5321--23. =Bücher der Naturwissenschaft= herausgegeben von =Professor ~Dr.~ Siegmund Günther=. 10. Band. =Robert Geigel, Die Wärme.= Mit 4 Tafeln und 32 Zeichnungen im Text. Geb. 1 Mk., in Leder- oder Pergamentband 1.75 Mk.
5324. =Rich. Voß=, Amata. -- Liebesopfer. Zwei antike Erzählungen. Geb. 60 Pf.
5325. =Heinrich v. Kleist=, Penthesilea. Trauerspiel. In vier Aufzügen =für die Bühne= eingerichtet von =P. Lindau=.
5326. =Franz Michael Felder=, Liebeszeichen. Eine Erzählung aus dem Bregenzerwald. Mit dem Bildnis des Verfassers und einer Einleitung von =Martin Bilgeri=. Erste Buchausgabe.
5327. =Musiker-Biographien.= 30. Bd.: François Frédéric Chopin. Von =Else Redenbacher=.
5328. =Karl von Holtei=, Dreiunddreißig Minuten in Grüneberg oder Der halbe Weg. Possenspiel in 1 Aufzug. Mit einer Musikbeilage.
5329. =Fritz Friedmann-Frederich=, Meyers. Schwank in 3 Aufzügen.
5330. =Hans Land=, Ja -- die Liebe! Und andere Novellen. Mit dem Bilde des Verfassers und einer Einleitung v. =C. W. Neumann=. Geb. 60 Pf.
5331--35. =Reichsversicherungsordnung= nebst =Einführungsgesetz=. Textausgabe mit Einleitung und Sachregister. Herausgegeben von =Geh. Regierungsrat Sanftenberg=. In Tascheneinband 1.25 Mk., in Ganzleinenband 1.50 Mk.
5336. =Frances Külpe=, Der Silbergarten. Der Stein des Pietro. Zwei Erzählungen.
5337. =Erläuterungen zu Meisterwerken der Tonkunst. 22. Band.= Richard Strauß: Der Rosenkavalier. Komödie für Musik in drei Aufzügen. Geschichtlich, szenisch und musikalisch analysiert, mit zahlreichen Notenbeispielen von =Max Chop=.
5338. =Luise Algenstaedt=, Frau Rübezahl und andere Novellen.
5339. =Wilhelm Wolters=, Leander im Frack. Schwank in 3 Aufzügen.
5340. =Josef Willomitzer=, Eine Nacht im Mittelalter und andere Geschichten. Mit dem Bildnis des Verfassers und einer Einleitung von =~Dr.~ Robert Reinhard=. Geb. 60 Pf.
=Einband-Decken= in Ganzleinen zur Universal-Bibliothek (dieselben wie zu Reclams Miniaturausgaben) ohne Titeldruck in 9 Größen, für Bände im Umfang von 5, 8, 12, 16, 20, 25, 30, 35 u. 42 Bogen, sind für je 30 Pf. durch alle Buchhandlungen zu beziehen.
Der Silbergarten.
Der Stein des Pietro.
Das Abendlicht lag mit einem rötlichen Schimmer über den weiß verschneiten Parkbäumen. Durch die hohen Fenster des Herrenhauses leuchtete es nachdenklich und klar in das Kinderzimmer hinein.
An den weißen Wänden saß im Halbkranze eine zahlreiche Gesellschaft stocksteif und winzig auf kleinen Stühlchen und starrte mit teilnahmlosen Glasaugen in die Mitte des Raumes.
Hier ging etwas Seltsames vor.
Ein kleines weißgekleidetes Mädchen mit aufgelöstem Blondhaar schwang sich mit feierlicher Anmut in einem Tanze, den es offenbar selbst erfunden hatte, vor dem Puppenpublikum hin und her.
Bald glitt es in gebückter Haltung, die Händchen weit hinter sich gestreckt, mit wunderlichen, schleichenden Bewegungen langsam vorwärts, bald stand es auf den Zehenspitzen und hob die schmächtigen Arme in einer verzückten Gebärde zur Zimmerdecke empor, bald drehte es sich, wie zu einer getragenen Musik, langsam um sich selbst -- endlich blieb es stehen, wie erstarrt, das lange Haar wie einen goldenen Schleier mit den Händen fassend, die es auseinandergebreitet hielt, die verträumten Augen ernsthaft vor sich hin gerichtet.
