Storieta
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Märzpsalm

Erbarmender! daß ich hier liege niedergeworfen in deine keimenden Schollen! Höre mein Schrein! Wer warf uns in solche Geschicke? Raserei über uns! ewig urfremdes Sterben! Sterben in Frühen und Abend und duldenden Nächten. Leben uns ausspie; in Erden müssen wir kauern, ach! hassen die dumpfen Tage! Immer geduckt unter drohenden Fäusten, brechendem Hohn. O wer hat uns so unterjocht?

Empörung lauert in allen tödlichen Schlachten, da aus der Not sich erkannte Opfer und Mord. Wohin, ihr Alten, stelltet ihr eure Söhne, daß sie euch hassen müssen jungguten Erkennens! Denn euer Tun müssen wir büßen -- Was fehlten wir? Euern verirrten Begierden was bluten wir noch?

Säulen von Vätern lasten schwer auf uns. Wir wollen sie vertoben, verspritzen, in Tage baun, uns zu erfüllen! Es wartet ein Tun in den Welten: ich möchte es wagen! Es jagt ein rotheißes Geblüt in den Adern der Erde: ich möchte es küssen! Geschöpf sein und leben!

Ging ich, mein Vater, nicht, ein Schwankender, unter den Lasten deiner Gesichte! Lagerten sich nicht schwer auf meine Tage all deiner Schöpfungen blitzende Momente Schicht um Schicht! Daß auferstand aus Gebirgen Fühlens, -- zu reifen in unendlichen Jubel -- Gütiger, dein Bild! dein Lächeln, mein Vater!

Jetzt schütten aus grausamen Stunden Aschen nieder die Tage und tiefer immer versinkt mir dein erhabenes Gesicht. Halte mich, Vater! O, dich zu halten aus dem schwingenden Lachen der Stürme sandtest du diesen Tag! Sandtest Geläute der Himmel, daß ich dich greife, aus den verzückenden Sonnen dich, Rufender, zwinge in mein empörendes, in mein demütiges Lied.

Seht, wie Tod bereite Schale hebt

Immer glüht der Tod um unsre Glieder. Schaut sein Flammen armen Leib umlohn! Tage schmelzen uns und Stunden nieder. Schon auf toten Vätern schreit der Sohn.

Alles Tun rinnt ab von unserm Wollen. Seht, wie Tod bereite Schale hebt! Alles Schlürfen ist Verrat am Vollen! In sein Sterben reift, was immer lebt.

Wessen Schwur sich reißt vom Mutterschoße, sinkt schon hin in tödlicher Magie, brennt sich ab nach dem erzwungnen Lose, bis ihn letzte Stufe niederzieh.

Wort, das in das große Lauschen hallte, schlägt sich ein in Wellenmeer und stirbt. Tod ist Freundschaft, die hinüberwallte. Liebesblick, erloschner, nie mehr wirbt.

Schritt, den ich getan, ist Raub des Todes, da ihn furchtbar großer Raum verschlingt. Liebes Gestern, grausam hin verloht es. Melodie ins Nichtmehrsein verklingt.

Wir sind Wälder nur dem Tod zu pflücken -- Sonne winkt vergeblich blau und rot -- Tropfen nur, die sich im Fall verzücken. Schwankend unten füllt sich Schale Tod.

Einer doch wandelt ...

Einer doch wandelt unter allen Menschen und noch einer wohl, der trägt und trachtet Leid und Last seiner Welt. Hat sein Erbarmen gestachelt ein voriges Schicksal, Blutet er unterm Erinnern des lächelnden Gotts? Plötzlicher Schreck dolcht sein Lachen und trinken nimmer in Frieden kann er der gütenden Nächte Beruhigung, denn ewig rafft ihn der Schrei: Grausames Mißtun der Erde! Notverkrampfte Arme zucken nach Sonnen hin und Mutterhände, fiebernd gefaltete, würgen sein Träumen. Heiß überm Lärmen umgellt ihn die Klage der Väter, wenn sie am Abend gehn, siech um den Märtyrer Sohn. So wandelt der eine durch schreiende Tage und Länder. Tief in sein Aug ist gekerbt alles Leiden der Welt. Frierender Kinder und stinkender muß er erbarmen. Hunger der Vielen durchschüttelt ihn und noch der Huren anklagend Geheul reißt sein teilendes Herz in Zerrüttung. Silbernes Lachen der Mädchen kann ihn nicht trösten. Jubellust Gieriger stampft unter Füße sein blutendes Menschsein. Wild aus Erinnern und Vorschaun auftobt ihm Verzweiflung. Dann wird er Mensch sein! Aufstemmt ihn rasende Lust zu tragen, zu leiden, der Tiefste zu tauchen in ausgeschüttete Qualen der Welt. Nottrank der Nächte schlürft er, bitteren Balsam dem Wunden der Tage. O, Phalangen Schwerterglut pflückt er mit selig erwachender Brust! Aus Krämpfen und Krümmung der schreienden Glieder dann -- Tobe du Seliger -- Aufblüht sein siegender Tanz.

