Storieta
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Nächtige Seefahrt

Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend Geschwänzt und schlagen durch die Luft, dumpf, pfeifend. Und hart herrollend, seltsam vorwärtsgreifend, Zerbraust das Meer, der Riffe Rücken putzend.

Es klatscht das Segel, patscht das Ruderblatt. Die gleichen Wogen streifen, weichen vorn Und fallen hinten, wo der Möwen Zorn Sie schmäht, matt, hingemäht, ins glatte Schwad.

Dann steift der Wind. Er gibt die Brise doppelt Und schmeißt die hellen Wasserhaufen steiler, Wie ein Pikeur die Meute noch gekoppelt

Voll Gier losläßt; allein der starke Keiler Stockt, steht, stößt einmal in die Runde Entblößter Zahnreihn und zerfetzt die Hunde.

Friedrichstrassendirnen

Sie liegen immer in den Nebengassen, Wie Fischerschuten gleich und gleich getakelt, Vom Blick befühlt und kennerisch bemakelt, Indes sie sich wie Schwäne schwimmen lassen.

Im Strom der Menge, auf des Fisches Route. Ein Glatzkopf äugt, ein Rotaug' spürt Tortur, Da schießt ein Grünling vor, hängt an der Schnur Und schnellt an Deck einer bemalten Schute,

Gespannt von Wollust wie ein Projektil! Die reißen sie aus ihm wie Eingeweide, Gleich groben Küchenfrauen ohne viel

Von Sentiment. Dann rüsten sie schon wieder Den neuen Fang. Sie schnallen sich in Seide Und steigen ernst mit ihrem Lächeln nieder.

Mittags

Jetzt ruht der Tag am Himmel wie ein Krake, Des blasses Maul die Wälder überschwemmt. Laubbäume zittern in dem Sonnenhemd, Als ob der Park von hellen Flammen blake.

Die schwere Mühle rudert strahlumwellt In glattem Takt, daß sie den Abend hebe; Noch hält der leuchtende Kristall die Schwebe, Der Azur aus dem leichten Lichte fällt.

Orangewolken mit zitterndem Bauch, Die nachts den Flächenblitz gebären sollen. Libellen flügeln, Falter, und verschollen Summen die Bienen in dem Bohnenstrauch.

In deinen Adern glüht des Heliotrops Arom, gekühlt von süßerem Jasmin, Und durch die Nerven klingen Phantasien, Bizarre Phantasien Félicien Rops'.

Im Walde schlägt der Keiler durstgequält Die hellen Zähne in das Holz der Kiefer. Die tote Schonung raucht wie heißer Schiefer, In dem der Nacht erstickter Atem schwält.

Nacht Für Nacht

Wie helle Raupen kriechen die Chausseen Aus Wäldern über Berge in die Tale. Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale, Still in der Abendröte blanken Seen.

Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen, Quillt schwarze Nacht aus allen Himmelsbronnen. Die Sterne scheinen, kleine, ferne Sonnen. Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.

Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze, Hell über jedem Garten. Und wie Gaze Schimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.

Aus einer Kleinstadt ragt des Kirchturms Vase Verschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes. -- Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.

Rinder

Verblichnes Grün der Weide deckt Das Weiß und Schwarz der Herde. Silhouetten, da und dort gesteckt, Die Köpfe auf der Erde.

Die Wiese atmete nicht mehr, Knirrte der Rinder Schlund; Das Julilicht spritzte umher, Die Wolken zogen, und

Unten geht ein fleischern Meer Im grünen Klee spazieren. Vom Hund umbellt. Zurück. Carrière, Humpeln von alten Tieren.

Im Grase lagert sich das Blöken. Dumm scharrt des Stieres Huf. Die Kälber jagen an den Pflöcken -- Melkmägde schallen voller Ruf.

Ein weißer Fischer in den Roggenmeeren, Wo Taubenflug aufspritzt, ein Wasserstrahl, Wo Wolkenschatten rinnen in das Tal, Fliegende Fische sind -- die Roggenähren.

