verschwimmen schienen.

Alles dies aber erschien von einem seltsam geformten Koloß aus gesehen, der plötzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus der Atmosphäre der Erde hinaus in den Weltenraum flog, bald kleiner und kleiner.

War das ein Meteor, welcher den Luftkreis der Erde passiert und sich nunmehr in schier rasender Geschwindigkeit wieder nach anderen Welten wendete?

Nein, es war ein Werk von Menschenhand, das wunderbare Weltenfahrzeug des maskierten Luftpiraten, welches den Namen »Meteor« führte.

Fast schien es, als wollte Kapitän Mors, der Erbauer des Weltenfahrzeuges, der schon so seltsame Abenteuer erlebt, sein und seiner Leute Leben zum Opfer bringen.

Eben war er erst auf Erden mit Mühe und Not dem drohenden Verhängnis entkommen und nun suchte er schon wieder Weltenräume auf, in denen zu fast jeder Minute das Verderben drohte.

Dennoch ging Kapitän Mors nach einem genau bestimmten Plan vor, er konnte eben nicht müßig bleiben.

Sein ganzes Leben war den Abenteuern geweiht und er meinte, jeder Tag sei verloren, an dem er nicht die Macht, welche ihm die Wissenschaft verlieh, auf der Erde oder in anderen Weltenräumen erproben konnte.

Mors fuhr diesmal nach einer ganz anderen Richtung.

Er hatte mit seinem Weltenfahrzeug das Unendliche durchflogen, sogar die Planeten Venus und Mars besucht und die wunderbarsten und gefährlichsten Abenteuer erlebt.

Er wußte aus Erfahrung, daß jene intelligenten Bewohner der Planeten ihn und sein Werk stets feindlich betrachteten. Daß sie durch größeres Wissen Machtmittel besaßen, welche ihm und seinen Leuten leicht verderblich werden konnten.

Der Kurs des Weltenfahrzeuges ging also in einer Richtung durch den Weltenraum, bei der ein Zusammentreffen mit den genannten Planeten vermieden wurde.

Diesmal lockte Mors ein anderes Rätsel.

Es war Professor van Halen, der ihn auf den Gedanken gebracht hatte, eins der größten Rätsel der Sternenwelt lösen zu wollen.

Dies Rätsel war der Ring des riesenhaften Planeten Saturn.

Professor van Halen, der Mors auch diesmal begleitete, hatte schon bei den früheren Weltenfahrten seine ausgezeichneten Instrumente auf diesen merkwürdigsten aller Himmelskörper gerichtet und ihn mit dem Eifer eines Gelehrten betrachtet, wollte er doch gern wissen, woraus der Ring des Saturn eigentlich bestand.

Nun hatte schon vor Jahren ein äußerst scharfsinniger Astronom die Vermutung aufgestellt, daß sich die Ringe des Saturns aus unzähligen kleinen Körpern zusammensetzten.

Der Professor teilte diese Meinung, aber er wollte sie bestätigt wissen, und als er Kapitän Mors dies mitgeteilt, hatte der Luftpirat den Kurs des Weltenfahrzeugs in jene unbekannten Fernen gerichtet.

In den Räumen des mächtigen Fahrzeuges standen Kapitän Mors und der Professor im Gespräch neben den wissenschaftlichen Apparaten.

»Meine Leute sind während der letzten abenteuerlichen Fahrt auf der Erde nicht müßig gewesen,« sagte Kapitän Mors. »Sie haben alle meine Anweisungen auf das Genaueste befolgt und das Weltenfahrzeug in einer Weise hergerichtet, daß es selbst den höchsten Anforderungen genügt. Der Bug, die Mitte und das Achterteil sind nochmals gepanzert worden, und so habe ich mich vor allen Dingen gegen das Anrennen fremder Weltenfahrzeuge gesichert.«

»Jetzt können die Fahrzeuge vom Mars kommen, ich würde nicht einmal die Blitze mehr fürchten, mit denen sie damals einen Teil meines »Meteor« demolierten, jetzt trotze ich ihnen.«

»Aber diesmal kommen wir nicht in ihrer Nähe vorüber,« meinte der Professor, in dessen Augen das Feuer der Erwartung glühte.

