
Public-domain ebook
Riesele: Geschichte eines kleinen Pferdes
Language: de309 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: Children & Young Adult Reading·Novels
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #62943.

Public-domain ebook
Language: de309 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: Children & Young Adult Reading·Novels
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #62943.
The opening · free to read
„Sie hat nun Feierabend für ein paar Wochen: morgen oder übermorgen wird sie uns ein Füllen schenken!”
Die Kinder, zwei Buben und ein Mädchen, hüpften aus Freude darüber von dem Wagen herab, und auch der Vater kletterte herunter, und alle vier sprangen sie an die Radachsen und drückten und schoben, daß Trudel nicht mehr zu ziehen brauchte und vor Freude laut aufwieherte.
Aus dem Fenster der Wohnstube, grad überm Stalle, guckte die Bäuerin, die Mutter der Kinder, und rief:
„Ist's Zeit für die Trudel, soll ich kommen?”
Sie kam auch schon die hohe Steintreppe herabgesprungen, verlor den einen Holzschuh, stieß auch den anderen zur Treppe hinab und riß die Stalltür auf und rannte barfuß in die kleine Scheune, frisches Stroh zu holen.
„Nur Geduld!” sprach der Bauer, „so eilt's wohl nicht, Katherin; ihr Weiber seid mir allzu ängstlich besorgt um euer schweren Stunden!”
Hühner, dreißig an der Zahl, standen aus dem Sande auf, schüttelten den Staub aus den Federn und sahen neugierig und wie in Ehrfurcht zu der Stute hin, der bunte Hahn krähte einmal, eine Henne kam mit ihren zehn Küchlein aus den Halmen der Wiese, junge Enten, die im Wiesengraben plätscherten, wackelten mühselig an den Weg, und etliche schwere Gänse hüpften flatternd auf den Wagen, das frische Gras zu versuchen.
Indessen wurde Trudel von acht rührigen Händen abgeschirrt, das kleine Mädchen legte seine Hand an des Tieres schwabbelige Lippen, und diese folgten dem Händchen in den weitgeöffneten Stall.
Bärbel, die Kuh, deren Kalb, weil es ein vernaschtes Ding war, seitabgebunden an seinem Stricke riß, Bärbel, die Kuh, drehte den breiten Kopf nach der Trudel und schob zugleich das Hinterteil mit dem schweren Euter dem blökenden Kinde zu, das heftig einstieß.
„Mamme, der Max sauft schon wieder!” rief der rothaarige August der Mutter zu, die mit einem Arm voll Stroh hereinkam in den Stall.
„Laß ihn heut noch einmal saufen, den Nimmersatt, morgen ist er nicht mehr der Jüngste im Stall, da wird er sich schämen, so vernascht zu sein!”
Sie zerknüllte das widerborstige Stroh und breitete es unter der Trudel aus, und zwei Zicklein hüpften um sie her, indem sie, einen Halm im Mäulchen, die überlangen Hinterbeine nach allen Seiten in der Luft umherwarfen. Auch Sapperlott, der Hasenvater, kam über die sauberen Pflastersteine des Stalles dahergehoppst, indes die alte Häsin hinten in ihrem verdrahteten Geburtskasten hockte und ihre Zitzen einer wimmelnden Kinderschar preisgab. Sapperlott hüpfte mitten hinein ins neue Stroh, die Bäuerin packte ihn im Genick und warf ihn dem kleinen Mädchen, das sich in die Krippe vor die Augen der Trudel gesetzt hatte, in den Schoß. Aber das Kind mochte den Alten nicht und setzte ihn hinter sich in die Krippe, und nun lief er langsam höckernd auf dem Stein zur Bärbel hinüber, die sich nicht um ihn kümmerte.
Die Bäuerin putzte an dem Leib der Trudel herum, das Mädchen streichelte die lange Mähne glatt und versuchte, ein Zöpfchen zu flechten, August und Gustav schabten an der Stalltür Dreck von den Runkeln und warfen sie in die Futtermaschine. Mit dem Vater kamen die Hühner, alte und junge, angelockt vom frischen Stroh, und die Enten standen schräg hintereinandergereiht, wie das ihre Art ist, vor der Schwelle und wackten nach ihrem Abendessen.
