
Public-domain ebook
Ein Diwan
by Judah, ha-Levi, active 12th century
Language: de263 downloads on Project Gutenberg
Subjects
In: Poetry
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #61327.

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In: Poetry
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The opening · free to read
Du, Seele, willst ins Vaterhaus, Im Traume schwingst du dich zur Höhe: Kein Traum nimmt dir dein tiefes Wehe, Dein Heimweh aus der Brust heraus.
Der Traum vergeht, dir bleibt die Qual, Die Liebesqual, ihn zu erflehen Und dennoch fern ihm zu vergehen, Weil sich verhüllt sein heller Strahl.
Und doch vergehst du nicht zum Tod, Allein zum freudigen Erheben, Denn nicht zum eitlen Wahn, -- zum Streben Sandt' in die Welt dich sein Gebot.
Du gingst und brachst im Lebensgang Der Weisheit Siegel auf und Quellen, Und tief hinab in ihre Wellen Dein durstig heißes Auge sank.
Und sank hinab und sog sich ein Die Weisheit, die du dir erkoren, Und der du hundertmal geschworen: -- »Ich laß dich nicht! Ich bleibe dein!«
All meine Gebeine sprechen: Herr, wer ist wie du?
Mein Leib und Leben Das stammt von dir, Durch dich sich regen Die Glieder mir; Mit Herzensgaben, Mit Lied und Sang Sie zu dir dringen Und opfernd bringen Sie meinen Dank.
Es kam die Seele Aus deiner Hand, Der Wimper Leuchten Aus deinem Land; Aus deinem Rätsel Mein Sinnen quoll, Vor mir als Zeichen Stehst ohne Gleichen Du wundervoll.
Wenn meine Liebe Dich ruft im Schmerz, Dich findet sicher Mein tiefstes Herz. Doch jedes Sinnen An dir sich bricht: Der Brust Gedanken, Der Träume Schwanken Ermißt dich nicht.
Für uns bereitet Ein Banner steht, Dem, der dich sucht Ein Wimpel weht. Du bist den Treuen Nimmer versteckt, Nur, ach, die Sünde Mit dunkler Binde Das Auge deckt.
Was ich erdichtet, Hast du erschaut Vom Tage, da du Meine Säulen erbaut; Du bist's, der mir Das Herz bezwingt: Dunkelstes Achten, Geheimstes Trachten Nicht zu dir dringt.
Um sein Antlitz alle Frommen flehen, Alle wollen seine Gnade sehen, Seiner Liebe jungen Regenguß; Ist er selbst auch in den fernsten Weiten, Steht uns seine Liebe doch zur Seiten, Seiner großen Werke Ueberfluß.
All sein Licht zu sehn, sind alle trunken; Aber finden sie den kleinsten Funken, Zittert schon ihr armes Herze ganz. Müssen seinem Reiche sich ergeben, Seinen Namen müssen sie erheben, Und in diesem Namen selig leben, -- Selig preisen seinen Glanz.
Gottes Hand wird dich beschatten, Wird dir Decke sein und Hülle, Wenn in Redlichkeit und Stille Du dich birgst in seinem Schatten.
Nimmer wird dein Fuß ermatten, Deine Hand bleibt stark hinieden: Suche, Seele, nur den Frieden, Frieden wird er dir erstatten.
Zu dir steht all mein Sehnen, Wenn auch die Lippe schweigt: Nur einmal möcht' ich werben Um deine Gunst und sterben, Wenn sie sich mir geneigt.
Nimm meinen Geist zu Händen: Ich schliefe fröhlich ein! Ach, ohne dich mein Leben Ist Tod, doch du kannst geben: Mein Tod wird Leben sein!
Nur weiß ich nicht zu beten, Wie ich wohl beten soll: Lehr' mich, wie man dich findet! Wenn mich die Torheit bindet, Erlös' mich gnadenvoll!
