Storieta
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Eingang

Was dir genommen auch ward, o suche nicht über die Erde! Nimmer findet so deine Sehnsucht das Gut. Wehre dem Troste nicht, ihn schickt der mächtige Herrscher Aus dem Himmel herab, beuge dich Seinem Befehl! Aber wandte sich nicht der göttlichen Mutter Demeter Grenzenloser Schmerz? Kam nicht die Tochter zurück? Geht nach dunkler Gewalt des abgestorbenen Jahres Kore nicht aufs neu jedem Tode hervor?

Fühle, die Nächte des Landes sind von Gestorbenen bewohnet, Ob auch der menschliche Sinn sich noch ihr Dasein verbirgt, Ob er auch Hunderte Tage gewaltsamer Wache ertrage, Schattenhafte bevölkern ringsum die Sommernacht. Sind die grünen Wälder von bleicherem Schein überflogen, Ist es Schimmer des Monds, der sie wie immer besucht, Und vom rauchenden Tod die erlösten und leisen Gestalten Wandeln entseelt und verkannt nun in Berg und in Tal.

Vorsprünge wissen von ihnen, es weiß von ihnen der Abgrund, Der in den Tiefen des Walds sich ihren Spielen vereint. Hohl, ohne Blick und seltsam, so mischt sich ihr Wesen der lieben, Ihr, der erfüllten Nacht, die sie gastlich umschließt, Die in heiligem Rauschen verlorene Scharen vollendet Und, die durch Tod befreit, mächtig doppelt erlöst: Auch das Leere, das Graun im Ewigen einst zu verwandeln, Wenn wieder himmlische Sonne brennt im starken Azur.

Todes einziges Wesen ist auf die Männer gesenket, Die in freudigem Lauf fielen oder verstört, Die im warmen Empor zum großen Dunkel gestürzet, Und die, irr und gequält, Tod der Erlösende nahm. Ach, zog er sie denn nicht in seine milderen Räume, Wo verblendend kein Licht auf die Leidenden fällt? Wenn verklingender Tag ein seltenes Schweigen bereitet, Fühlt das schlagende Herz seine Beruhigung vor.

Aber in Wildnis verstrickt und von Gewalt überfallen, Trifft der sterbliche Mensch jäh das klaffende Mal, Da ihn das Leben verläßt, das traute, innig gesellte, Und in neues Gefühl stürzt er blindlings hinab. Wolken kreisten ihm noch, noch trug ihn tapferes Wissen, Doch die endliche Kraft kam zu tödlichem Fall. Und im lichtlosen Reich, das dauernder Nebel durchwaltet, Ist er, schwebend und leer, eine fremde Gestalt.

Nun auf dämmriger Höh erheben leise die Klagen Ihrer Stimme Getön, ihre zarte Gewalt, Und umschattet von Qual, von unendlichem Weh überwältigt, Irrt der eigene Klang ins verlassene Tal. Schleier senkt sich herab, es währt die Nacht bis zum Morgen, Wo das reinere Licht um Verlorenes weint, Und von Tränen benetzt der selige Glaube emporkeimt, Daß vom schmerzlichen Strand einst der Vater dich ruft.

Auf Einen Gefallenen

Als Bewußtsein deines Falles Unser armes Herz durchdrang: Wieder wars geschehn um alles, Wir erbleichten, wurden krank. Und die wissender sich deuchten, Fühlten, daß sie nicht gewußt, Als sie so verließ dein Leuchten, Übertraf sie der Verlust.

Wie du zieltest, wie du ranntest, Ließen froh wir dich hinweg, Keinen Blick auf uns verwandtest Du aus Augen stark und keck. Eiltest herrisch durch das Leben, Schiedest ohne letzten Wink, Und wir fühlten dich fast schweben, Als dein Licht schon unterging.

Wiederum in jähem Sturze Fiel ein Knabe unbewacht, Den es hinriß durch die kurze Lebenszeit zu Kampf und Schlacht. Reinem Lose, stolzem Fliegen, Unbewußtem Überschwang, Führe es auch nicht zu Siegen, Schallt doch ewig der Gesang.

Was ruft die längst entschwundenen Gefühle, Noch immer fordernd, daß ich Rede steh? Ward nicht ein Neues durch des Todes Kühle, Wie sich das Land verändert durch den Schnee?

Nennt ein Gespenst mir noch die taumelnd-schwüle, Doch lang verschneite Stunde auf dem See, Die Blumensprache und den Tanz am Bühle? Ward nicht zur Lösung uns das weite Weh?

Mit weißer Decke feierlich bekleidet Der Leichnam ruht, die Erde harrend steht Und namenloser als ein Mensch, der leidet . .

Was hindert das beginnende Gebet? Ist es der grimmen Wolken wilde Reise? Oder das dunkle Brauen unterm Eise?

Nun herrschen über ihn der Fremde Geister, Und nur der Wind ist ein bekannt Geleit. Nun ist er abgeschieden und verwaister Als jemals in erwünschter Einsamkeit.

Ihn führten fort die unsichtbaren Meister, Doch selbst ihr Hohn verließ ihn vor der Zeit. Nun schrillt im Walde blinder und ergreister Baumstämme über ihm der Wolken Streit.