Frühe spaltet die Mauer, die Mauer Nacht. Flammender Riß in der Ewigkeit: Tag erwacht. Nachttiefen schleudern schon schwanke blaugoldne Gefilde an meine rasenden Fenster. Dämongebilde. Höhlen und Hallen aufdämmern, draus donnert ein Urgesang. Schaukelnde Wände noch stauen den schütternden Morgendrang.

Ewigkeit schäumt über Deine Erden und Welten, Schöpfer Du, trunkene Deines erhabenen Gesichts, nun die geschäftigen Menschen in Hütten und Zelten verkrochen noch harren des deutenden flachenden Lichts. Teile mit mir, Deinem Einsamen, göttliche Stunde! Jauchzenden Urbeginn pflück ich aus Deinem Munde.

Einziger Quell ich im Weiten! Jetzt finde ich rauschenden Chor in Deiner stummen Geschöpfe ewigem Hymnen. Erdschollen schwer aus der Finsternis rollen hervor, Wälder schon gischtend im Morgenschaum jubelnd erglimmen. Türme, ein königlich Bruderpaar, stürmen herein, Edelwild, kühn aus den Träumen von schlafenden Städten. Flammenden Himmel sie tragen auf goldnen Geweihn zum Strome und huldigend beugen sich Hügelketten.

Rasender Schnellzug! Mein zischender Pfeil durch die Nacht, splitterst du? Schmilzst an des Morgens glühenden Rändern? Schreit ein Getöse auf. Plötzlich ein Ungetüm lacht, reißt alle Sichten zu tanzenden jagenden Bändern. Hetzt alle Bilder gegen mich an, fordert Gestalt. Werdenden Tages Begehren aus blauer Frühe! Alles Lebendige hat sich in mich verkrallt, fordert Leben und Sinn. O marternde Mühe!

Taumel der Schöpfung in mir! Fieber des Werdens! Schädel ist nicht mehr Schädel! durchrissene Schau. Lauschend zerstiebt mein Gehirn, zertümmelt von wütenden Herden, brandende Morgennot taumelt um neues Vertraun. Schlürfe ich -- werd ich geschlürft von rasenden Schwingen? Stürzendes Einfallstor unausgedachtem Verlauf! Ungeheueres, werdender Tag, wirst Du bringen! Läutet, ihr Berge, aufdampfende Meere! Menschen, wacht auf!

II.

Hoher Tag schwingt in Kristallen auf mich zu. Reife Stunde ruft: o du! o du! An mir vorüber wild jagen Bilder aus vorigen Tagen. Gebirge vor mir her Mein Wünschen rast. Doch über allem donnerschwer wuchtet Gesang dieses Tags: Mensch, o daß du dem Rhythmus der Welten genast, ertrag's! Ertrag's!

Stunde ist geladen mit brechender Magie: Rühr mich nicht an! Aufspritzender See seine Wogen spie, Sphären saugen wie Vampyrn sich an. Schicksale schreien wild sich entgegen, Fernen sich aufgetan regen von unerhörten Tumulten des werbenden Tags. Geheimnis aller Symbole stob hin entsetzt solchen Taumeln. Gedanke, Gedanke muß fliehn. Ertrag's! Ertrag's!

Jetzt press' ich nackte Welt an nackte Brust. O rasender Pulse Ineinanderhämmern. Wirf einen Haß, eine Liebe, Raserei in diese Brust, mich in die Endlichkeiten einzudämmern! Wie trag ich solches? Furchtbar schwillt mein Tanz, Kampf mit Unendlichem, den ich wage! Götter, herunter zerr ich euern Kranz. Ich Träger des Lebens! des Heute und seiner ewigen Lust! Mein ist der Tag!

III.

Von unermessenen Küsten, Ozean, schütte dich nieder! O, daß dein Wogengetürme sternenauf wüchse furchtbaren Falls dich zu schleudern Wider die Erde, wider unseligsten Stern!