Der Weißklee schmeißt den Junitag zur Seite, Und manchmal fliegen Reiher um den stummen, Fischlosen See, auf dem die Bienen summen, Und nehmen zögernd ihren Flug ins Weite.

Ich galoppiere vor dem Sonnenschein, Auf weißem Pferde flatternd, Wind geworden, Und Sonnenfetzen um den Hals, nach Norden. Ich werde mittags an dem Meere sein.

Der Turmsteiger

Er fühlte plötzlich, daß es nach ihm griff, -- Die Erde war es und der Himmel oben, An dem die Dohlen hingen und die Winde hoben -- Und fühlte, wie es ihn nun auch umpfiff.

Ihn schauderte. Er sah das Meer, er sah ein Schiff, Das gelbe Wellen schaukelten und schoben Und sah die Wellen, Wellen -- Wellen woben An seinem unvollendeten Begriff.

Ein Wasserspeier sprang ihn an und bellte. Er zitterte und faßte die Fiale, Die knarrend brach; -- versteinert aber schnellte

Ein Teufel Witze auf die Kathedrale; -- Er hörte hin -- ein höllisches Finale: Er stürzte, fiel! Sein Schrei trieb hoch und gellte.

Daß Läuse aus dem Meer, die See, krochen. Im Abendsturm ertranken lange Pappeln. -- Sie hörten auf der Nacht die Sterne trappeln, Die in dem All den warmen Erdrauch rochen.

Dann schwamm die Sonne in dem glatten Wasser. Das Wasser fiel. Die See faulten ab. Die Erde trug der Meere hellen Schurz.

Die Sterne standen, von Begierde blasser, Mit dünnem Atem an des Ostens Kap. Ein Stern sprang nach der Erde, sprang zu kurz.

Capriccio

Entlaubte Parke liegen treu wie Doggen Hinter den Herrenhäusern, um zu wachen. Schneestürme weiden, eine Herde Bachen. Oft sind die Rehe auf dem jungen Roggen.

Und eine Wolke droht den Mond zu schänden. Die Nacht hockt auf dem Park, der stärker rauscht. Zwei alte Tannen winken, aufgebauscht, Geheimnisvoll mit den harzigen Händen.

Die Toten sitzen in den nassen Nischen. Auf einem Kirchenschlüssel bläst der eine, Und alle lauschen, überkreuzte Beine, Die Knochenhände eingeklemmt dazwischen.

Am großen, kalten Winterhimmel drohn Vier Wolken, welche Pferdeschädeln gleichen. Der Winde Brut pfeift in den hellen Eichen, Daraus der gelbe Geier Mond geflohn.

Der Tod im Garten tritt jetzt aus dem Schatten Der Tannen. Rasch. Das Schneelicht spritzt und glänzt. Der Schrecken flattert breit um das Gespenst, Das seinen Weg nimmt quer durch die Rabatten.

Zum Schloß. -- Dort ruft man: »Prosit Neujahr! Prost!« Zu zwölfen sind sie, der Apostel Schar, Und mit Champagner taufen sie das Jahr, Umstellt vom Sturm, der auf den Dächern tost.

Armleuchter flacken. Dampf von heißem Punsch. Der Hitze Salven krachen vom Kamin. Geruch der Weiber -- Trimethylamin, Die Bäuche schwitzen in der großen Brunst.

Jetzt stehn sie auf. Das Stühlerücken schurrt. Der Tod im Flur ist nicht gewohnt die Speisen. Er hebt den Kopf gegen das kalte Eisen Der Schlüsseltülle, schnuppert gierig, knurrt.

Kommt jemand? Still. Er hupft unter die Treppe. An einem Fräulein zerrt ein Kavalier. Der Tod schleicht hinterher, ein fletschend Tier Aus Mond; das trägt der Dame Schleppe.

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