Storieta
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Es giebt auf Gottes schöner Welt Gewis noch manche schöne Stelle, Wo ich mir wol ein Hirtenzelt Hinbaut', an einer kleinen Quelle, Verstekt in einem Schweizerthal, Wo, wenn die Wind' aus Norden stürmten, Vertraute Pappeln mich beschirmten, Und wo ein Wäldchen, wenn der Stral Aus Südens Feuerschoos die Schwinge Dem West versengte, mich empfinge: Wo ich, vom Drang und Schein der Dinge, Von Lug und Trug der Menschen fern, Mich vest an meine Stille schmiegte; Wo ich den lezten Hang zum Spott, Den ein bethörter Donquixott Sonst leicht in Flammen blies, besiegte. Ja solch ein Pläzchen liegt noch hier Und da verstekt; allein vor allen Hat Dein geliebter Hügel mir Im Schlehenkranze wohlgefallen, Wo friedlicher die Lüfte wehn; Wo durch das Thal der Nachtigallen Sich lieblicher die Bäche drehn; Wo silberner die Blüten wallen, Die von des Frülings Schoose fallen.

Wie einsam steht er da! wie schön! Im frischgewebten Feierkleide, Als hätt' er sich zum Tanz geschmükt; So schön, wie in der grünen Seide Kaum Minnas weisser Finger stikt, Und welche Aussicht in die Auen, Die er beherrscht! — O Freundin, hier, Hier möcht' ich mir die Hütte bauen, Wo Turteltauben über mir In schönen Zweigen traulich girrten, Und zu der Hand des stillen Hirten Herunter flatterten, und sich Vertrügen unter meinem Zelte, Und mich umschmeichelten, wenn ich Zur Botin eines Briefs an Dich Die kleine Tejerin bestellte.

Da legt' ich mir ein Gärtchen an, Und flüsternd sollten, wie Gedanken Der Liebe Deine Seel' umranken, Die Spröslinge der Rebe dann Mein kleines Ohnesorg' umschwanken. Da wär' ich erst ein freier Mann, So frei, wie meine Nachtigallen; Da lüd' ich aus dem nahen Hain Die Sänger in die grünen Hallen, Zu süssen Wettgesängen, ein. Wir sängen, bis am dunkeln Hain Uns Cynthia von fern begrüste: Nun führe selbst die Königin Der Sterne durch die graue Wüste Des Aethers, minder eilend, hin.

Gern würde mich der Wald verstekken; Da könnte mir den heitern Sinn Kein Hasser aus dem Herzen nekken; Da sollte wol die Schwäzzerin, Die Neugier selbst, mich nicht entdekken; Mich würd' ein immer froher Muth Zu lauter Freudenliedern stimmen; Entfernt von jeder Lasterbrut, Würd' ich zum Zorne nie entglimmen; Nie würde mir in seinem Blut Ein guter Nam' entgegen schwimmen. Auf einer stillern Lebensfluth, An deren Ufern, überhangen Mit Rosen, unbelauscht von Schlangen, Ein reines Herz so selig ruht, Würd' ein entwölkter Himmel spiegeln; Und leise würde hinter mir Ein Genius der Ruh die Thür Zum Tempel der Natur verriegeln; Damit in meiner Einsamkeit Mich nicht die tausend Dinge störten, Die einst an Blüten meiner Zeit, Gleich gierigen Insekten, zehrten, Bis sie zur Abgeschiedenheit, Zum Selbstgenus, mein Herz bekehrten, Und mich durch ihren Unbestand, Den meine Ruh so oft empfand, Die Kunst, sie zu verachten, lehrten. Von jedem Weltgetös' entfernt, Und fern vom Pöbel niedrer Freuden, Der täuschend gute Seelen körnt, Würd' ich mich an der Einfalt weiden, Die selbst vom Hänfling Weisheit lernt. O welche Wollust, auszuruhen Vom Wirbeltanz der Unnatur! Dann würden Thal, und Hain, und Flur, Beredter als die Bourdalouen, Die goldnen Sprüche der Natur Mir in die stille Seele flüstern; Nie würd' ich nach der Täuschung lüstern, Die alles, nur nicht glüklich, macht.

Nein, ich beneide nicht die Pracht, Die manches Elend überschimmert, Und, wie der stolze Blik auch lacht, Die Ruh im Herzen niedertrümmert! O der betrügerischen Pracht! Ein frohes Herz, frei von Verschuldung, Ist warlich mehr, als die Verguldung, Die keinen Gek zum Weisen macht. Schau hin auf jene Vorgemächer, Wo man einander quälend ehrt! Die liebe Langeweile leert Auf diese Gruppen einen Köcher, Der nie mit seines Pfeiles Gift Das Leben Deiner Stunden trift. Tritt näher, Freundin, den Geräuschen, Nach welchen man sein Daseyn misst, Das, klein und kriechend, wie die List Durch die es Nichts, und Alles, ist, Sich martert, um sich selbst zu täuschen.