Schlürfe doch, o schlürfe meinen brüllenden Stein! Was hält er mich noch? Stemmt ihn mein lastender Fuß in solches Trotzen? Raub ihn! Verschlinge ihn! Siehe, ich stoß ihn dir zu! Du Gewaltiger, den ich doch höhne, du zauderst? Lock ich noch immer nicht deine tobende Rache? Ha, du verschmähst mich, den Winzigen, verächtlichen Gaukler!

So stürz nieder, Sonne, lügendes Gestirn, polternd schon bricht ja dein Taggesäul, das du verraten. Nieder stürz, anderen Welten flamme den heuchelnden Glanz! Andere Welten locke zu Tanzen und Singen, locke zum Preise des Gottes tückische Täuschung.

Uns ward der Glanz trüb. Uns warf sein tödlich Gepränge der Sternentag hin, da wir nun wissen, daß nur zu ruchlosen Freveln sich Todreigen schlinge, daß sich Geschöpftes zerrase in ewigem Kampf.

Teilsein ist Menschenlos. Weinend um seine Begierden mengt sich die Zwei. Du aber lächelst uns einstens und immer Güte und einendes Sein.

Verhülle dich, Erde! Verhüll deine ewige Täuschung, du Ungeheuer! Dem stürzenden Meere zum Fraß wirf deine Sonne hin! Zerschmetter' dich endlich am Hohn deines Nichts. O, vergehe in Dunkel und laß uns mit dir vergehn!

IV.

Daß solches Nachten wieder auf uns taut und warme Sterne müden Scheitel netzen! So darfst du dich am hohen Sinne letzen, dem sich dein Leben wieder anvertraut.

Bis endlich sich dein voller Tag erbaut. O Drang der Frühe, Taglust und Entsetzen des Abends mußten in dich stürzen -- Fetzen des schweren Segels, das sich rauschend staut

in diesen ewigen Hauch. Jetzt spann dich weit, zu saugen aus dem All, was dich begüte. Quellender Blutmast Mensch, sollst Träger sein!

Du Schiffer zwischen Horizonten Ewigkeit! Toter und Ungeborener flüchtige Blüte, schöpf' aus der Nacht Gedulden und Gedeihn.

Mein Vater, wandeln Deine Sterne nimmer? So müder Himmel meine Schulter drückt, ach, hämmert solch Geschrei aus meinem Wimmern: Wer hat mich frech aus Deiner Hand gepflückt? Brautgarten, drin Dein Lächeln mich umkoste, mir blaue Stürme kündeten Dein Nahn, was läßt Du mich verwelken, Deine Blüte? Dein Schwert, das Dich aus allen Steinen sprühte, zürnend der Scharten, hast Du's abgetan? Im armen Winkel läßt Du es verrosten.

Wie starb ich von Dir ab? o müdes Sinken, kaum such ich mehr nach Brücken oder Weg und trage doppelt Sterben, nun Dein Winken aus vorigen Tagen dunkelt im Geheg. Als Du ein Ahnen, dem ich mich vertraut, zu Domen über meinem Tag erbaut! Ich Meer, gestürzt in bodenlose Tiefe! Aufschossen Ufer, Feld, ragende Wand, dran Wellenträume fetzen, die Dich riefen. Jetzt bin ich hohler Sumpf und Modersand.

Nur manchmal bröckelt Sturm in meine Nächte. Dann schreck ich auf, von Himmeln ganz erdrückt, und grabe müder armem Tag die Schächte, der mich von Deinem Flammenstrauch geknickt. O, ward ich überwachsen von den Bäumen, die ich, versuchend frech Dein hohes Dulden, in Deine Gunst zu pflanzen mich getraut! O durft ich mich an Ding und Ding versäumen, an lautem Tun mich lästernd so verschulden, da noch aus Dickichten Dein Strahl mir taut!

II.

Schau her, mein Vater, wie ich mich zerbreche. Mein arges Tun, ich schlepp es keuchend her, hier steht er nackt, des Gottes trunkner Zecher! Ach, seine Schalen sind von Dir so leer. Sein Mund: noch grinst Verrat an seinem Rande. Dies Auge: kaum verdeckt es seine Gier. Die Hände immer tastend nach der Schande und Leib und Bein so träg, so stumpf, so Tier.

Schau, welke Blumen reiß ich mir vom Scheitel! In wildes Schreien trotzt jetzt meine Scham. Ach, wo ich gut mich nannte, war ich eitel, und Falschheit gab ich, wo Vertrauen nahm. In wüstem Heute meine Tänze stöhnen. Jetzt büße, daß Du mich so klein erschufst. Gestrüpp von Fluch und Kniefall, Betteln und Verhöhnen. Zertritt mich doch -- ich trag's nicht, daß Du rufst.

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