»Das war der Sonnentanz!« sagte die Kleine leise. »Habt ihr auch ordentlich zugeschaut?«
Die steifen, rotbäckigen Puppengesichter mußten wohl genickt haben, denn mit einer hoheitsvollen Bewegung hob die kleine Sibylle den Arm und sprach: »Wenn ich einmal gestorben bin, dann werdet ihr nicht trauern, das nutzt gar nichts -- aber da ich nun doch eure Königin bin, so sollt ihr mir ein Denkmal setzen. Weiß muß es sein, ganz schneeweiß, aus Marmor, wie Großmama eins hat, und darauf muß mit goldenen Buchstaben stehen: Demut und Gerechtigkeit. Habt ihr's gehört? Hebt also den rechten Arm und versprecht es!«
Wie ein Feldherr, der Umschau über seine Truppen hält, kreuzte sie die Arme über der Brust, runzelte die Stirn und trat einen Schritt zurück.
Dann nickte sie herablassend und gnädig.
»Ich will euch aber auch eine gute Königin sein, solange ich lebe, und niemandem werde ich unser Geheimnis sagen -- auch nicht Arno.«
Hierbei krauste sich die klare Kinderstirn wieder nachdenklich, ja fast schmerzlich -- aber ruhig wiederholte das kleine Mädchen: »Nein, auch nicht Arno, nur dann, wenn er ... euer König sein will.
Und jetzt -- seid gehorsam, schwatzt nicht und zankt euch nicht. Geht artig zu Bett und schlaft bald ein. Dann sollt ihr auch morgen den Schneetanz zu sehen bekommen.«
Die Tür ging auf und eine zarte Frau trat ein. »Mit wem redest du denn da, Silly?«
Die Kleine lief der Mama freudig entgegen. »Mit meinen Puppen, Mama. Ich muß sie noch zu Bett bringen.«
»Ich wollte dir etwas Hübsches sagen, Kind. Arnos Eltern reisen in der nächsten Woche nach Italien, und solange sie fortbleiben, kommen Arno und Elisabeth zu uns mit ihrem Hauslehrer. Nun, freust du dich denn nicht?«
»Elisabeth auch?« fragte Sibylle ein wenig gedehnt. »Arno allein wäre hübscher. Elisabeth ist immer so ... so schrecklich langweilig.«
»Aber, Silly!« sagte die Mutter mit leisem Tadel, »die Kinder werden unsere Gäste sein -- und gegen Gäste ist man immer sehr liebenswürdig. Komm jetzt mit nach unten, du sollst Arnos Mama begrüßen.«
Freifrau v. Wolf-Rüdinghausen fuhr nervös zusammen, als die Tür sich öffnete und die Gräfin mit Sibylle am Arm in den Salon trat. Ihre Augen lagen tief in den Höhlen, ihre Züge waren scharf und gespannt; jetzt verklärten sie sich zu einem erfreuten Dulderlächeln.
Das Kind hatte sich zärtlich an die Mutter geschmiegt und sah dem Gast mit einem frischen Glanz in den Augen erwartungsvoll entgegen.
»Ich freue mich sehr auf Arno und ... Elisabeth!« sagte die Kleine artig und küßte der Freifrau nach einem schönen Knicks die Hand.
Während sich die Damen über den näheren Termin unterhielten, an dem die Kinder in Wangen eintreffen sollten, hörte sie aufmerksam zu. Als die Freifrau lachend erzählte, daß Arno und Elisabeth am liebsten ihren ganzen Kaninchenstall auf dem Nachbargute einbürgern wollten, schlug Sibylle die durchsichtigen grauen Augen bittend zu ihr auf.
»Ach ja, erlauben Sie es doch! Und Arnos Reitpferdchen lassen Sie doch mitkommen, Tante Marga, bitte!« sagte sie leise. »Er wird sich doch langweilen ohne sein Pony.«
Die Freifrau warf der Gräfin einen amüsierten Blick zu. »Mein Arno hat eine tapfere Fürsprecherin in Silly,« sagte sie wohlgefällig. »Wenn die Kinder doch nur künftig ebenso zusammenhielten wie wir Erwachsenen!« fügte sie mit einem schmerzlichen Seufzer hinzu. »Wissen Sie auch, Liebe, daß mein Mann sich mit dem Gedanken trägt, Rüdinghausen zu verkaufen?«