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Die Siedler von Hohenmoor: Ein Buch des Zornes und der Zuversicht
by Max Dreyer
Language: de7,885 downloads on Project Gutenberg
Subjects
Public-domain ebook sourced from Project Gutenberg #57872.

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by Max Dreyer
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Der Roman „Die Siedler von Hohenmoor“ von Max Dreyer ist ein 20. Jahrhundert‑Roman, der das Wiederaufbau‑ und Siedlungsprojekt einer Gruppe ehemaliger Soldaten im ländlichen Norddeutschland schildert. Gleich zu Beginn wird der Protagonist, ein ehemaliger Hauptmann, nach einem harten Kampf die verlassene Ziegelei und das umliegende Moor als Basis für ein neues Dorf gesichert. Das Eröffnungskapitel beschreibt die frische, mondhelle Luft, das unberührte Meer im Osten und die ersten Gespräche zwischen den Offizieren, die über den Erwerb der Ziegelei, das Anlegen von Holz- und Tonfeldern und die gemeinsame Arbeit reden. Die Szene wechselt schnell zu den rauen Quartieren der Truppe, zu den ersten Morgenritualen und zu den ersten Gesprächen über den Wiederaufbau, wobei das Bild einer entschlossenen, fast hymnischen Jugend entsteht.
Der Stil ist von einer pathetischen, fast rituellen Sprache geprägt, die an die Propagandaliteratur der Zwischenkriegszeit erinnert, jedoch mit einer detailreichen, fast dokumentarischen Schilderung von Alltag und Umgebung kombiniert wird. Die Erzählung wirkt wie ein kollektives Manifest, das sowohl militärische Disziplin als auch das Ideal einer neuen deutschen Heimat betont. Leserinnen und Leser, die an historisch verankerten Gesellschaftsromanen, an militärischer Psychologie oder an Werken interessiert sind, die das Spannungsfeld zwischen Krieg, Wiederaufbau und nationalistischer Ideologie beleuchten, werden an Dreyers energischem Ton und seiner dichten Bildsprache Gefallen finden.
The opening · free to read
Nun ließ er seinen Weg und stieg auf die Gipfel. Hier stand er und blickte ins Land, auf das Reich seines Schaffens.
Sein Reich -- eben hatte er den letzten Kampf bestanden, es sich und den Seinen zu gewinnen. Er kam aus der Kreisstadt. Nach endlosen Verhandlungen war es ihm heute gelungen, deren Väter, die trägen, die übelwollenden, die argwöhnischen Gemüter sich zu beugen. Die verfallene Ziegelei, die niemand kaufen, niemand pachten wollte, war samt dem Gelände jetzt ihm und seiner Siedler-Mannschaft gesichert. Damit erst war das ganze Siedlungswerk auf festen Grund gestellt.
Die Ziegelei mit ihren Tonfeldern, auf der anderen Seite das Moor und sein Torfstich, ein Stück Kiefernwald, bereit, die Balken und Bretter zu liefern, reichlich Kulturboden und weites Heideland zum Urbarmachen -- was brauchte man mehr zum Bauen und Hausen!
Die Brust schwoll ihm, tief tranken seine Lungen die mondhelle Luft.
Im Osten strahlte die See, vom Himmel beleuchtet bis an den Saum des Horizonts. Kein Schiff war zu sehen, kein Dampfer, kein Segler -- das tote deutsche Meer.
Da zuckte es schmerzhaft durch ihn hin, und er wandte sich wieder landeinwärts. Schritt herab von der Höhe, schritt wieder seinen Weg über die Heide. Er warf den Druck von sich, seine Sehnen federten wie im Marsch. Das Lied der deutschen Jugend, das durch die Seelen zog, kam ihm in den gestrafften Sinn, und er sang sich die Worte:
Wir sind die Jungen, in Not gestählt, in Schmerzen geworden, in Schmerzen erwählt. Deutsche Erde, die uns erschuf, deutsche Erde, uns gilt dein Ruf. Wir sind geweiht, wir schließen die Reih'n! Frei sollst du sein!
Wir sind die Jungen! In unserm Sinnen du bist der Ausgang, du das Beginnen. Nicht einen Bissen von deutschem Korn, nicht einen Tropfen aus deutschem Born, Deutschland, daß wir nicht dächten dein! Frei sollst du sein!
Wir sind die Jungen! Wir sind die Kraft, jede Faser gestrafft und gerafft, wir sind die Jungen, wir sind die Frohen, siehst du die nächtigen Wolken lohen? Wir sind des Frührots lachender Schein! Frei sollst du sein!
Wir sind die Jungen -- die Herzen fliegen! Wir sind die Jungen, wir stürmen, wir siegen! Unter die Füße den tückischen Haß, seine Ketten zerspringen wie Glas. Unser Gebet, unser Feldgeschrei: Frei sollst du sein! Wir machen dich frei!
Er war am Ziel. Die Baracke, die an den kiefernbestandenen Hang sich lehnte, war sein Quartier.
Der Bretterbau lag dunkel, die Kameraden hatten nicht mehr auf ihn gewartet. Er klopfte im Dreischlag, der Mann, der die Wache hatte, war gleich zur Hand, steckte eine Kerze an und öffnete ihm.
»Guten Abend, Runge, oder Guten Morgen!« grüßte der Eintretende.
»Das ist famost!« In dem verschlafenen viereckigen Gesicht des Wachmannes tanzten freudig die kleinen Augen wie feurige Punkte.
Dann berichtete er »nichts zu melden, Herr Hauptmann«, und jeder ging in sein Losament. Der Wachthabende in das kleine Gemach rechts vom Eingang, Hauptmann Horst Oldefeld in sein Zimmer, das gegenüber lag.
Ein kahler, niedriger, einfenstriger Raum, in dem nichts als ein Tisch, zwei Stühle und ein eiserner Ofen stand. Das Bett war ein Bretterverschlag an der Wand, mit Strohsack und wollener Decke. Lag es sich hart und kalt darin, hatte er die Bannworte bereit: Schützengraben und Champagne! Durch Dreck geschleift -- in Dreck verkrustet! Und er kuschelte sich ein voll unbändigen Behagens.
Morgens war er der erste auf. Holte sich die große blecherne Waschschüssel voll Schnee, und rieb sich mit der himmlischen Frische ab von Kopf zu Füßen. Dann im Mantel an den Tisch zum Schreibwerk, und er dampfte von Wärme in dem ausgekühlten Raum.
Nicht lange, da trat der Hauptmann Dankwart Hamerslag bei ihm ein. Hart, ernst, wortkarg. Das Lid über dem rechten Auge infolge eines Kopfschusses halb gesenkt, der linke Arm steif, ein Granatsplitter stak noch in der Schulter.
»Morgen, Junge«, grüßte ihn Horst. »Also die Städter hätten wir jetzt auch erschlagen.«
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