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Aus dem „Abschied von Griechenland“ (Vierordt) 87
Hellas! -- Aus abgrundtiefem Meer Hebt sich ein sonnbeglänzter Strand. Blauseiden spannt sich’s drüber her -- So schaut ich dich, mein Griechenland. Und hohe Tempel sah ich stehn Auf schlanken Säulen, weit und licht, Und Götter, stolz und marmorschön, Mit reinem Menschenangesicht.
Du Volk der Schönheit, sei gegrüßt, Gegrüßt mir auf Olympias Flur! Aus deines Lebens Quelle fließt Auch Deutschlands edelste Kultur. Was deine Heldenschar erstritt, Was deiner Künstler schönster Traum, Die deutsche Jugend lebt es mit Noch heut, vergessend Zeit und Raum.
Und deutsche Dichter schufen neu Die alte Griechenherrlichkeit Und gaben ihre Melodei Dem längstverrauschten Völkerstreit, Und zeigten, wie im heitern Spiel Des Griechen dunkler Ernst gebot, Wie ihn ein stolzes Hochgefühl Ließ lachend schreiten in den Tod.
Nicht was aus fremdem Idiom Die scharfgeschliffne Brille liest, Nur was als frischer Lebensstrom Durch deutsche Dichteradern fließt, Was wieder Blut von unserm Blut Und Geist von unserm Geiste ward: Das weckt aufs neu den Tatenmut Und lockt die stammverwandte Art.
Wer finden will hellenisch Land Und griechisch Leben möcht verstehn, Dem reicht der Spielmann heut die Hand Und lehrt mit Dichteraugen sehn, Mit Dichteraugen groß und weit, Durchdringend der Geschichte Dunst -- Denn lebenswarme Wirklichkeit Wird Hellas nur im Reich der Kunst.
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