O wie verliert sich das Gefühl Der Wahrheit auf dem Welttheater, In Nachahmung und leeres Spiel! Vergönnt mir nur der gute Vater Des Lebens, die Zufriedenheit, Mein Herz mit jener Heiterkeit Und Wahrheit der Natur zu nähren: So weilt im Schatten meiner Zeit Das stille Glük, das selbst der Neid Nicht würdig achten wird zu stören.

Dich, Vater, find' ich überall In der Natur! Der Wasserfall, Das Lüftchen, das mit seinem Flügel Die Blüt' umarmt am Schlehenhügel, Das hohe Lied der Nachtigall, Selbst das Gekreische froher Raben, Ja Alles spricht so gut von dir, Und nichts verläumdet dich, als — wir! Wir Menschen, voll von deinen Gaben, Und dennoch von dir selbst so leer! Was Menschen erst entgöttert haben, Nur darin find' ich dich nicht mehr!

Ja, Freundin, es ist warlich schwer, Zur Unnatur sich zu gewöhnen, Und durch die trügerischen Szenen Der Klugheit, die so freundlich hasst, So höflich mordet, froh die Last Des Lebens vor sich herzuwälzen. Im Schuz der Einfalt einer Flur, Und zwischen friedlichen Gehölzen, Verstatte mir nur die Natur, An ihrem Tisch mich zu vergnügen! Bei ihr ist Wahrheit! Ihre Flur Straft jeden Fürstenteppich Lügen; Bei solchem Freudenmale nur, Trank ihr geliebter Epikur, Ihr Priester, einst, in langen Zügen, Die unvermischte Wollust ein. O er verstand's, im grünen Hain, An ihrem Busen sich zu wiegen! Und das wär' ihm nicht zu verzeihn? Nicht zu verzeihn, daß er die Schale Des Lebens aufschloss, und den Kern, Von allem Weltgetöse fern, In einem kleinen Rosenthale, Das seine Hand erzog, genoss? Nicht zu verzeihn, daß auf der Stelle Der Veilchen seine Weisheit spross? Daß ihm in grün umwebter Quelle Die Lehre seiner Tugend floss? Verzieh doch er dem grossen Tross Der Thoren, die an Schalen käuten, Die Armuth ihrer Schwelgerei! Las sich die Streitsucht müde streiten, Die ewig fragt: was Freiheit sey? Mein Epikur war weis' und frei! Und war er's nicht: wo würd' ein Leben, Und wär's an Götterfülle reich, Im Himmel und auf Erden, euch Bericht auf eure Frage geben?

Oft hört' ich auch: ein weiser Mann Ist immer frei! wie leicht gesprochen, Nur nicht so leicht gethan! Wie kann Auch selbst ein Weiser sich entjochen Von manchem Niederdruk, woran Die Sorg' ihn knüpft, mit allen Härten Des Misgeschiks, und wenn er dann Zur Einsamkeit in seine Gärten, Wie Epikur, nicht flüchten kann, Wo ihm der Freiheit Mirten blühen? Was bleibt ihm nun? Etwa der Welt, Worin ihm manches nicht gefällt, Wie Jakob Rousseau, zu entfliehen, Und von den Possenspielen fern, Worin sie wirbelt, aus dem Kern Sich eine bessre Welt zu ziehen? Wo Hass und Unruh nie das Fest Der Unschuld und der Freude stören? Ich rathe nicht dazu! Es läst Sich immer noch die Frage hören: Ob wir bei einem ew'gen Fest Der Freude wol beglükter wären, Als diese Welt uns werden läst, Die freilich uns noch manche Zären Und Seufzer aus dem Herzen prest, Dem schöne Pflanzungen verwildern, Die schönste Hofnung Täuschung giebt. Was hilfts, nach rosenfarbnen Bildern Zu haschen, die ein Hauch zerstiebt? Man schafft, empört von dem Tumulte, Der um uns her sein Wesen treibt, Sich eine Welt, bei seinem Pulte, Die glüklicher im Pulte bleibt.