»Nein, das ist allerdings nicht der Fall,« meinte Mors, »aber Sie, bester Professor, wissen ja aus Erfahrung, daß die intelligenten Bewohner jener zwei gefährlichen Planeten weite Weltenreisen unternehmen. Wir haben ja selbst mal eine solche Weltenflotte erblickt, denn so muß ich diese Erscheinung bezeichnen. Sie erinnern sich wohl noch, wie wir einer ganzen Anzahl solcher Fahrzeuge begegneten. Da muß ich stets und ständig auf Angriffe gefaßt sein. Aber ich denke, wir werden diesmal verschont bleiben und die Rätsel lösen, an denen Ihnen so viel gelegen ist. Wenn nichts dazwischen kommt, muß sich uns das Geheimnis des Saturnringes enthüllen.«

»Gewiß!« erwiderte der Professor. »Bei den Vorsichtsmaßnahmen, die wir getroffen haben, erscheint es fast ausgeschlossen, daß uns Unfälle begegnen. Die Sternschnuppenzonen liegen ganz außer unserem Kurs, wir müssen nur die ungeheure Anziehungskraft des größten aller Planeten, des Jupiter berücksichtigen, denn die hat uns schon einmal sehr zu schaffen gemacht. Es scheint, als ob diese ungeheure Masse selbst unserem Riesenmagneten trotzt, und Sie wissen ja, Kapitän, der Jupiter hat schon, wie man zu sagen pflegt, einige Male Weltenkörper abgefangen.«

»Nun, das war nicht allzu schwer,« meinte Mors. »Darüber hat man ja klassische Beispiele. Der Jupiter hat oft Kometen aus ihrem Kurs geworfen, ihren Lauf verändert, ja sie sogar in Atome auseinandergetrieben. Aber das sind ja gasförmige Körper, die keinen Widerstand zu leisten vermögen.«

»Das ist richtig,« erwiderte der Professor. »Aber ich huldige da noch einer Anschauung, welche vielleicht wenige Astronomen teilen. Früher glaubte man, daß die Monde, von denen der Jupiter vier größere besitzt, während der Saturn sogar acht Trabanten mit sich führt, der Festwerdung und Erstarrung dieser Planeten entstammten. Ich aber glaube, daß dies kleine Weltkörper sind, welche die beiden Riesen durch ihre ungeheure Anziehungskraft gewissermaßen abfingen und sie bereits seit ungezählten Millionen Jahren mit sich führen. Kommen wir näher an diese Weltkörper heran, so hoffe ich auch dies Rätsel lösen zu können.«

Damit ging der Professor an seine Arbeit.

Mors aber inspizierte seiner Gewohnheit gemäß die Räume des Weltenfahrzeugs.

Unsere Leser werden sich entsinnen, daß der Luftpirat bei seinen letzten Abenteuern die größte Anzahl seiner Mannschaften einbüßte.

Der Verlust war jetzt einigermaßen ersetzt durch eine Anzahl Inder aus den Hochgebirgen, die Kapitän Mors in seine Dienste genommen.

Er war bis jetzt mit diesen Männern sehr zufrieden, zumal diese ihr geliebtes Vaterland für immer verlassen mußten. Diese Inder hatten sich an einem Aufstand gegen die englische Regierung beteiligt, an einer Rebellion, die vorzeitig verraten, vor den Bajonetten der Engländer kläglich scheitern mußte.

Eine Anzahl der freiheitsliebenden Verschwörer wurde im Kampf getötet, andere gefangen und nach kurzem Prozeß hingerichtet. Diejenigen, welche zu flüchten vermochten, begaben sich in indische Hochgebirge, wurden aber auch dort von den Engländern verfolgt und wie die wilden Tiere umhergehetzt.

Die freiheitsliebenden Männer gaben sich schon verloren, als sie mit Kapitän Mors' Sendboten zusammentrafen.

Dieser hatte seinen getreuen Lindo und zwei andere Inder ausgeschickt, um neue Mannschaft anzuwerben und schwebte mit seinem lenkbaren Luftschiff über den schneebedeckten Hochgebirgen.

Mit tausend Freuden nahmen die Gehetzten und Geächteten das Anerbieten Lindos an und schwuren den fürchterlichen Eid, durch den sie sich für immer an Kapitän Mors banden.

Bald führte sie das lenkbare Luftschiff nach der Insel im Südmeer und die zähesten und widerstandsfähigsten dieser Männer waren es, welche Mors bei seiner neuen großen Reise in den Weltenraum begleiteten.

Auch zwei Normannen befanden sich unter der Mannschaft, die zwanzig Köpfe zählte. Dazu kamen noch Mors und der Professor.

Aber es war noch ein anderes Wesen zugegen, nämlich die Schwester des ehemaligen Todfeindes des Luftpiraten.

Es war Nelly, Ned Gullys Schwester, die jetzt auf den Luftpiraten schwor.

Ihren dämonischen Bruder, den Kapitän Mors vernichtet, hatte sie längst vergessen und war mit Leib und Seele eine Anhängerin des Mannes mit der Maske geworden. Dieses noch so junge Mädchen besaß einen wahren Feuergeist und einen glühenden Hang zu phantastischen Abenteuern; sie besaß außergewöhnliche mechanische und technische Kenntnisse, in denen sie sogar die Töchter des Ingenieurs Long, die beide auf der Insel als glückliche junge Frauen zurückgeblieben waren, übertraf.

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