Lehr' mich, das Haupt zu beugen, Solang mein Herz es faßt: Verwirf mich nicht auf Erden, Damit ich nicht muß werden Mir selber eine Last!
Damit der Tag nicht komme, Wo alles auf mich drückt, Und gegen alles Trutzen Mein Herz sich ohne Nutzen Nun bücken muß und bückt!
Daß mein Gebein dann welkte Und trüg' mich nimmer fort, Und ich dann wandern müßte Zu einer andern Küste, Zu meiner Väter Ort. --
Ein armer Wandrer wall' ich Hin übers Erdenrund. Bin fremd auf allen Steigen, Mein ganzes Erb' und Eigen Liegt drunten in dem Grund.
Bis jetzt sorgt meine Jugend Noch für ihr Erdenteil: Wann endlich kommt der Morgen, Da meine Seele sorgen Wird für ihr Seelenheil?
Die irdische Beschwerde, Die Gott ins Herz mir gab, Mich so in Ketten brachte, Daß nie ans Ende dachte Mein Herz und übers Grab.
Wie kann sein Knecht ich heißen, Ich, aller Lüste Knecht? Wie kann ich höher streben? Schon morgen muß ich leben Mit Bruder Wurms Geschlecht.
Kann ich denn Festtags lachen? Weiß ich, was morgen ist? Der Tag, die Nacht, die Stunde Verfolgen mich wie Hunde Und fällen mich mit List.
Mein Geist verweht im Winde, Mein Leib fällt in den Sand: Ich muß es schweigend tragen, Die Triebe selber jagen Mich ja ins Totenland! --
Was bleibt mir noch im Leben Als deine Gunst allein? Willst du mein Teil nicht bleiben, Was soll ich hier noch treiben? Wo wird mein Teil dann sein?
Ich hab' nicht gute Werke, Ganz nackt und bloß ich bin: Nur dein gerechter Willen Kann wie ein Mantel hüllen Den makelvollen Sinn.
Was soll ich noch erbitten Von dir, mein einz'ger Hort? -- Was soll ich noch erwähnen? Zu dir steht all mein Sehnen: Das ist mein letztes Wort.
Hin nach meines Lebens Quelle Immer mich mein Sehnen trage, Bis mich an des Grabes Schwelle Niederlegen meine Tage.
Möcht' die Seele weise werden! Heut noch hascht sie nach dem Winde: Und ist doch mein All auf Erden, Priesterteil und Angebinde.
Möcht' mein Herz sich wach erweisen, Fröhlich auf das Ende sehen: Jener Tag mag Schlummer heißen, Doch er ist ein Auferstehen;
Jener Tag nach meinen Toden, Wo er richtet meine Fehle, Wo er meinen Geist und Odem Zieht in seine ew'ge Seele.
Wenn du allein des Herren harrst, Was ängsten dich die Zeiten? Lebt er in deiner heißen Brust, All irdisch Leid, all irdisch Lust, Was kann es dir bedeuten? ...
Doch nein, du liegst im dunklen Grab Und willst es nicht erkennen, Du liegst in deiner Sinne Nacht Und kannst -- kein Licht im finstern Schacht -- Nicht Gut und Böse trennen.
Es kommt der Tod: So wähle doch Des wahren Weges Breite! Ach, Seele, geh doch geradezu, Was irrst und läufst und taumelst du Zur recht' und linken Seite?
Die Wahrheit wähle! Tu es, tu's! Denk, wie die Zeiten lügen! Laß dich nicht irren dort und hie, Betrüge sie, betrüge sie, Bevor sie dich betrügen.
Ach, gute Seele, siehe zu, Ein Künft'ges zu erwerben: Gib alles hin mit leichtem Mut, Gib hin den Erben all dein Gut, Und werde selbst zum Erben!
Halt, o Herz! Wer darf sich wagen In des Herzenwägers Haus? Hüte dich, den Blick zu tragen In sein dunkles Reich hinaus. Wagtest du das frevle Abenteuer, Griffe dich ein flammenwildes Feuer.
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