Storieta
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Die Erzählung „Die Liebe“ von Hans Kaltneker ist eine experimentelle Novelle, die sich im Spannungsfeld von Leidenschaft, Schuld und existenzieller Verzweiflung bewegt. Der Text eröffnet mit einem intensiven Dialog zwischen einer Frau und ihrem Geliebten, in dem Worte wie „Seligkeit“, „Warten“ und „unendliche Nächte“ die Atmosphäre einer fast rituellen, aber zugleich zerrissenen Beziehung prägen. Schon die ersten Zeilen verflechten sinnliche Bilder – klirrende Gläser, flackernde Kerzen, das dumpfe Ticken einer Uhr – mit einer inneren Stimme, die nach Erlösung und Selbstaufopferung verlangt. Das Stück springt dann in eine Reihe von verschachtelten Erinnerungen, von einer Begegnung mit einem leprakranken Bettler in Kairo bis zu einer rätselhaften, fast mythologischen Szene in einem düsteren Zimmer, in dem Liebe, Gewalt und metaphysische Fragen miteinander kollidieren.

Der Stil ist stark von der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts geprägt: ein dichter, bildhafter Wortschatz, fragmentarische Sätze und ein fast poetisches Spiel mit Wiederholungen und Klang. Kaltnekers Stimme wirkt zugleich lyrisch und dramatisch, während die Erzählung durch sprunghafte Zeitsprünge und räumliche Wechsel ein kaleidoskopisches Bild einer zerrissenen Seele zeichnet. Leserinnen und Leser, die Freude an anspruchsvoller, stilistisch herausfordernder Literatur haben – insbesondere an Werken, die existenzielle Themen mit einer fast expressionistischen Bildsprache verweben – werden an dieser Novelle Gefallen finden. Sie spricht besonders jene an, die sich für österreichische Moderne und für Texte interessieren, die konventionelle Erzählstrukturen bewusst aufbrechen.

The opening · free to read

»Daß es nicht sein konnte!«

Worte gehen nicht gerade, aufrechte Boten schwebenden Herzschlags von einem zur andern, Worte schwanken, taumeln, sind Mantel um den nackten Gedanken, in den der Sturm fährt, ihn bauscht und knittert, und der Gedanke ist ein strahlender Gott. Worte sind Hall zwischen Himmel und Hölle, Ruf und Gegenruf zwischen dem Wächter unten und oben und die erdämmernde Nacht dröhnt leise von den Rufen der Engel.

Der Mann: »Irre -- Suchen -- immer nur dich --«

Die Frau: »Nie gesucht. Seligkeit, gefunden zu werden, sich finden lassen. Ich wußte, wußte, daß du mich finden würdest. O Warten -- Jahre des Wartens --! Du warst noch weit, aber manchmal in Nächten fühlte dich näher nahen. Gläser klirrten von deinem entfernten Schritt, Kerze flackerte in deines entfernten Atems Wind und im Schlagen der Uhr metallen donnernd dein Herzschlag. Unendliche Nächte. Ich, geborgen in der Wärme meines Bettes, fliederfarbenes Dunkel leichter Decke über mir, warmer, süßer Schlaf meine Stirne umwehend --. Da wollte ich mir dich verdienen, opfern -- Gott und dir -- ein paar Schritte dir entgegenkommen auf deinem noch so weiten Weg. Und stand auf, tief in der Nacht, ging mit bloßen Füßen sechs Schritte neben dem Teppich über die kalten Parketten bis zur Türe. Und konnte nun erst schlafen. Lachst du? Geliebter.«

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