So hab' auch ich, in schönen Träumen, Mir manches Paradies geträumt, Und seinen Horizont mit Säumen Des schönen Morgenroths besäumt, Aus dem, mit Lichtgeström umschäumt, Im Schimmer seines Glanzgeschmeides, Der Tag den Elisäern keimt, Und das Phantom des Weltgebäudes, Das ich für meine Ruhe schuf, War lieblich anzusehn! Des süssen, Des reinen Daseyns zu geniessen, War hier der einzige Beruf Der Göttermenschen, die ich schuf. Sie waren alle Virtuosen Der Tugend, und die Unschuld lag Auf Blättern hingewehter Rosen, So ruhig, wie der Feiertag, Der ewig meinen Fluren glänzte, Vollauf von der Natur beschenkt, An deren Busen, ungekränkt, Der Friede sich mit Epheu kränzte, Mit keiner Fessel mehr bekannt, Auf welche Trug und Bosheit pochten, Als nur mit der, die, von der Hand Der Treu im Mirtenhain geflochten, Sie nur im Schoos der Liebe fand. Kurz meine Welt, das Vaterland Der Ruh, war eine schöne Welle, Die in den Strom der Welten rann; Da lächelte aus jeder Quelle Ein Engel einen Engel an.

Der Freundschaft süsse Rosen glühten So unverwelklich durch den Hain Des Lebens, so von Giftthau rein, Wie sie nur auf der Insel blühten, Die, ohne Stolbergs Phantasie, Im grossen, unbegrenzten Meere Der weiten Idealogie, Wol unentdekt geblieben wäre. Man lebt' in süsser Harmonie. Sanft athmete, durch alle Triebe Des Strebens, nur der Geist der Liebe, Der Geist der holden Sympathie, Der meinem Volke, fern vom stolzen Aufstrebungsgeist, den Sinn verlieh, Mit welchem, Herz in Herz verschmolzen, Die allerreinste Melodie, Der Wohllaut eingestimmter Saiten, Den Plato selber nur vom weiten Im Traum empfunden haben soll, Ins grosse Chor der Wesenheiten So zauberisch hinüber quoll.

Bei diesem ungestörten Liede Der Seelenharmonien, lag In seinem Palmenhain der Friede, Und feierte, der Flucht nun müde, Den feierlichsten Ruhetag, Der jemals auf dem Augenliede Der jungen Morgenröthe lag. Und ausgesöhnt war Erd' und Himmel, Ein nie umwölkter Sonnenschein Beschien das frölichste Getümmel, Beschien den ewig grünen Hain.

Die von der Weisheit selbst verehrte, Nicht leichte Kunst, sich stets zu freun, Die sonst kaum Weisen glükte, hörte Ganz auf, die schwere Kunst zu seyn, Die Vater Utz im Mirtenhain Der Unschuld und der Liebe lehrte, Und Gleim, den jede Rosenflur Der Musen liebt, und immer liebte, Durch vierzehn schöne Lustren übte: Sie war blos Gabe der Natur.

Das Heiligthum der Gabriele Gab meinem Volke jeden Zug, So wahr, daß er das Bild der Seele, Aus welcher er gequollen, trug; Und Sanftheit sprach aus jedem Zug.

Kein Wild durchächzte die Gebüsche, Vor wildern Menschen auf der Flucht; Man war noch menschlich; kein Gemische Vergossnen Bluts und grüner Frucht Lies man zu seinem Mahle tragen — Der Mensch, aus unschuldvollern Tagen, Der fiel gewis das Thier erst an, Eh er es über sich gewann, Sein eignes Wesen zu erschlagen. — Noch lebten meine Lotophagen Mild, wie der Hain, sanft, wie die Flur, In süsser, unschuldvoller Frohheit, Weit zwar entfernt von wilder Rohheit, Doch dicht am Busen der Natur, Umwebt mit friedlichen Oliven; Den Segen der Zufriedenheit Lies ich von allen Zweigen triefen, In deren Schatten, überstreut Mit Blumen jener goldnen Zeit, Die Unschuld und die Liebe schliefen.

Vielleicht, wenn mein Vielleicht nicht irrt, Erwartest du, wie hell die Wahrheit, Im ganzen Aufwand ihrer Klarheit, Durch meine Schöpfung leuchten wird? Sie kam von selbst, auf allen Wegen, Die sich durch mein Elisium Hinschlangen, meinem Volk entgegen, Man irrte nie um sie herum; Man pflükte nicht aus Dorngehegen, Nicht mühsam ihren Rosenkranz; Sie warf ihn jedem Wunsch entgegen; Sie mischte sich in Spiel und Tanz: Da ward sie, troz dem ofnen Segen, Den sie durch meine Götterwelt Hinströmen lies, in leichten Spielen Verstekt, zum Wettkampf aufgestellt. — Wie doch die Wahrheit den Gefühlen Des Herzens, nur verhüllt, gefällt! Mit Mühe wollen wir sie haschen! Die Freude, sie zu überraschen, Ist das, was ihren Reiz erhält.

Und streng und freundlich wog die Waage Der offensten Gerechtigkeit, Von keiner Frevelhand entweiht, Das Recht der Wahrheit zu, und Tage Voll Einfalt, Still' und Heiterkeit.

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