Auch die Sonne guckte in den Stall; sie schob ein Brett Licht, so breit wie die Tür, herein, das an der hinteren Wand sich emporstellte und, da es Abend war, bis an die Decke hinaufreichte, wo ein Schwalbennest klebte. Die Runkeln polterten in dem Kasten.
Der Bauer brachte Gras herein, verteilte es an Kuh, Ziegen und Hasen und sagte zu seiner Frau:
„Na los jetzt, wenn's Zeit ist, mach das Trinken für die Trudel und nimm Weizenkleie heut abend!”
„Eine Mehlsuppe soll sie haben, Vatter!”
„Meintwegen, koch ihr eine Mehlsuppe! Los, Buben, 's Federvieh gefüttert!”
Die Bäuerin wischte mit der Sackschürze dem Gäulchen über die glänzenden Schenkel, trat aus dem Stall, schlüpfte treppauf in die Holzschuhe und schlappte in die Küche, das Getränk zu kochen. Gustav warf oben von der Treppe herab Gerste und Mais in vollen Händen weithin, und das Federvieh schoß aus allen Winden drauf zu, laut und gierig, und auch der Hahn tat, als könne er nicht genug bekommen, obwohl er doch sonst gern den Anschein erweckte, daß er vom Winde lebe!
Drüben aber in den Wiesen erging sich das Schwesterchen, tappte hierhin und dahin, sammelte sich die großsternigen Kuhblumen, die millionenhaft den Abhang überblühten, und das freundlich gelbe Scharbockskraut, dessen Blüten wie kleine Sonnen zerstrahlten. Einen ganzen Arm voll Gelb und Weiß stellte das Kind, das auch Trudel hieß, in sein Eimerchen, ließ an dem fließenden Quellrohr, in dessen Trog ein Entlein schwamm, Wasser ins Eimerchen laufen und hob die zarte Herrlichkeit ans Stallfenster hinauf, daß das junge Füllen, wenn es komme, gleich einen Gruß von ihr habe.
Der Nachbar mähte die erste Blust seiner Wiesen vorm Hause ab, ein gelbweißer breiter Weg schob sich in die weißübertupfte Farbenpracht, und seine Kinder zogen aus dem niedergemähten Gras die Blumen heraus, weil sie nicht in die Wiesen treten durften.
Trudelchen sprang zu ihnen hin und verkündete, daß heute nacht ein kleines Gäulchen ankommen werde.
Die Mutter rief zum Essen, der Vater schloß die untere Stalltür, die Schwalben kamen heim, das Federvieh schlief, die Sonne schlief, die Blütenpracht ward überdunkelt, das Glöcklein des spitzen Kirchturmes bimmelte sich schläfrig, das Gras duftete, ein Kohlweißling flatterte übermüdet vorüber, da setzte sich die Familie ans Abendessen.
Und dann sogleich wurden die Kinder ins Bett gesteckt.
„Einen Fuchs gibt's!” sagte August leise.
„Ein Schimmelchen!” entgegnete Gustav.
„Ein Räppele!” lispelte Trudel.
„Ruhig! Eingeschlafen!” flötete die Stimme der Mutter aus der Küche.
„Wenn's ein Fuchs ist, muß es August heißen!” hub August wieder an.
„Gustav muß es heißen ...”
„Wenn's ein Fuchs ist?”
Im Kirchtürmlein schlugs langsam zehn; so langsam, daß man darüber ein- und ausschlafen konnte. Dann fing auch das fleißige Lieschen an und schnurrte eilig und abgearbeitet seine zehn herunter.
„Ein Schimmel?” flüsterte Gustav.
„Ruhig! Eingeschlafen!” rief ebenso heftig Trudel.
The book keeps going
Reading is free forever. Sign up and watch scenes appear while you read.



Scenes Storieta drew for other classics.
New illustrated classics
Once or twice a month: the latest books to get full character casts, scene art, and free comic editions. No account needed.