Ein wandernd Wesen mit verlornen Sinnen Ist seine Seele, von der Not verheert, Rufen der Angst hebt an, ihm zu entrinnen . .

Da aber wird die Tröstung neu gewährt: Des Echo Antwort tönt nach kleiner Weile Wie eine ferne Botschaft von dem Heile.

Bewahrt dein Heimlichsein dir noch das Bild Des hellen Stromes mit den lockern Booten? In Stunden, die verworren sind und wild, Begraben wir den Lenz wie einen Toten.

Zu keiner Rückkehr altem Übermut Ist dein wie mein Herz einmal noch bereitet, Es überkam uns früh die große Flut Mit der, die unser Leben nun begleitet:

Der ewigen Not, die unser Einstmal schlug, Frohlockend, unsre Blumen auszujäten . . Und siehst du den gespensterhaften Flug Der Wolken in den grausen Nebel-Städten?

Die Tage, die von Vogelsang durchschwirrten, Sind nun von tobenderem Klang verdrängt, Und unser Dasein -- Dasein wie von Hirten -- Ward auch in frühem Massengrab versenkt.

Wir horchen ängstlich, was der Wind uns raune, Der zwischen uns die großen Felder trifft: Ist es des Ares niemals satte Laune? Steht in den Sternen es in ewiger Schrift?

In Leichtsinn und in Schwermut den Genossen Sah ich in dir, da du mir nie entflohst, Nun steigt aus Monden, sind sie auch verflossen, Dankbar Gedenken uns zu schlichtem Trost.

Ich kam von Trennung zu dem Erdenlicht: Zuerst bedürfend noch heilsamer Pflegung, Ward mir ein Helfer manches Angesicht, Und Balsam manche freiere Bewegung.

Und wie ich schnell sodann bei euch genas, Ward ich euch bald zu einer schönen Freude, Und unsrer Freundschaft angenehmes Maß Erbaute sich ein reinliches Gebäude.

Dann kam die Zeit aus Spielen, Üben, Scherzen, Da selten nur ein Trübsinn Einlaß fand. Und fast unmerklich reiften unsre Herzen Zu innigem und zärtlichem Verband.

Laß mich die Hecken nennen und die Plätze, Natur, die willig angetragen ward . . Und wie wir sannen, was uns leicht ergetze, Gefährten wir von kaum gewußter Fahrt . .

Die Straßen, sich mit Dämmerung bekleidend, Den Mittag, der auf grünem Lande schlief, Die Blumen, ein' die andre nicht beneidend, Die Sonne, die uns strahlte rein und tief,

Und manche Pfade, die in klarer Biegung Durch Fruchtbarkeiten führten in das Tal, Wenn vor der abenddunkelen Besiegung Der Berg erglänzte noch ein letztes Mal.

So war der Lenz, ewigen Glaubens Spender, Selber so ewig nicht wie er gelind: Der heitren Jugend kam der rauhe Wender, Und unsrer Wiesen Herrscher ward der Wind.

Doch glauben wir, getreu dem ernsten Bunde, Die Kraft von stillem und erhabnem Lied Und preisen in der nun erhaltnen Wunde Die Einfachheit des Opfers, das geschieht.

Denn nicht im Feuer und im Wolkenbruche, Nicht in der Schlachten blutigem Gezerr: Es lebet Gott in einem schlichten Spruche, In sanftem Wehen ist der Herr.

Wir singen nicht die rasende Trompete, Wir nicht Verwirrung und das Schlachtgeschrei, Gesammelt zu betätigtem Gebete Der Geist des Volkes heil und heilig sei,

Nicht Schwärme hassend, die er nicht gekannt, Nicht Stürzende von unerklärten Tiefen, Nicht Herzen, von der großen Not verbrannt, Die früher in verlorener Kindheit schliefen.

Doch folgt voll Willen eine jede Schar Dem Ruf um seinen Schutz und seine Wehr Zum Opfer für das Land, das sie gebar: Das mütterliche Deutschland um sie her.

Ja, Deutschland, deiner Not und deiner Feier Sei diese Klage, dieser Sang erbaut, Und deines Dichters schmerz-bewegte Leier Berühre sich mit heimlicherem Laut.

Nicht deine Landschaft grüßen wir, die schöne, Zur mächtigen Stund', die das Gewicht verschob, Auch nicht die Kindertreue deiner Söhne, Sie klinge nicht aus dieses Liedes Lob.

Wir singen heut nicht Liebe deiner Hänge, Der Plane, Wälder nicht und nicht der Lauben, Schlug auch der Schmerz Erleben und Gesänge: Wir wissen deine Hoffnung, deinen Glauben.

O Freund, ich sehe dich in ferner Stadt Die Seele ernsthaft meinen Versen leihen. Erinnerung an zartes grünes Blatt Im Sonnenschein steigt auf aus meinen Reihen.

Was wir verloren haben, ist bestattet, Nach kurzem Glück der Erde heimgegeben. Wir werden solchen Frühling, bald verschattet, Nie wieder auf der weiten Welt erleben.

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