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Die Schwestern im Kreuz: Erzählung
Language: de4,391 downloads on Project Gutenberg
Subjects
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #75679.

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Der Roman „Die Schwestern im Kreuz“ ist ein symbolistisch geprägtes Werk des russischen Autors Alexej Remisow, das in einer dichten, fast poetischen Prologsequenz die Stadt Moskau als ein Reich aus 40 × 40 Kirchen und unzähligen Glocken schildert. Der Erzähler verwebt das Bild einer Stadt, in der das alte orthodoxe Leben, die Handelsklasse und die modernen europäischen Einflüsse zugleich pulsieren, und führt den Leser sofort in das Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt. Dabei wird das Umfeld des Moskauer Kaufmannsstandes, seine religiösen Rituale und die gesellschaftlichen Zwänge der Zeit eingeführt, ohne bereits konkrete Handlungsstränge zu entfalten. Der Text legt den Grundstein für ein Werk, das sich mit Fragen von Schuld, Moral und dem „bösen Geist“ auseinandersetzt, und stellt die Figur Marakulin als exemplarischen Vertreter einer individuellen, doch symbolisch aufgeladenen Existenz vor.
Der Stil ist von einer barocken Opulenz, die Remisows Studium von Volkslegenden, religiösen Riten und philosophischen Strömungen widerspiegelt; er kombiniert lange, bildreiche Sätze mit einer fast liturgischen Klangfarbe. Das Buch entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als russische Literatur noch stark von ländlichen Motiven dominiert war, und bietet damit einen seltenen Blick auf das städtische Milieu jener Epoche. Leserinnen und Leser, die an tiefgründiger Symbolik, historisch verankerten Kulturstudien und an einer Sprache, die zugleich archaisch und modern wirkt, Gefallen finden, werden in Remisows komplexer, aber lohnender Erzählweise ein anregendes Leseerlebnis entdecken.
Alexej Remisow ist im Herzen Rußlands, in Moskau, geboren. Dort sind vierzig mal vierzig Kirchen; täglich dröhnen dort zur Früh- und Abendmesse die Glocken, die großen und feierlichen in den Klöstern und Kathedralen, die Zarenglocken des Kreml; es antworten ihnen mit allen ihren Glocken die kleinen und niedrigen Glockentürme in den uralten Pfarrkirchen. Gar viele Pfarrkirchen hat Moskau; um sie herum schlängeln sich die Straßen und Gäßchen, in ihnen lebt der Moskauer Handelsstand sein eigenes urwüchsiges Leben. Alle Fasten werden streng eingehalten; an den Feiertagen ziehen die Priester mit dem ganzen Klerus aus einem Haus ins andere, um die festlichen Tafeln zu segnen; dort werden bis heute die Märtyrer- und Heiligenlegenden in der uralten Schrift gelesen, dunkle und vertraute Mitteilungen über Gottesmänner und große Märtyrer. …
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