Storieta
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Ein Lied gegen den Tod

Wenn dir der hinterlistige Tod an weißen Tagen mitten auf der Gasse im eigenen Schatten begegnet und droht, lauf unter die Sonne und lasse ihn totschlagen!

Blinkt aber des Nachts aus dem schalen Wein sein bleiches Gebein, ist's wohl am besten, man läuft ans Faß und schüttet alles hinein, daß der Tod ersäuft.

Zuweilen kommt es auch vor, daß er gleich tausend Nächte lang mit geilen Brüsten und Schenkeln als falsche Venus erscheint und nicht ruht, bis du seine Begierden stillst. Grabe deiner blinden Glut zeitig einen Löschgraben vor, wenn du nicht als Götzenopfer verbrennen willst!

Wenn er dir aber einmal in einer müden Stunde heimtückisch die Wunde des Sterbens beibringt, dann zeige auf deine Kinder, auf die sprossenden Zweige der Bäume oder auf den roten samenreichen Mohn im Feld, nimm nochmal deine ganze Stimme hervor und schrei es dem armseligen Scheusal höhnisch ins Ohr: Du bist umsonst auf der lebendigen Welt, es gibt keine Toten!

Begegnung

Auf den winterlichen Höhen, die vom kalten Silberlicht des Sonntaghimmels rund umflossen waren, wandelte viel Volk, das aus der großen Meuchelstadt geflüchtet war, in warmen Falten.

Plötzlich nahte, wie gesandt, ein kleiner Schlitten. Eine Mutter saß, den weiten Schoß verhüllt, darauf und lächelte, bis in das Herz erfüllt von denen, die, den Schlitten ziehend, vor ihr schritten.

Daß der Vater liebend sich in ihr verzehrte, um in seinem Sohn, der neben ihm auf strammen Beinen lachte, himmelssüchtig aufzuflammen, wie sie, als sie dieses dachte, sich verklärte!

O, wie war die Mutter Weg und Mittelpunkt, weil sich die Ewigkeit in ihrem süßem Schoße gnädig kreuzte; o welch ungeheuergroße Liebe aus Geburt und Sterben ewig prunkt!

Und manche aus dem Volke bebten bis ins Haar, weil sie erschauerten vor dieser Gottesgröße, die auf einem Schlitten wie in heiliger Blöße unter kalten Himmeln jäh erschienen war.

Und als die Menschen weinten, lachte die Erde und schob den Schrein in den unendlichen Webstuhl hinein und wirkte, bis sie das große Werk, vielleicht in einem Vogel, vollbrachte.

Die einen fallen aus dem Scheffel auf die Tenne und wandern durch den Höllenleib der Henne, andre werden in den Mühlen zerrissen oder brechen unter den Gebissen hungeriger Pferde, viele aber, die unbeirrt des Weges gehen, suchen ihre Gräber in der Erde, bis die Auferstehung in ihnen wurzelig wird.

Fragt nicht: Warum? Denn eure Frage verendet schmerzhaft im unendlichen Gewölbe, wenn ihr nicht glaubt, daß alle Körner dieselbe Reise gehen, die sich im Leben ewig vollendet.

O Welt, wie bist du wundervoll!

Brand

Die Abendsonne setzte sich auf einen Inselberg und schwang die grellen Fackeln feierlich, daß Glut zu Gluten übersprang. Es brannten Ströme, Watt und Meer, in Flammen wehte weit das Land, die Türme lohten rund umher, am Wege brannte gelb der Sand. Und über allem flog der Rauch der Wolken, rot, grau, schwer und rund, rauchsäulenwölkig dampften auch die Bäume aus dem großen Grund.

Ein Wanderer, der des Weges kam, blieb taumelnd stehn im Flammenland, vergaß die Finsternis und nahm sein Herz und warf es in den Brand. Es zuckte, glühte, flammte toll und jauchzte aus der grellen Glut: O Welt, wie bist du wundervoll, in deinem Feuer kocht mein Blut!

Abenddämmerung

Wie sich der Rauch der späten Kühle gespenstisch durch mein Fenster drängt, die Räume, die ich sinken fühle, zur Hexenstube grau verengt!

Mich zu erdrücken drohn die Wände, die Ahnenbilder werden bleich und aus den Bildern greifen Hände, wie Hände aus dem Totenreich.

Im offnen Schrank, wo Würmlein knarren, spielt mir das ganze alte Chor zerlumpter Puppen, bunter Narren das Todesspiel der Kindheit vor.

Aus dem Kamin die Kohlen gleißen als rote Zähne, die voll Gier sind, alles, alles zu zerbeißen, vom letzten Ding die letzte Zier.

Ich stehe bebend und verworren und meine Hand sucht irgendwo, bis sich das Dunkel hat verloren, erlöst zur Flamme, lichterloh.

Nachtmärchen

O kommt, ihr lieben Heimatgeister, Nachteule, Spuk und Kieselbach, herein mit euerm Harfenmeister, dem dunkeln Wind, in mein Gemach.

Ich möchte euch so gerne hören, bereit sei euch mein ganzes Haus; nicht eine Ratte darf euch stören und Todesstrafe gilt der Maus.

Sogar die Bilder an den Wänden und alle Kästen sind gespannt, die Uhr will ihre Rede enden, die Fliege schweigen an der Wand.

Und wenn ihr etwa argt, es fiele die Sonne jäh in den Kamin und schliche vor bis an die Diele, um eures Märchens Anbeginn

Mit lautem, grellen Glanz zu stören -- Es ist nur eine Fledermaus, die wollte euch auch gerne hören und rutschte im Kamine aus.

Unser Haus

Unser Haus hat kühle Wände, Kohlen, die im Eimer lärmen, Katzen, die die grauen Bälge eng am braunen Ofen wärmen, Äpfel, die aus alten Kästen atmen und die Luft der Gärten wecken, Bibelbände, die sich auftun und lebendig werden, und den Wind noch vor der Tür, der für uns Musik bedeutet, weil von allen braven Schwalben keine mehr im Hausgang läutet.

Vor dem Frühling

Wenn hungerdünne Vögel sich empören argwöhnisch gegen Himmel, Mond und Stern, im dunkeln Wind die Bäume aber röhren, begnadete Propheten ihres Herrn, dann ist die große Unruh nicht mehr weit, die sich aus Sturm und Drang der Erde wühlt, aufringt und an den Wolken reißt und schreit, weil sie den Heiland in der Sonne fühlt.

Zwischen hundert Pappelpaaren fängt ein Kirchturm an zu laufen, hastend, um den ersten Staren ein paar Nester abzukaufen.

Vor der Brücke

Vor der Brücke, die den Strom verhöhnte, neigte sich der Schlot des Dampfers, kroch der Rauch wie eine Pantherkatze, dehnte sich, daß jeder, der die Demut roch, sein Antlitz wandte, bis der Dampfer wieder sich ermannte, Bläue raubte, stieg, flog, schwindendhoch.

Frühlingserscheinung

Kühl in bleichen Perlen rann ein Schauern über meinen Leib, der Waldbach hörte auf zu rauschen, feste Luft beschwerte mich, ich stand fast reglos wie in Mauern eingekalkt, durch die ein Häher sägte.

Und ich sah, wie jeder Fels sich regte und mit einem Sonnenauge dünnes Lachen anfing, daß es jeder fühlte von den nackten Bäumen und ein grünes Hemd schamhaft um seinen Körper hüllte.

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